Wirtschaft
13.01.2012

"Nur Euro-Austritt kann Griechen retten"

Immer öfter prophezeien oder empfehlen Wirtschafts-Fachleute eine Wiedereinführung der Drachme.

Euroland kommt nicht und nicht zur Ruhe. Trotz der Entspannungssignale aus Italien und Spanien, wo am Donnerstag und Freitag Staatsanleihen überraschend erfolgreich auf dem Kapitalmarkt platziert werden konnten, bleibt die wirtschaftliche Lage vor allem in Griechenland hochexplosiv. Der als gemäßigt geltende deutsche Ökonom und Wirtschaftsweise Peter Bofinger sagt: „Griechenland ist im freien Fall. Das Land spart in die Rezession hinein und verschärft sie dadurch immer weiter.“ Bofinger ist prinzipiell für weitere, großzügige Hilfen an Griechenland.

Sein Wiener Kollege, WIFO-Euro-Experte Fritz Breuss, meinte hingegen im KURIER-Gespräch: „Es ist fast hoffnungslos. Griechenland kann nur durch einen vorübergehenden Austritt aus der Währungsunion samt Wiederherstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertung der neuen Währung gesunden.“ Soll heißen: Alle bisherigen EU-Versuche, Griechenland mit Milliarden aus dem Rettungsschirm aufzufangen, ändern nichts an der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Neue Wirtschaftskraft könne nur über eine massive Abwertung einer wieder eingeführten Drachme erlangt werden. Bei allen damit verbundenen Nachteilen: Führt Griechenland die Drachme wieder ein und wertet diese deutlich ab, schnellen die in Euro oder Dollar gerechneten Auslandsschulden massiv hinauf. Außerdem droht dann ein Run auf die Banken samt negativem Dominoeffekt in anderen Euroländern.

Tauziehen mit Gläubigern

Die bisherigen EU-Hilfsgelder und das beschlossene, aber noch nicht umgesetzte zweite 130-Milliarden-Euro-Paket bezeichnen immer mehr Experten als reine Symptombekämpfung. Gelingt die Umsetzung – derzeit spießt es sich an der freiwilligen Beteiligung der Privatgläubiger wie Banken und Versicherungen – bewirkt es nach EU-Prognosen, dass Athen im Jahr 2020 statt jetzt 160 dann „nur noch“120 Prozent Staatsverschuldung hat. Breuss: „Das ist aber noch immer das Doppelte von dem, was Maastricht erlaubt.“ Anfang kommender Woche werden die Experten der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EZB in Athen erwartet.

Auch von ihrem Urteil hängt die Auszahlung weiterer Hilfskredite ab. In der Zwischenzeit geht das Tauziehen mit den Privatgläubigern weiter. Der Verzicht auf 50 Prozent der Forderungen der Geldgeber sollte eigentlich Ende 2011 unter Dach und Fach sein. Für manche Geldgeber (Spekulanten) wäre ein Pleite Griechenlands aber günstiger. Dann bekämen sie nämlich dank ihrer Spezial-Versicherungen (CDS) einen Ausgleich für den Kreditausfall.

 

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