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Wirtschaft
02/10/2016

Neue Aufsichtsräte für die OMV

Staatsholding sucht Head-Hunter / SPÖ koordiniert sich gegen Russen-Deal.

von Andrea Hodoschek

Auf der Hauptversammlung der teilstaatlichen OMV am 18. Mai wird es nicht nur um die verheerenden Ergebnisse, die neue Strategie und den politisch umstrittenen Deal mit der russischen Gazprom gehen. Auf der Tagesordnung werden auch Neubesetzungen im Aufsichtsrat stehen.

Wolfram Littich, Chef der Allianz in Österreich, hat Aufsichtsrats-Chef Peter Oswald intern bereits seinen Rückzug angekündigt. Mit der Begründung, die Allianz wolle auch in Österreich verstärkt in Infrastruktur investieren. "Da will ich jede Unvereinbarkeit von vornherein vermeiden", bestätigt Littich im Gespräch mit dem KURIER.

Die Allianz könnte als Investor durchaus bei der OMV anstreifen. Die wegen des Ölpreisverfalls inzwischen zum Krisenkonzern abgestiegene OMV will beispielsweise 49 Prozent an ihrer Tochter Gas Connect Austria verkaufen, der Gas-Hauptschlagader des Landes. Ein Investment, das für institutionelle Investoren wie die Allianz durchaus interessant wäre.

Gut möglich aber, dass die möglichen Unvereinbarkeiten als Argument nur vorgeschoben sind. Littich war immer ein kritischer Aufsichtsrat, der unbequeme Fragen stellt. Er soll seit Längerem ziemlich genervt sein.

Genau so wie der SPÖ-nahe ehemalige ÖBB- und RHI-Chef Helmut Draxler. Er nickte ebenso wie Littich die Bestellung des neuen OMV-Chefs Rainer Seele nicht ab. Draxler sitzt seit 1990 im Aufsichtsrat. Der freiwillige Corporate Governance Codex sieht für Aufsichtsratsmandate jedoch maximal 15 Jahre vor. Daran sollte sich die OMV halten, argumentierte Oswald. Draxler soll allerdings keine Rücktrittsambitionen haben und die SPÖ würde sich den Spitzenmanager wohl kaum herausschießen lassen. Dazu kommt erschwerend, dass Draxler bis 2019 bestellt ist.

Dann wäre noch Herbert Stepic, Ex-Chef der Raiffeisen Bank International. Der Rücktritt des Bankers wurde bereits im Vorjahr erwartet.

Aus Altersgründen soll Wolfgang C. Berndt verabschiedet werden. Der Freund des ehemaligen ÖIAG-Aufsichtsratsvorsitzenden und Auto-Industriellen Peter Mitterbauer wird heuer 74. Die ÖVP habe den Abgang von Berndt schon länger fix zugesagt, heißt es bei der SPÖ. Bei den Schwarzen will man davon freilich nichts wissen. Peter Oswald spricht sich jedenfalls sehr klar dafür aus, dass ein – oder besser noch zwei – Energie-Experten in das Gremium kommen sollten.

Mahrer leitet Nominierungskomitee

Ganz so einfach wie früher ist das Prozedere freilich nicht. Die Mandate der Republik Österreich werden vom neuen Nominierungskomitee besetzt. An dessen Spitze steht seit Jahresbeginn 2016 Wirtschafts-Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP). Er wechselt sich im Jahrestakt mit SPÖ-Kollegin Sonja Steßl ab.

Die Staatsholding sucht derzeit auch, und zwar einen neuen Headhunter, der das Komitee bei der Personalauswahl beraten wird. Das Mandat von Stanton Chase ist ausgelaufen.

Gazprom-Deal: Muhm koordiniert SPÖ

Gegen den geplanten Russen-Deal der OMV hat sich in der SPÖ breiter Widerstand formiert. Als Koordinator im Hintergrund soll AK-Direktor Werner Muhm, immer noch enger wirtschaftspolitischer Berater von Kanzler Werner Faymann, agieren. Muhm selbst sieht das nicht so. Er wolle sich als Außenstehender nicht in die Strategie der OMV einmischen. Volkswirtschaftlich aber schon. Die OMV müsse ein "eigenständiges Unternehmen mit einer starken Kunststoff-Sparte bleiben".

OMV-Boss Rainer Seele dürfte inzwischen klar geworden sein, dass er für den Russen-Deal den Konsens mit der Politik braucht. Schließlich hält der Staat 31,5 Prozent am Energie-Konzern. So soll es inzwischen einen Gesprächstermin mit Muhm geben.

Einen äußerst gedrängten Terminkalender hat offenbar Andreas Schieder. Selbst der OMV-Boss musste geduldig längere Zeit auf eine Audienz beim SPÖ-Klubobmann warten.

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