Wirtschaft 10.02.2017

Neue Zocker-Automaten

Konzernchef Harald Neumann (li.) und Technologievorstand Thomas Graf. © Bild: /Novomatic

Mit Lotto-Konzession bis zu 3000 Video Lottery Terminals österreichweit.

Der heimische Glücksspielkonzern Novomatic will über seine hart erkämpfte Beteiligung an den teilstaatlichen Casinos Austria mit dem Automatenspiel in Österreich expandieren. Man werde als Aktionär dafür stimmen, die Video Lottery Terminals (VLT) weiter auszubauen, kündigte Novomatic-General Harald Neumann an.

Die Casinos und deren Tochter Lotterien könnten österreichweit bis zu 5000 VLTs aufstellen, haben derzeit aber über ihre gemeinsame Tochter winwin an mehreren Standorten insgesamt nur 628 in Betrieb. VLTs unterscheiden sich von herkömmlichen Spielautomaten lediglich dadurch, dass sich der Zufallsgenerator nicht im Gerät, sondern auf einem externen Server befindet. Für VLTs wird allerdings eine Lotto-Konzession benötigt.

5000 Geräte hält Neumann dann doch für zu viel, er sprach am Rande der Glücksspielmesse ICE in London von 2500 bis 3000 VLTs im Endausbau. Spannend wird das Thema in Wien. VLTs sind gesetzlich vom Automatenverbot in Wien nicht betroffen, die Casinos haben bisher aber darauf verzichtet, winwin-Standorte zu errichten. Gegen den Willen der Stadtpolitik will Neumann nicht agieren: "Es geht nur gemeinsam mit den Landesregierungen." Seine Argumentation: In Wien seien derzeit 500 bis 600 illegale Automaten aufgestellt. Das illegale Spiel "kann nur durch legales, geregeltes Glücksspiel verhindert werden".

Zwei Aufsichtsräte für die Casinos

Grundsätzlich erwartet sich Novomatic, dass sich die Casinos-Gruppe wirtschaftlich "etwas verbessert". Der Konzern des Selfmade-Industriellen Johann F. Graf will jeweils zwei Aufsichtsräte in die Casinos und die Lotterien entsenden. Novomatic hält 17 Prozent an den Casinos sowie 12 Prozent an den Lotterien und ist hinter der tschechischen Sazka-Gruppe und der Staatsholding ÖBIB der drittgrößte Aktionär.

Das große Geschäft der in 80 Ländern präsenten Novomatic spielt sich aber international ab. Nur vier Prozent des Umsatzes werden in Österreich erwirtschaftet. Im Vorjahr stieg der Konzern-Umsatz um rund zehn Prozent auf 4,4 Milliarden. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich um 15 Prozent auf weltweit rund 29.000 Beschäftigte, davon 3000 in Österreich.

Seit 2009 zog Novomatic weltweit 150 Akquisitionen durch. Im Vorjahr wurden rund 500 Millionen Euro in Zukäufe investiert. Während in den vergangenen Jahren Deutschland, Österreich und Osteuropa als Kernmärkte galten, fokussiert sich der Gaming-Konzern nun zusätzlich auf England, Italien, Spanien und die USA als Hauptmärkte. Er will aber auch in Südamerika, Asien und Australien expandieren. In Europa ist die Gruppe Marktführer, weltweit rangiert sie unter den Top 3 und will diese Position weiter ausbauen.

Spiele-Trends.

Noch will Thomas Graf, Technologie-Vorstand von Novomatic, den Titel nicht verraten. Es geht um einen Hollywood-Blockbuster mit einem sehr prominenten Hauptdarsteller, der virtuell in Novomatic-Spiele eingebaut wird. Die Verträge seien bereits unterschrieben. „Die Integration von Promis aus Sport, Pop-Kultur und Filmen in Spiele ist in den USA sehr beliebt“, erklärt Graf.

Im Gaming-Business gehe der Trend ganz eindeutig zur „immer stärkeren Durchmischung von realer und virtueller Welt“. Auf der ICE in London, der international größten Glücksspielmesse, präsentierte Novomatic mehr als 200 neue Spiele auf verschiedenen Plattformen. Terrestrisches Spielen in Casinos wird vernetzt mit Online-Gaming auf mobilen Endgeräten. Auf der offenen Plattform-Architektur des Konzerns können auch Fremdanbieter von Spielen integriert werden. Durch die Internet-Technologie seien globale Trends in wenigen Wochen umsetzbar.

Novomatic übernahm 2016 die Mehrheit an der australischen Ainsworth-Gruppe, die in den USA zu den Top-5-Anbietern gehört. Man werde die Ainsworth-Technologie auch in Europa einsetzen, kündigte Graf an. Etwa bei Jackpot-Systemen, bei denen die Spieler auch gegeneinander gambeln können. Graf: „Die Spieler wollen vermehrt miteinander kommunizieren, das ist Teil der Freizeitkultur.“

( kurier.at ) Erstellt am 10.02.2017