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Halbjahresbilanz
08/27/2014

Nächste Schockbilanz der Kärntner Hypo

Die Kärntner Hypo machte erneut Milliardenverlust. Doch Staatshilfe ist nicht notwendig.

Selbst die ärgsten Befürchtungen wurden übertroffen: Die Hypo-Alpe-Adria-Bank machte im ersten Halbjahr 2014 einen Konzernverlust (nach internationaler Rechnungslegung IFRS) von 1,67 Mrd. Euro. Im Vorjahreszeitraum gab es einen Fehlbetrag von 870 Mio. Euro.

Als Grund für den hohen Verlust nannte die krisengeschüttelte verstaatlichte Bank Sonderbelastungen durch Rückstellungen von 1,4 Mrd. Euro. Diese seien zur Vorbereitung der Herauslösung der italienischen Tochterbank sowie des Südosteuropa-Bankennetzwerkes (SEE-Segment) aus dem Konzern gebildet worden, wurde am Mittwoch in einer Aussendung mitgeteilt. Die Kernkapitalquote von 4,1 Prozent liege um rund 300 Mio. Euro unter dem gesetzlichen Minimum.

„Die gebildeten Vorsorgen reflektieren dabei die erwarteten Verkaufserlöse und antizipieren den Veräußerungsverlust bei Abgang dieser Einheiten aus der Hypo Alpe Adria“, heißt es weiters. Daraus ist zu schließen, dass dieser Verkauf für die in Abbau befindliche Konzernmutter in Österreich nicht ohne weitere Schmerzen abgehen wird.

Für die Balkan-Banken selbst („SEE-Segment“) wird nach Steuern ein Verlust von 4,3 Mio. Euro angegeben. 2013 lag der Halbjahresverlust der Südosteuropabanken zusammen bei 96,8 Mio. Euro. Die Hypo sieht die Balkan-Banken zur Jahresmitte „knapp unter dem Break Even“. Für das Gesamtjahr 2014 werde weiterhin der Break Even der Südosteuropabanken angepeilt.

Dank Sondergesetz

Die für den Steuerzahler erfreuliche Nachricht: Die Hypo benötigt keine weitere Kapitalerhöhung durch den Staat. Begründet wird dies mit dem am 8. Juli 2014 beschlossenen Sondergesetz zum Hypo-Schuldenschnitt.

Der Konzernzwischenabschluss zum 30. Juni 2014 ist der letzte, der die Hypo Alpe Adria als Gesamtgruppe darstellt, da diese – in Entsprechung des Bundesgesetzes zur Schaffung einer Abbaueinheit (GSA) – im 2. Halbjahr 2014 in drei organisatorisch völlig unabhängig voneinander agierende Teile getrennt wird.

Weil Hypo-Investoren zur Kasse gebeten werden, die nachrangige Papiere mit Landeshaftungen halten, muss die UNIQA 19 Mio. Euro abschreiben (siehe Abschnitt weiter unten).

UNIQA klagt gegen Hypo-Schuldenschnitt

Nach der VIG (mehr dazu) und der Oberbank (mehr dazu) kündigt auch der heimische Versicherungskonzern UNIQA eine Klage wegen des Schuldenschnitts bei den Hypo-Anleihen mit Haftungen des Landes Kärnten an. „Wir werden klagen“, sagt UNIQA-Chef Andreas Brandstetter. Denn der Haircut sei „eine kalte Enteignung von Kundengeldern“. Die UNIQA hat Hypo-Anleihen um rund 35 Millionen Euro zur Veranlagung von Kundengeldern in der Lebensversicherung in ihrem Portfolio. 19 Millionen Euro davon wurden jetzt abgeschrieben.

Noch prüfen die Anwälte, wie genau die UNIQA gegen das Hypo-Sondergesetz vorgehen wird. Offen ist derzeit ebenfalls, ob die Versicherungsgruppe im Alleingang klagt oder ob man weitere geschädigte Investoren mit ins Boot nimmt.

Trotz der Hypo-Wertberichtigung hat die UNIQA im ersten Halbjahr 2014 auf vergleichbarer Basis (ohne die Einmaleffekte aus dem Hotelverkauf im Vorjahr) das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) um knapp 25 Prozent auf 181,4 Millionen Euro gesteigert.

