Notenbanker gegen Bitcoin: "Die Kontrolle bleibt bei uns"

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny
Foto: APA OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny

Die internationalen Notenbanken wollen die Digitalisierung nicht "Fremden" überlassen. Sie prüfen selbst die Einführung digitaler Währungen.

Wer das Wort "Bitcoin" in Notenbanker-Kreisen ausspricht, erntet umgehend Ablehnung. "Das ist keine Währung, das ist ein Spekulationsobjekt", heißt es unter Hinweis auf die enormen Kursschwankungen von Bitcoins. Nur "Verzweifelte, die mit echtem Geld wenig zu tun haben wollten", würden zu Bitcoins greifen. Denn dieses System sei unkontrolliert und intransparent.

Die virtuelle Währungskonkurrenz lässt die Notenbanken aber nicht kalt. Weltweit erforschen sie den Einsatz neuer Technologien für den Zahlungsverkehr. Grund: "Die Kontrolle bleibt bei uns", so die Ansage der Notenbanker. "Es soll ein von Notenbanken und dem öffentlichen Sektor kontrolliertes System sein und nicht ein völlig unkontrolliertes wie Bitcoin", führt der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, am Rande der Volkswirtschaftlichen Tagung der OeNB aus. Bis eine digitale Währung von Notenbanken eingeführt werden könne, würden aber noch Jahre vergehen. Denn dafür sei eine Fülle von Regulierungen notwendig.

Ende des Bargelds?

Dass digitale Währungen Bargeld völlig verdrängen könnten, glaubt Nowotny nicht. "Wir erwarten nicht, dass Bargeld ersetzt wird. Es geht nur um eine Ergänzung", versucht der OeNB-Gouverneur Ängste von vielen Menschen, die Bargeld nicht missen wollen, zu zerstreuen.

Bevor die Zentralbanken selbst digitale Währungen ausgeben, müssten auch noch viele Sicherheitsfragen geprüft werden. Es gehe um Fragen wie: "Wer kontrolliert den Rechner", betonte OeNB-Vizegouverneur Andreas Ittner. Solange Rechner in China oder Venezuela stünden, weil dort der Strom billig sei, blieben Notenbanker gegenüber virtuellen Währungen skeptisch. Bitcoin soll für seine Rechner so viel Strom verbrauchen wie Irland im ganzen Jahr. Vor wenigen Wochen bekam Bitcoin sogar den Geruch einer Erpresserwährung, als Hacker nach groß angelegten Cyber-Attacken von ihren Opfern Bitcoins verlangten.

Ein Notenbank-kontrolliertes virtuelles Währungssystem sollte solche Auswüchse verhindern. Am weitesten fortgeschritten in den Vorarbeiten für digitale Währungen ist die Bank of England. Sie hat schon 2004 einen ersten Versuch gestartet, der allerdings nicht erfolgreich war. Nun wird an umfangreichen Studien und an Testläufen gearbeitet.

Wichtig sei die Planung des Übergangs zur virtuellen Währung. Das Risiko für "einen Schock im Finanzsystem" sei in dieser Phase hoch.

(kurier) Erstellt am
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