Wirtschaft
24.01.2018

Niki: Laudamotion zahlt Gehälter ab März

Lauda versichert, die Mitarbeiter ohne Leiharbeitsverträge anzustellen, während der Betriebsrat meint: "Das Mindeste ist der Status Quo".

Niki Laudas Laudamotion zahlt ab 1. März die Gehälter der Niki-Mitarbeiter, wie es nach der Mitarbeiterveranstaltung hieß. Bis dahin kommt das Geld indirekt von Lauda über die Insolvenzmasse, so wie es auch beim Deal mit Vueling geplant war. Von 1. bis 12. Jänner sprang in Österreich der Insolvenzentgeltfonds ein.

Den Beschäftigten sicherte Lauda zu, sie direkt bei der Laudamotion GmbH anzustellen. Eine Leiharbeitskonstruktion wie zu Nikis Anfangszeiten schloss Lauda demnach aus. Viele Mitarbeiter, die schon länger bei Niki sind, hatten mit Lauda, der alle Techniker, Piloten und Flugbegleiter über eine Personalleasingfirma namens Labourpool beschäftigte, schlechte Erfahrung gemacht.

Neue Verträge nach bisherigem Stand

Lauda habe in der Info-Veranstaltung gesagt, dass sich die neuen Verträge am bisherigen Stand orientieren werden und es zu keiner Verschlechterung kommt, sagten Mitarbeiter danach. Die Frage, ob der Niki-Kollektivvertrag von Laudamotion übernommen wird, sei nicht angesprochen worden, hieß es. Lauda will den KV erst prüfen. Die Mitarbeiter warten nun darauf, dass Lauda ihnen konkrete Verträge und Angebote vorlegt.

Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits sagte, "das Mindeste ist, dass der Status Quo erhalten bleibt". Einzelverträge anstatt eines Kollektivvertrages lehnte er klar ab. Vueling hatte laut Tankovits bereits zugesichert, den Niki-KV weiter anzuwenden. Tankovits ist Betriebsrat der insolventen Niki Luftfahrt GmbH. Der Käufer, die Laudamotion GmbH, werde deshalb zunächst keinen Betriebsrat haben. Tankovits geht aber davon aus, dass bei Laudamotion bald ein neuer Betriebsrat gewählt wird. Die Mitarbeiter seien nicht mehr bereit, ohne Belegschaftsvertretung dazustehen. Zur Stimmung sagte Tankovits: "Skeptisch trifft es am besten."

"Unschöne Erlebnisse"

Die Skepsis erklärte ein Flugkapitän mit den "unschönen Erlebnissen" des vergangenen Halbjahres. "Wir sind leider sehr leidgeprüft." Wichtig sei nun, dass es eine Perspektive gibt. Ob Niki im Frühjahr ein Pilotenengpass droht, sei schwer zu sagen. Viele hätten aber bereits Angebote von AUA, Eurowings oder Wizz Air, diese würden nun mit jenem von Lauda verglichen. Wenn Eurowings und Co aggressiv Piloten abwerben, könnte es sein, dass Lauda nicht abheben kann, weil ihm das Cockpitpersonal fehlt.

Zu den beiden Mitarbeiterveranstaltungen am Mittwochvormittag waren ungefähr 600 der insgesamt 1.000 Niki-Mitarbeiter gekommen. Die Gewerkschaft ist misstrauisch. "Momentan ist es wenig vertrauensbildend, wenn Lauda sagt, er kennt den KV nicht. Der ist öffentlich einsehbar," erklärte Karl Dürtscher von der GPA-djp im ORF-Radio. Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits sagte, "das Mindeste ist, dass der Status Quo erhalten bleibt". Einzelverträge anstatt eines Kollektivvertrages lehnte er klar ab.

Sekundärinsolvenzverfahren

Der Übernahme steht indes auch formal nichts mehr im Weg: Die Niki Luftfahrt GmbH hat in Deutschland ihre Beschwerde gegen die Durchführung des Hauptinsolvenzverfahrens in Österreich zurückgezogen, gleichzeitig wurde in Berlin ein Sekundärinsolvenzverfahren eröffnet. Der deutsche Gläubigerausschuss hat bereits Dienstagabend dem Verkauf an Lauda zugestimmt.

Lauda begibt sich nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC allerdings in ein besonders raues Umfeld. Nach mehreren Airline-Pleiten und Flughafen-Deals im vergangenen Jahr erwarten die PwC-Berater auch für 2018 eine weitere Konsolidierung im europäischen Luftverkehr. Weitere Pleiten und Übernahmen seien daher wahrscheinlich. Und der Konkurrenzdruck bleibe voraussichtlich hoch, wie die Markteintritte der ungarischen Wizz Air in Österreich und der Easyjet in Deutschland zeigten.