Der stark im Osten engagierte Konzern bleibt weiterhin in dieser Region präsent. Auch in der Ukraine. Dort ist die UNIQA Marktführer, fuhr im ersten Halbjahr ein EGT von 3,7 Millionen Euro ein und steigerte die Prämien um 28 Prozent. Nur die zwei Standorte in der Ostukraine wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen. In Russland, wo die Versicherung über den Raiffeisen-Bankenvertrieb verkauft, legte die UNIQA heuer in Rubel gerechnet um 28 Prozent zu. Sowohl in der Ukraine als auch in Russland ist die UNIQA in Staatsanleihen investiert. Im Problem-Markt Rumänien seien die Weichen auf Sanierung gestellt.

Insgesamt steigerte die börsenotierte Assekuranz ihre Prämien im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf 3,13 Milliarden Euro. Die Kostenquote wurde weiter verbessert. Das Ziel, 2014 das EGT des Vorjahres zu übertreffen, bleibt für Brandstetter aufrecht.

VIG geht vor Höchstgericht

Österreich hat den absurdesten Untreue-Paragrafen. Wir müssen eine Beschwerde einbringen, sonst kann uns jeder Kunde oder Aktionär bei der Staatsanwaltschaft wegen Untreue anzeigen", begründet VIG-General Peter Hagen den bevorstehenden Schritt vor den Verfassungsgerichtshof. Die Vienna Insurance Group, Österreichs führender Versicherungskonzern, bereitet wegen des Schuldenschnitts bei den Anleihen der notverstaatlichten Hypo Alpe Adria die Beschwerde an die Verfassungshüter vor.

Die VIG hält im Konzern Hypo-Anleihen im Volumen von insgesamt 90 Millionen Euro, die Hälfte davon sind jene Nachrang-Papiere mit Haftungen des Landes Kärnten, die aufgrund des Hypo-Sondergesetzes nicht zurückgezahlt werden. Alle juristischen Berater würden die Erfolgschancen der Beschwerde auf weit über 50 Prozent einschätzen, ist Hagen zuversichtlich, dass das Höchstgericht das Gesetz zu Fall bringen werde. Die Anleihen, die nicht zu Spekulationszwecken sondern als mündelsichere Papiere für die langfristige Veranlagung in der Lebensversicherung erstanden wurden, sind in der Halbjahres-Bilanz 2014 daher nur zu 50 Prozent wertberichtigt worden.

Verkehrsbüro

Die 36-prozentige Beteiligung am Verkehrsbüro, der größten heimischen Tourismusgruppe, wurde ebenfalls wertberichtigt, und zwar mit 12,5 Millionen Euro. Als Grund nennt Hagen Probleme im Hotelbereich: "Ich erwarte mir vom Management entsprechende Anstrengungen." Das Verkehrsbüro leidet als Hotelbetreiber unter dem Verfall der Zimmerpreise aufgrund von Überkapazitäten vor allem in Wien, Bratislava und Laibach. Bei einem guten Angebot sei man durchaus bereit, sich von der Beteiligung zu trennen, will Hagen einen Verkauf der Anteile nicht ausschließen.

Interessenten würden sich freilich kaum mit dem Anteil der VIG zufrieden geben, sondern, wenn schon, die Mehrheit haben wollen. Dafür müsste der Hauptaktionär, die AVZ-Stiftung, ebenfalls Anteile abgeben. Was durchaus möglich sein könnte. Die der Stadt Wien nahestehende Stiftung, die nach dem Verkauf der Bank Austria gegründet wurde und für die Verbindlichkeiten des Instituts haftet, hält 61 Prozent am Verkehrsbüro.

Gewinnsprung

Trotz der Wertberichtigungen steigerte die in 25 Ländern engagierte, börsenotierte VIG den Gewinn vor Steuern im ersten Halbjahr um mehr als 41 Prozent auf rund 291 Millionen Euro. Die Prämien sind mit rund fünf Milliarden Euro stabil. Die Verwaltungskosten wurden weiter um 4,2 Prozent gesenkt. Seit 2008 konnte der Konzern die Prämien um 24,4 Prozent steigern und die Verwaltungskosten um 19,3 Prozent reduzieren.

55 Prozent des Gewinns fährt die VIG in Osteuropa ein. Die ukrainischen Gesellschaften entwickelten sich weiter positiv, man werde die politischen Entwicklungen aber "weiterhin genau beobachten", sagte Hagen. Die Maßnahmen im Problem-Markt Rumänien "zeigen erste positive Wirkungen", das defizitäre Autogeschäft in Italien wurde heftig eingebremst. Hagen verweist darauf, dass die VIG mit der Einstufung A+, Ausblick stabil, weiterhin das bestgeratete Unternehmen im ATX ist.

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