Wirtschaft
13.05.2016

ÖBB: Diese Probleme hinterlässt Kern seinem Nachfolger

Bei der Umstrukturierung der Bahn gibt es noch viele Baustellen.

Bei den ÖBB wurde in den vergangenen fünf Jahren eine Reihe von Reformen eingeleitet und umgesetzt, die auch bereits erste Erfolge brachten. Unterm Strich blieben den ÖBB im Vorjahr ein Vorsteuergewinn von 192 Millionen Euro, heuer soll der Gewinn erneut rund 200 Millionen Euro ausmachen. Diese 200 Millionen Euro sind allerdings der Mindest-Gewinn, denn damit verdient die Bahn gerade ihre Kapitalkosten.

Trotz der an sich positiven ÖBB-Bilanz hat der Nachfolger von Bahn-Chef Christian Kern in den kommenden Jahren daher einen veritablen Problemberg abzutragen.

Überalterung der Belegschaft Durch die vonseiten der Politik gewünschte Frühpensionierungswelle unter der schwarz-blauen Koalition bis 2010 (ohne Nachbesetzung) ist das Durchschnittsalter der Eisenbahner massiv angestiegen. Bis 2021 steigt das Durchschnittsalter der 40.000 Kopf starken Belegschaft auf 49,6 Jahre, ein Drittel der Belegschaft wird dann bereits über 55 Jahre alt sein. Die Bahn muss, weil es diese Frühpensionen nicht mehr gibt, adäquate neue Arbeits- und Beschäftigungsmodelle für ältere Mitarbeiter finden. Gleichzeitig muss sie neue Mitarbeiter aufnehmen. Derzeit fehlen vor allem Busfahrer, Lokführer und Fahrdienstleiter, die die Bahn selbst ausbilden muss. In den nächsten fünf Jahren muss die Bahn rund 11.500 Stellen neu besetzen, in die Ausbildung werden 100 Millionen Euro investiert.

Neue Konkurrenz Im Personenverkehr ändert sich europaweit das Mobilitätsverhalten. Einer der neuen Trends sind Fernbusse, die den Bahnen mit Kampfpreisen massiv Konkurrenz machen. Die ÖBB stehen kurz vor dem Einstieg in diesen heiß umkämpften Markt, der auf Dauer wohl nur mit Verlusten zu betreiben sein wird. Laut Noch-ÖBB-Chef Kern muss die Bahn dieses Geld aber investieren, um gesamte Mobilitätslösungen anbieten zu können.

Infrastruktur Die ÖBB investieren -zig Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur im Auftrag und auf Rechnung des Bundes. Die Betriebskosten für neue Strecken – etwa für den in Summe mehr als 10 Milliarden Euro teuren Brenner-Basistunnel – wird die Bahn in Zukunft aber allein schultern müssen.

Güterverkehr Im Frachtverkehr fallen gewinnträchtige Geschäfte – etwa Kohlenzüge – zunehmend weg. Das für den österreichischen Markt wichtige Stückgutgeschäft wirft ebenfalls kaum Gewinne ab. Um in den schwarzen Zahlen zu bleiben, startete Kern ein neuerliches Kostensenkungsprogramm, das rund 40 Millionen Euro einsparen soll.

Personalpolitik Als kurzfristig hohe Hürde für den Nachfolger könnte sich Kerns Personalpolitik erweisen. Der Konzern ist laut Kritikern zu sehr auf Kern als Chef der ÖBB-Holding ausgerichtet. Den Vorständen der Teilkonzerne Personenverkehr und Güterverkehr räumt er – meinen nicht nur "alte" ÖBBler – relativ wenig Entscheidungskompetenzen ein. Überdies hat Kern im Herbst 2015 fast alle von ihm geholten Top-Manager gegen neue ausgetauscht, der neue Bahn-Chef muss also noch eine geraume Weile mit ihnen auskommen.