Peter Thirring möchte die Lebensversicherung stärker den Bedürfnissen der Kunden anpassen

© KURIER/Gerhard Deutsch

Donau Versicherung
04/29/2016

"Mehr Geld zu Pensionsantritt"

Neuer Donau-Chef Peter Thirring will flexiblere Auszahlung der Lebensversicherung.

von Andrea Hodoschek

KURIER: Sie sind seit 1. März neuer Chef der Donau Versicherung, eine Tochter der Vienna Insurance Group. Wie geht es Ihnen?

Peter Thirring: Hervorragend. Nicht dass ich Negatives erwartet hätte, aber dass ich so willkommen geheißen wurde, obwohl ich jahrzehntelang bei einem Mitbewerber war, hat mich doch überrascht. Das erleichtert meine Tätigkeit. Dazu kommt, dass die Donau ein sehr renommiertes, alt-österreichisches Unternehmen mit hohem Potenzial und sehr gutem Image ist. Auch die Reaktionen von Außenstehenden waren sehr erfreulich.

Sie waren mehr als 30 Jahre beim Generali-Konzern und zuletzt Österreich-Chef. Wie groß ist der Unterschied zwischen einem österreichischen und einem ausländischen Hauptaktionär?

Größer als ich gedacht habe. Ich will nicht negativ über die Generali sprechen, doch man merkt sehr deutlich, dass hinter dem Hauptaktionär der Donau ein österreichischer Versicherungsverein steht. Das ist ein großer Vorteil, noch dazu wenn an der Spitze eine Persönlichkeit wie Dr. Geyer steht. Der österreichische Eigentümer weiß sehr genau über die Marktverhältnisse Bescheid. Und verlangt von den operativen Töchtern Eigenständigkeit im Sinne von Unternehmergeist und eigenen Ideen. Unternehmen mit ausländischen Hauptaktionären sind immer sehr zentralistisch organisiert, da regiert die Mutter durch.

Macht die Börsenotierung eines Eigentümers auch einen Unterschied?

Natürlich. Die Strategie im VIG-Konzern ist langfristig und nachhaltig und orientiert sich nicht an der Volatilität der Börsen. Wenn die Börse auch einmal in eine andere Richtung geht, wie es derzeit gerade aus verschiedenen Gründen passiert, wird nicht sofort jeder nervös, sondern man hält Kurs. Für multinationale Konzerne ist der österreichische Markt dann interessant, wenn man viel Geld verdient. Aber man richtet die Strategie nicht nach dem österreichischen Markt aus. Hat man keinen Erfolg, zieht man sich oft sofort wieder zurück. Doch Versicherungsunternehmen sind ein wesentlicher Teil der Gesellschaft.

Teil der Gesellschaft?

Alleine die Donau hat rund eine Million Kunden. Jeder Österreicher legt wichtige Teile seines Schicksals in die Hände von Versicherungen. Wenn heute für ein Neugeborenes eine Krankenversicherung abgeschlossen wird, geht der Versicherer ein Leistungsversprechen auf bis zu hundert Jahren ein. Die Unternehmen müssen natürlich Gewinne machen, aber reine Gewinnorientierung kann nicht die Aufgabe eines Versicherers sein.

Apropos Unternehmergeist. Welche neuen Ideen haben Sie für die Donau?

Wir wollen noch viel stärker sehr nahe an den Kunden sein und operative Einheiten vor Ort halten – Stichwort Regionalisierung. Wichtig sind kurze Entscheidungswege zu den Kunden und den Vertriebspartnern. Wir als Donau können selbst sehr rasch und vor Ort entscheiden, das halte ich für einen großen Wettbewerbsvorteil.

Was haben Sie in der Lebensversicherung vor, die ziemlich in die Kritik gekommen ist? Ich bin ein großer Fan der klassischen Lebensversicherung, die ich für das beste Altersvorsorge-Produkt halte. Was die Ansparphase betrifft, sind wir gut aufgestellt. Doch für die Phase, in der die Rente ausgezahlt wird, müssen wir uns etwas überlegen. Durch die laufende Valorisierung erhalten die Kunden im sehr hohen Alter mehr. Das entspricht aber nicht den Bedürfnissen der Senioren.

Weil die Pensionisten so fit sind, dass sie zu Beginn des Unruhestandes mehr Geld benötigen?

Ja, die Kunden wollen heute die höchste Rente zwischen 65 und 80 Jahren, wenn sie am fittesten sind. Später kann die Rente durchaus geringer sein. Die klassische Lebensversicherung muss in der Auszahlung flexibler werden. Das ist derzeit aber regulatorisch nicht erlaubt. Wir müssen darüber mit der Finanzmarktaufsicht sprechen.

Von fondsgebundenen Lebensversicherungen halten Sie weniger?

Wenn der Kunde ganz genau Bescheid weiß, dass er das Veranlagungsrisiko trägt, und das auch will, ist das in Ordnung. Aber der Masse der Kunden empfehle ich die klassische Lebensversicherung.

Die Donau ist auch stark im Geschäft mit KMUs. Was haben Sie für die gewerbliche Wirtschaft an Neuigkeiten im Talon?

Wir wollen die betriebliche Altersvorsorge als zweite Säule neu aufstellen und forcieren.

Mit der Steuerreform wurden auch noch die letzten Sonderausgaben für die private Altersvorsorge gestrichen. Das muss die ganze Branche doch sehr schmerzen.

Ich halte das für ein Signal in die falsche Richtung. Die berufliche und private Altersvorsorge werden die erste Säule nie ersetzen können, sondern sind eine Ergänzung. Das hat die Versicherungswirtschaft immer klar gesagt. Es geht nicht darum, dass der Staat gigantische Beträge aufwendet, um die Vorsorge zu forcieren, sondern um die Symbolik, dass die Regierung diese Ergänzung anerkennt.

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