Wirtschaft
14.02.2018

Neue Sorgen: Börsianer kommen nicht zur Ruhe

Kursmanipulation, schlechte US-Daten, aggressive Zocker: Die Kurse wurden am Mittwoch kräftig durchgerüttelt.

Wurde der jüngste Börsen-Ausverkauf in den USA, der weltweit die Aktienkurse ins Rote drehte, durch Kursmanipulation ausgelöst? Das behauptet zumindest ein anonymer Whistleblower. Der Vorwurf des angeblichen Insiders: Das "Angstbarometer" VIX der Optionen-Börse in Chicago, das Kursschwankungen messen soll, könne von Händlern rauf und runter dirigiert werden, ohne dass sie selbst Positionen halten müssten.

"Die Turbulenzen an den Finanzmärkten, die amerikanischen und ausländischen Investoren diese Woche einige Billionen gekostet haben, stammen von einem Fehler in der Marktstruktur, den die geviftesten Akteure kennen", heißt es in dem Schreiben an die US-Börsenaufsicht. Damit würden zwei Milliarden Dollar Gewinne und Verluste pro Jahr verursacht. Die dadurch ausgelöste Panik habe die Verluste vervielfacht.

Eine Sprecherin der Chicagoer Börse sah in dem Brief "Widersprüchlichkeiten" und Irrtümer über die Funktionsweise des VIX. Die Aufsichtsbehörden kündigten eine Untersuchung an.

Schlechte US-Daten

Am Mittwoch setzte es für Aktienanleger gleich die nächsten schlechten Botschaften: Die mit Spannung erwarteten Inflationsdaten der USA für Jänner fielen höher aus als erwartet. Das schürt Befürchtungen, dass die US-Notenbank die Zinsen rascher anheben muss als erwartet – was die Kreditvergabe verteuert und die Wirtschaftsdynamik dämpft. Obendrein hatte auch der US-Handel im Jänner viel weniger verkauft als erwartet.

Der deutsche Aktienindex DAX fiel binnen weniger Minuten um 1,3 Prozent. Auch der Wiener Leitindex ATX sackte um rund ein Prozent ab. Offenbar waren das aber überzogene Reaktionen oder es waren Computer-Händler am Werk, denn die Indizes erfingen sich rasch. Am Ende stand beim DAX sogar ein Plus von 1,2 Prozent und beim ATX zumindest ein Mini-Gewinn von 0,07 Prozent.

Spekulation gegen Europa

Profitieren dürfte von den Turbulenzen und Korrekturen der US-Hedgefonds Bridgewater Associates, der offenbar noch weitere Einbrüche speziell in Europa erwartet. Die weltgrößte "Zockerbude" wettet schon seit Ende Jänner massiv auf fallende Kurse. Allein bei DAX-Konzernen wie Deutsche Bank, Allianz, BASF und Siemens sollen Leerverkäufe – das sind Wetten auf Kursverluste – in Höhe von 6 Milliarden Euro platziert worden sein. Auch in Italien, Frankreich, Niederlanden und Spanien hat Bridgewater Positionen in Milliardenhöhe, alles in allem sind es mehr als 11 Milliarden Euro.

Ist es die Währung?

Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil die Konjunktur und die Erwartungen für die Eurozone Anlass zu großem Optimismus geben würden. Was weiß Bridgewater-Mastermind Ray Dalio, was alle anderen nicht wissen? Marktexperten spekulierten am Mittwoch eifrig darüber, ob der Hedgefonds womöglich ein weiteres Ansteigen des Eurokurses auf 1,35 Dollar erwartet, was der Exportwirtschaft schaden könnte. Oder ob womöglich politische Risiken in der Eurozone gesehen werden.

Allerdings gab es auch warnende Stimmen: Niemand wisse, ob den skeptischen Wetten für Europa nicht womöglich gegenteilige Bridgewater-Positionen entgegenstehen, über die öffentlich nichts bekannt wurde. Dann wäre das nicht viel mehr als ein Sturm im Wasserglas.

Ein singulärer Ausreißer

Relativ egal sein kann all das den Aktionären des US-Uhrenbauers Fossil. Dieser hatte zuletzt zwar mit rückläufigen Verkaufszahlen in Europa zu kämpfen. Dennoch legte seine Aktie am Mittwoch einen sagenhaften Kurssprung von 79 Prozent (im Plus) aufs Parkett. Zunächst hatten überraschend gute Verkaufszahlen das Wertpapier kräftig angeschoben, dann mussten auch noch Leerverkäufer, die auf dem falschen Fuß erwischt worden waren, die Papiere nachkaufen.

Analysten blieben dennoch skeptisch, was den Ausblick betrifft: Die traditionelle Uhrenbranche sei weiterhin unter Druck. "Das ist aktuell einfach kein gesundes Geschäftsmodell", sagte Wells-Fargo-Experte Ike Boruchow.