Wirtschaft
09.09.2017

Notenbank: Viele Kandidaten, aber wenige Top-Jobs

Nach der Nationalratswahl wird höchstwahrscheinlich auch in der Nationalbank umgefärbt

Nach der Nationalratswahl wird’s auch in der Nationalbank spannend. Vom Wahlergebnis hängt die künftige Führungsgarnitur ab. Was in Polit- und Wirtschaftszirkeln viel Raum für Spekulationen lässt. Zwar gibt’s für neue Mitarbeiter nicht mehr die alten Privilegien, aber die Bezahlung ist nach wie vor sehr anständig. Dazu kommt das hohe Prestige, das Notenbanker nun mal haben.

Ganz oben,an der Spitze des Generalrates (quasi des Aufsichtsrates) laufen die Verträge von Claus Raidl (ÖVP)und seines roten Vize Max Kothbauer mit Ende August 2018 ab. Während der 67-jährige Kothbauer sein Mandat gerne verlängern würde, soll Raidl einem Abgang sehr gelassen gegenüber stehen, wie man hört. Raidl wird 75, ist aber topfit.

Das Präsidium des Generalrates ist ein Amt für ältere, honorige Herrn. Als Top-Favorit wird der langjährige RZB-Spitzenbanker und Raiffeisen-Generalanwalt Walter Rothensteiner gehandelt, langjähriges Mitglied des Generalrates. Auch die Vorgänger von Raidl kamen aus dem Raiffeisen-Sektor. Raidl ist der erste Nicht-Banker in dieser Funktion.

Kurzfristig wurde auch Ex-ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner genannt. Der brutal abservierte Parteichef hat aber bereits sein Desinteresse an einem Trostpflaster Nationalbank bekundet.

Wenn Hans Jörg Schelling als Finanzminister abgehen sollte, was mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, könnte auch er OeNB-Präsident werden. Er versteht sich gut mit Gouverneur Ewald Nowotny, SPÖ, und hätte die Expertise.

Gewinnt Sebastian Kurz die Wahl, kann davon ausgegangen werden, dass der Gouverneur (der Vorstandsvorsitzende) umgefärbt wird. Das wird aber nicht ganz so schnell funktionieren, denn der Vertrag von OeNB-Chef Ewald Nowotny, SPÖ, läuft bis Ende August 2019. Der allseits anerkannte Notenbank-Chef hat keine Ambitionen, seinen Platz vorzeitig zu räumen.

Als gut qualifizierter interner Nachfolger mit passender Parteifarbe gilt Direktor Andreas Ittner. Weiters genannt wird Gottfried Haber. Der Professor an der Uni Krems, der in der ÖVP zum eloquenten Wirtschafts-Experten aufgebaut wurde und schon als Finanzminister im Gespräch war, sitzt für die Schwarzen im Generalrat. Er sei zwar nicht der große Nationalökonom, dürfte den Gouverneursjob aber fachlich durchaus schaffen, meinen Insider. Denn auch diesmal dürfte es nichts mit dem Finanzminister werden, diesen Job soll Kurz bereits Ex-Rechnungshofchef Josef Moser zugesagt haben.

Kommt die FPÖ in die Regierung, müssen auch blaue Begehrlichkeiten befriedigt werden. Hier kursieren allerdings noch keine ernst zunehmenden Namen.

Die Ebenen unter dem Direktorium sind ebenfalls gut nachgefragt. Insider ätzen, dass sich derzeit geradezu eine Fluchtbewegung aus dem Bundeskanzleramt in Richtung OeNB formiere. Sowohl Christopher Berka, Kabinettschef von Kanzler Christian Kern, als auch der Banken- und Finanzexperte Wolfgang Pointner kommen aus der Nationalbank und sind dort karenziert. Ambitionen, das Rückfahr-Ticket sicherheitshalber noch vor der Wahl zu lösen, bestreitet Berka gegenüber dem KURIER vehement. Derzeit mache er sich keine Gedanken darüber, was nach dem 15. Oktober passiert.

Eine Rückfahrkarte in die Bank hat auch OECD-Botschafterin Marlies Stubits-Weidinger, die ebenfalls zum Bundeskanzleramt gehört. Sie war in Doppelfunktion Vize-Kabinettschefin von Werner Faymann und Büroleiterin von Staatssekretär Josef Ostermayer. Das OECD-Mandat ist mit Sommer 2018 befristet. Es sei viel zu früh, sagt Stubits-Weidinger, um ihre weiteren Job-Pläne zu kommentieren.

Pech für alle Drei ist freilich, dass in der Nationalbank in nächster Zeit kein attraktiver Hauptabteilungsleiter-Posten frei ist. Einfache Referenten-Jobs, die sie vorher bekleideten, dürften inzwischen zu minder sein. "Weihnachten ist noch weit weg und wünschen kann man sich viel", tönt es aus der Bank. Die Zeiten, als politische Günstlinge mit Top-Jobs versorgt wurden, seien vorbei. Warten wir’s ab.