Wirtschaft 09.01.2012

Notenbanker Hildebrand tritt zurück

Der Chef der Schweizerischen Nationalbank steht wegen Devisenspekulationen seiner Frau unter Beschuss.

Vor wenigen Tagen hat sich Philipp Hildebrand, Chef der Schweizerischen Notenbank (SNB), noch strikt geweigert wegen der heiklen Devisen-Geschäfte seiner Frau zurückzutreten. Bevor er sich einer Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des Parlaments stellen sollte, gab er am Montag überraschend seinen Rückzug mit sofortiger Wirkung bekannt.

„Die Devisentransaktion ist ein Fehler gewesen“, dazu sei er schon letzte Woche gestanden, sagte Hildebrand auf einer einberufenen Pressekonferenz. Er habe nichts zu verbergen. Hildebrand legte seine gesamten eMails und Dokumente zu den Transaktionen offen. „Ich kann nicht ein- und für allemal beweisen, dass es so war, wie ich es erzählt habe“, sagte er. „Es steht nur mein Wort im Raum. Dies genügt offensichtlich nicht.“

Er sei zum Schluss gelangt, dass die Affäre seine Arbeit als SNB-Präsident belasten würde. Er sei auch zum Schluss gelangt, dass es unmöglich sei, in seiner Funktion als Verantwortlicher für die Schweizer Währung überhaupt mit ausländischen Devisen zu handeln. Die Nationalbank werde schnell die entsprechenden Regeln ändern.

„Der Schritt erfüllt mich mit Traurigkeit“, sagte er. Die vergangenen Wochen seien für seine Familie und ihn eine schwierige Zeit gewesen. Seit Anfang 2010 stand der 48-jährige gebürtige Berner an der Spitze der SNB. Der Vizepräsident der Nationalbank, Thomas Jordan, übernimmt interimistisch das Präsidium.

Nach dem Auffliegen der Transaktionen von Hildebrands Ehefrau Kashya Anfang Jänner ist der Druck auf den SNB-Chef immer stärker geworden. Er steht unter dem Verdacht des Insiderhandels und massiv in der Kritik. Denn Kashya Hildebrand hatte im August für 400.000 Schweizer Franken US-Dollar gekauft. Wenig später griff die SNB in den Markt ein und sorgte damit für eine sprunghafte Aufwertung der US-Währung zum Schweizer Franken.

Anfang Oktober veräußerte Kashya Hildebrand die Position und machte damit 75.000 Franken Gewinn. Die Transaktion wurde von den Wirtschaftsprüfern von PriceWaterhouseCoopers untersucht. Sie fanden keine Hinweise darauf, dass Hildebrand mit dem Geschäft die Reglements der Notenbank verletzt habe. Der SNB-Chef gab allerdings zu, „moralisch nicht korrekt gehandelt zu haben“. An den öffentlichen Rücktrittsforderungen änderte weder sein moralisches Einsehen noch die Prüfergebnisse von PwC etwas.

Selbstmordversuch

Der Angestellte der Schweizer Privatbank Sarasin, der durch Datenweitergabe den Skandal um Hildebrand ins Rollen gebracht hatte, versuchte am Wochenende, sich das Leben zu nehmen. Der 39-jährige Informatiker wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Er hatte sich Anfang Jänner selbst angezeigt. Ihm wurde daraufhin fristlos gekündigt, zudem wurde ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Er hat mit der Datenweitergabe das Bankgesetz verletzt. Die Daten hatte er einem Anwalt der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei SVP übergeben.

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( Kurier ) Erstellt am 09.01.2012