Obama: "Werden immer AAA-Land sein"

Obama zeigte sich in seiner Rede optimistisch. Woran es derzeit fehle, sei der politische Wille zu Lösungen.
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Nach der Rating-Schelte für die US-Schuldenpolitik kontert der US-Präsident in einer TV-Ansprache: Finanzprobleme der USA seien "lösbar".

Es mutet fast wie ein kindlicher Sandkastenstreit an: Nachdem die US-Ratingagentur Standard&Poor's (S&P) am Freitag vergangener Woche den USA die Top-Bonität AAA aberkannt hat, kamen am Montag scharfe Töne aus der Politik.

"Egal, was eine Ratingagentur meint, wir waren immer und werden immer ein AAA-Land sein", betonte US-Präsident Barack Obama am Montag in Washington in einer TV-Ansprache. Obama zeigt sich trotz der herabgestuften US-Kreditwürdigkeit und jüngster Börsenturbulenzen optimistisch für die Zukunft des Landes.

Das Problem der USA sei nicht die Glaubwürdigkeit des Landes als Schuldner, sondern, ob man auf lange Sicht das Schuldenproblem in den Griff bekomme, sagte der Präsident. Die Probleme der USA seien "lösbar". Woran es fehle, sei der politische Wille zu Lösungen. Eine viel unmittelbarere Sorge der Amerikaner, aber auch der Märkte sei die hohe Arbeitslosigkeit und das schwache Wachstum.

Obama zeigte sich in seiner Rede optimistisch. Woran es derzeit fehle, sei der politische Wille zu Lösungen. Foto: EPA Obama zeigte sich in seiner Rede optimistisch. Woran es derzeit fehle, sei der politische Wille zu Lösungen.

Schon vor der Rede Obamas hatte die Politik zurückgeschossen und S&P eines eklatanten Rechenfehlers bezichtigt.

S&P habe einen "verblüffenden Mangel an Kenntnissen in grundlegender US-Haushaltsmathematik" an den Tag gelegt und sei zu "genau dem falschen Schluss gekommen", sagt der angezählte US-Finanzminister Timothy Geithner. S&P-Manager David Beers kontert: "Unsere Analyse ist einwandfrei." Der Ratingagentur seien die Sparmaßnahmen der US-Regierung nicht weitreichend genug. Sie reichen nicht einmal, um die Neuverschuldung der kommenden fünf Jahre drastisch zu reduzieren. Zudem - und das wiege für S&P noch schwerer - seien die politischen Rahmenbedingungen in Washington alles andere als stabil.

Rückendeckung bekam S&P am Montag von Moody's. Die Nummer zwei am Rating-Markt stufte die US-Kreditwürdigkeit zwar nicht zurück, doch schließt sie diesen Schritt in den kommenden eineinhalb Jahren nicht aus.

Die S&P-Aktion befeuert jedenfalls wieder die Kritiker der Ratingagenturen. Zu mächtig sei das "Kartell der Drei" (siehe Artikelende), eine stärkere Regulierung wird gefordert. Schon im Juli hatte EU-Justizkommissarin Viviane Reding eine Zerschlagung der Agenturen angeregt. "Es darf nicht sein, dass ein Kartell über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften entscheidet", sagte sie damals. Am Montag blies US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman ins selbe Horn: "Diese Menschen sind nicht in der Position, Urteile zu fällen."

Wer hört darauf?

Institutionelle Investoren, Banken und Versicherungen orientieren sich an den Analysen der Ratingagenturen. Doch es obliege jedem Marktteilnehmer selbst, ob er diesen folge oder nicht, verteidigen sich die Agenturen. Große Fondsgesellschaften, wie der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock, beachten Ratings eigenen Angabe zufolge gar nicht - sie machen sich ihre Kredit-Analysen selbst.

Und tatsächlich: Wider dem S&P-Entscheid stiegen am Montag die Renditen für US-Staatsanleihen. Dies kam für die UniCredit-Analysten allerdings gar nicht so überraschend: "Die US-Anleihen gehören, trotz Abstufung, immer noch zu den sichersten Anlagen der Welt." Fast schon plakativ-patriotisch die Reaktion von Warren Buffett: "Wenn es eine vierfache A-Note gäbe, würde ich sie den USA geben." Er kaufe weiter US-Anleihen, versichert die Investorenlegende.

Für Monika Rosen, Chefanalystin im UniCredit Private Banking, sei weniger das Rating als die wirtschaftliche Entwicklung der USA im Fokus. Mit Spannung wird im Markt deshalb die Sitzung der US-Notenbank am Dienstag erwartet. Man erhoffe sich Hinweise, ob die Fed eine weitere, dritte Runde der geldpolitischen Lockerung (Quantitative Easing "QE3" genannt) plane.

Obama zeigte sich in seiner Rede optimistisch. Woran es derzeit fehle, sei der politische Wille zu Lösungen. Foto: EPA Obama zeigte sich in seiner Rede optimistisch. Woran es derzeit fehle, sei der politische Wille zu Lösungen.

Ratingagenturen: Die drei großen sitzen in New York
Fitch
Die 1913 in New York von John Knowles Fitch gegründete Agentur ist die "europäischste": Sie ist eine Tochtergesellschaft der Fimalac-Holding - diese gehört mehrheitlich dem französischen Geschäftsmann Marc Ladreit de Lacharrière, laut Forbes auf Rang 880 der Reichsten der Welt. Mit 2100 Mitarbeitern an 49 Standorten weltweit ist Fitch die Nummer drei am Markt.
Standard & Poor's
Die Ursprünge gehen bis 1860 zurück. Seit 1941 ist S&P auch als Ratingagentur tätig. 1966 wurde S&P vom Medienkonzern McGraw-Hill geschluckt (der u. a. Fernsehsender betreibt und Bücher verlegt). 2009 erzielte die Agentur 2,6 Milliarden Dollar Umsatz und veröffentlichte 870.000 Bewertungen. S&P ist auch für die Erstellung von Börsenindizes bekannt.
Moody's
Die Agentur ist Hauptteil der an der New Yorker Börse gelisteten Holding Moody's Corporation. Die 1909 von John Moody gegründete Agentur lieferte Ratings zu Eisenbahn-Anleihen an Investoren. Bis 2009 besaß Investorlegende Warren Buffett die Mehrheit, nun hält er nur rund 10 Prozent. Umsatz 2010: 1,8 Mrd. Dollar. Moody's ist die Nummer zwei am Markt.

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(KURIER, APA) Erstellt am
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