Ex-VW-Chef Martin Winterkorn

© APA/JULIAN STRATENSCHUKTE

Vorstandsgagen
03/15/2013

"Nur 0,25 Prozent des Gewinns"

VW-Chef Martin Winterkorn will Boni-Diskussion beenden / Merkel kritisiert Maßlosigkeit

von Reinhard Frauscher, Robert Kleedorfer

Hohe Gehälter und Boni von Managern werden in Deutschland zum großen Wahlkampfschlager. Vorstände müssen sich dem Thema stellen, ob sie wollen oder nicht. Auch VW-Chef Martin Winterkorn, im Vorjahr mit 14,5 Millionen Euro bestverdienender Manager Deutschlands, wurde auf der Bilanzpressekonferenz gestern, Donnerstag, damit konfrontiert. Während er alle anderen Fragen zum Autogeschäft frei beantwortete, las er zur Boni-Debatte ein vorgefertigtes Statement vor.

Grundtenor: „Angesichts der vielen Herausforderungen stellt sich die Frage, ob uns die Diskussion weiterhilft.“ VW habe die aktuelle Debatte bereits vorweggenommen und die Boni für den Vorstand gedeckelt. 2011 strich Winterkorn allein noch elf Millionen Euro ein – für das vergangene und das laufende Jahr sind es maximal je 6,75 Millionen. Die übrigen sieben Vorstände erhalten bestenfalls 2,5 Millionen Euro.Winterkorn verwies in seinem Statement auf die „adäquate Bezahlung aller Beschäftigten“. Sie erhalten im Durchschnitt pro Kopf für 2012 eine Erfolgsbeteiligung von 7200 Euro.

VW-Personalchef Horst Neumann glaubt, dass die Relation zwischen Winterkorns Basisgehalt (290.000 Euro brutto im Jahr) zum Verdienst eines VW-Facharbeiters „nicht so verkehrt und in der Bevölkerung weithin akzeptiert ist“. Der gesamte Vorstand erhalte nur 0,25 Prozent des operativen Gewinns. Diesen konnte Europas größter Autohersteller im Vorjahr um zwei Prozent auf 11,5 Mrd. Euro steigern. Unterm Strich blieb wegen Sondereffekten aus der Porsche-Übernahme sogar ein Gewinn von 21,9 (nach 15,8) Milliarden Euro. Die Dividende soll um 50 Cent je Stammaktie auf 3,50 Euro steigen. Bis 2016 will VW 60 Milliarden Euro investieren, unter anderem in sieben neue Werke in China.

Gesetzesschranken

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel will noch vor den Wahlen im Herbst Manager-Gehälter gesetzlich regeln. „Maßlosigkeit darf in einer freien und sozialen Gesellschaft nicht sein“, begründete Merkel am Mittwoch ihren Schwenk , mit dem sie nun auch die Entgelte von Spitzenmanagern besser kontrollieren lassen will. Zuvor hatten Grüne und danach die SPD die große Zustimmung der Schweizer zur „Abzocker-Initiative“ zum Anlass eines Vorstoßes auch in Deutschland genommen.

Die Koalition will nun das Aktiengesetz so ändern, dass nicht mehr der Aufsichtsrat, sondern die Aktionäre in der Hauptversammlung den Vorstandsgehältern verbindlich zustimmen müssen. Eine Obergrenze wie in der Schweiz ist nicht vorgesehen. Die Reaktion der Wirtschaft darauf ist erwartungsgemäß wenig freundlich: Ulrich Grillo, Chef des Industriellenverbandes BDI, nannte Merkels Ankündigung einen „Wahlkampf-Schnellschuss, für den kein Bedarf besteht.“ Die Hauptversammlungen diskutierten „schon heute die in Deutschland moderateren Bezüge als in den USA mit großer Zustimmung“. Heinrich Driftmann, Chef des vor allem den Mittelstand repräsentierenden Wirtschaftskammertages DIHT mahnte: „Für gute Leistung sollen gute Gehälter gezahlt werden, auch wenn es welche gibt, die jenseits der Vorstellungen des Mittelstandes liegen“.

Schieder will "Gier Einhalt gebieten"

Die Debatte um eine Beschränkung von Manager-Gagen schwappt nun auch auf Österreich über. Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder (SP) fordert eine gesetzliche Regelung. Schieder im KURIER-Gespräch über:

Rekordgagen: Sehr oft haben sich wirtschaftliche Leistungen und Managergehälter entkoppelt. Es gibt sogar Boni, wenn Anleger Verluste erleiden. Man muss dieser extremen Gier Einhalt gebieten.

gute Gelegenheit: Das Thema wird in der Schweiz und Deutschland aktuell heftig diskutiert. Wir sollten die Chance nutzen und ebenfalls sinnvolle Regeln machen.

den Wert von Managern: Das wird in jeder Branche und in jedem Unternehmen anders sein. Aber wir haben Auswüchse, die nicht zu erklären sind. In börsenotierten Unternehmen bezogen die Manager vor zwei Jahrzehnten das Zehnfache vom Durchschnittsgehalt. Heute ist es das 40- bis 50-fache. Das muss man wieder in ein vernünftiges Verhältnis bringen.

gesetzliche Regelungen:Mit dem Corporate Governance Kodex haben wir schon gute Regeln dazu. Das Problem ist, dass sich kaum jemand an die freiwilligen Regeln hält, wenn sie schlagend werden. Daher ist es sinnvoll, das in Gesetzesform zu gießen.

konkrete Maßnahmen: Es geht darum, die Boni an den mittelfristigen Unternehmenserfolg zu koppeln. Zudem muss die Chance auf einen Bonus auch verbunden sein mit einem Risiko für einen Abschlag: Kein Bonus ohne Malus. Manager-Vergütungen sollten von der Hauptversammlung und nicht vom Aufsichtsrat beschlossen werden. Und bei Willkommensgeld oder Beraterverträgen nach dem Ausscheiden schwebt mir vor, dass man das unterbindet.

Abwanderung von Managern: Auch bei strengeren Regeln fürchte ich nicht, dass Manager abwandern. Das ist nur eine leere Drohung. Die wirklich guten Manager wissen ja, dass die Gehälter in einem vernünftigen Verhältnis stehen müssen.

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