Wirtschaft
05.12.2011

Nowotny: "Schneller gegensteuern"

Der Notenbankgouverneur ortet in der jetzigen Krise Parallelen zur Lehman-Pleite. Die Anleihekäufe der EZB findet er angemessen.

Schuldenkrisen in Europa und den USA, Konjunktursorgen und anstürzende Börsenkurse - vor diesem Hintergrund rief Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Rat, alle Staaten auf, ihre Finanzen zu stabilisieren. Von Europas Politikern forderte er, schneller und entschiedener gegenzusteuern. Die Beschlüsse des Eurogipfels vom Juli müssten wirklich rasch umgesetzt werden, hier gebe es Verzögerungen und Unsicherheit. Nowotny zeigte sich im ORF-Mittagjournal sehr besorgt und er ortet bereits gewisse Parallelen zu der Krise nach der Lehman-Pleite. Der Notenbanker verteidigte zudem die Anleiheaufkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB).

Auf die Frage, ob die Krise schon so schlimm sei wie Lehman 2008, meinte Nowotny: "Das würde ich derzeit nicht sagen". Doch ortet er "gewisse Parallelen": etwa, dass die Banken in ihrer Kreditvergabe vorsichtig werden, und dass sie in zunehmendem Maß Geld bei der EZB parkten. Die Einlagen bei der EZB sind massiv angestiegen. "Das ist kein gutes Zeichen". Wichtig sei es, hier Stabilität und Sicherheit herzustellen, mahnte Nowotny.

Internationaler Abwärtstrend

Wie es mit den Kursen an den Börsen weitergehe, vermochte Nowotny nicht zu prognostizieren. Börsen seien schließlich sehr sensibel und oftmals irrational. Das Börsegeschehen sei durch Erwartungen bestimmt, und eine Beeinflussung dieser Erwartungen sei nur im begrenzten Maß möglich. Der unmittelbare Anlass jetzt sei ja die Budgetproblematik in den USA gewesen und das politische Tauziehen um die dortige Schuldengrenze. Zudem herrschen Sorgen um die US-Konjunktur, obwohl die sich ja nicht so abrupt verändere. Jetzt stiegen aber die Befürchtungen, dass es international wieder zu einem Abwärtstrend kommen könnte. Für Europa gelte das von der Prognoseseite her nicht, aber natürlich würden "Europa und damit auch Österreich von dieser Entwicklung mitgezogen".

Realistisch gesehen sei man hier in einer schwierigen Situation. Hier gelte es "mit Klugheit und Entschlossenheit" zu agieren. Im EZB-Rat sei sehr ausführlich diskutiert worden, welche Risiken mit den jüngsten Aktionen (neue Anleihe-Aufkäufe, Anm.) verbunden seien. "Natürlich hat jedes Handeln Risiken", räumte Nowotny heute ein. Aber es sei besser als "Nicht-Handeln". In dieser Situation gebe es keine Maßnahme, die ohne Risiko sei. Nowotny bekräftigte aber, dass es damit zu keiner Ausweitung der Geldmenge komme, es sei damit keine Inflationsproblematik verbunden.