Wirtschaft 05.12.2011

Neuer Chefpilot für die AUA gefunden

© Bild: rts

Ein Deutsch-Mexikaner mit österreichischen Wurzeln übernimmt ab November bei der Lufthansa-Tochter das Ruder.

Lang hat es gedauert, am Mittwoch konnte die Lufthansa endlich einen neuen Vorstandschef für die Tochter Austrian Airlines bekannt geben: Er heißt Jaan Albrecht und war in den vergangenen zehn Jahren Chef des Airline-Bündnisses Star Alliance, das 27 Fluggesellschaften als Mitglieder hat. Albrecht, der am 22. September bei der AUA-Aufsichtsratssitzung zum neuen Chef gewählt wird, wird mit 1. November in Wien andocken. Die beiden bisherigen Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth bleiben im Amt. Malaniks Vertrag läuft noch bis Ende 2012, Bierwirths bis Ende des ersten Quartals 2013.

Die anstehende AUA-Sanierung hat potenzielle Interessenten offenbar abgeschreckt. Schon im Frühjahr stand mit Thierry Antinori ein AUA-Chef fest. Doch der sprang drei Tage vor der Übersiedlung nach Wien Ende März ab. Eine schlüssige Begründung blieb aus. Der Franzose wird als heißer Kandidat für den Chefsessel beim Konkurrenten Emirates aus Dubai gehandelt.

Offenbar um sicherzugehen, dass es diesmal klappt, suchte die Lufthansa einen Österreich-affineren Manager: Der 56-jährige Albrecht ist zwar deutscher und mexikanischer Staatsbürger, seine Großeltern stammen aber aus Österreich. Albrecht studierte Architektur an der Technischen Universität Mexiko und spricht fließend Deutsch, Englisch und Spanisch. Er ist verheiratet und hat drei Töchter.

Er begann seine Karriere in der Luftfahrt 1973 als Pilot bei der Mexicana. Nachdem er in den folgenden 17 Jahren als Officer, Captain und schließlich Chefpilot der Boeing-727-Flotte beschäftigt war, wechselte er 1990 ins Airline-Management der mexikanischen Fluglinie. Dort arbeitete er sich über Posten in Vertrieb und Marketing bis zum "Executive Vice Officer, Commercial" hoch, 1998 wechselte er schließlich zur Mexicana-Muttergesellschaft Cintra, in deren Auftrag er zweieinhalb Jahre Führungspositionen bei der Aero Peru einnahm.

1999 stieg Albrecht zum Vorstandschef der mexikanischen Frachtfluglinie Aeromexpress auf. Im Juni 2001 wechselte er zum Flugbündnis Star Alliance, wo er denselben Rang bekleidete.

Albrecht wird als neuer AUA-Chef alle Hände voll zu tun haben. Die Airline schreibt noch immer Verluste, bis Juni verlor sie operativ 63 Millionen Euro. Die vor zwei Jahren von der Lufthansa übernommene AUA wird das für 2011 gesteckte Ziel, operativ eine schwarze Null zu schreiben, nicht erreichen, teilte in der Vorwoche Lufthansa-Vorstand und AUA-Aufsichtsratschef Stefan Lauer bei einem Besuch in Wien mit. Trotz der "kleinen Verzögerung" erwartet der Mutterkonzern "in angemessener Zeit" von der AUA Renditen. Er wies aber Sorgen um das Schicksal der AUA-Langstrecke zurück, falls es noch länger dauert. Niemand würde die Langstrecke rausnehmen.

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Erstellt am 05.12.2011