Wirtschaft 19.03.2012

Nachhilfe für Griechenlands Steuerbehörden

Zwölf EU-Staaten schicken Experten für Steuereintreibung nach Athen. Auch Beamte aus Österreich helfen.

Steuerexperten aus zwölf EU-Staaten werden nach Griechenland geschickt, um die Steuerbehörden vor Ort in Sachen Eintreibung von Steuerschulden zu unterrichten. Rund 60 Milliarden Euro sind in den vergangenen Jahren dem griechischen Fiskus entgangen. Zwar gilt der Großteil dieses Geldes als uneinbringlich, aber immerhin acht Milliarden sollen von den Steuerbehörden eingetrieben werden, erklärt der Chef der EU-Taskforce in Athen, der Deutsche Horst Reichenbach. Im vergangenen Jahr wurden davon nur 956 Millionen Euro eingebracht.

Generell haben die Steuerbehörden keinen guten Ruf. Wie notwendig die Nachhilfe für die Beamten in Hellas ist, zeigt das aktuelle Ergebnis einer umfangreichen Kontrolle: Demnach haben sich Zehntausende Griechen jahrelang als behindert ausgegeben und sich so staatliche Zuschüsse erschlichen. Das Gesundheitsministerium rechnet, dass die Unterstützung nur 50.000 von 240.000 Behindertenhilfe-Empfängern tatsächlich zusteht. Und in einer verdeckten Operation wurden mehr als hundert korrupte Finanzbeamte überführt – ihnen droht eine Anklage.

Neben Österreich senden auch Belgien, Bulgarien, Deutschland, Dänemark, Estland, Spanien, Frankreich, Italien, Niederlande, Portugal und Schweden Experten nach Athen – insgesamt 160 Beamte.

Schulung

Konkret sollen etwa schwedische und niederländische Steuerfahnder in Sachen "Steuereintreibung vor Ort" schulen. Ihre dänischen und französischen Kollegen führen vor, wie Steuerschulden von Hochvermögenden eingetrieben werden und wie Bilanzprüfungen laufen sollten. Spanische Experten wollen ihren griechischen Kollegen vermitteln, wie mit Firmen umzugehen ist, die bereits jetzt zu den größten Steuerzahlern zählen. Österreich ist in Griechenland vorerst nur mit einer Finanzbeamtin vertreten. Von Österreicher erhoffen sich die Behörden in Athen zu erfahren, wie die Steuermoral erhöht werden kann. Österreich gilt als eines der Länder mit der höchsten Steuermoral in der EU.

Österreichische Behörden unterstützen das Land außerdem bei der noch immer schleppenden Privatisierung, durch die im kommenden Jahrzehnt fast 50 Milliarden Euro lukriert werden sollen. Unterstützung gibt es auch vonseiten der österreichischen Magistrate, die ihren Kollegen in Athen und den übrigen zwölf Regionen Griechenlands zeigen sollen, wie ein Liegenschaftskataster aufgebaut wird.

Schweiz-Abkommen

Die Reichenbach-Task-Force hilft zudem, ein Abkommen zwischen Athen und der Schweiz auszuhandeln, um Steuerflüchtige wieder einzufangen. Davon unabhängig arbeitet die Troika weitere wirtschaftliche Reformen für das finanziell schwer angeschlagenen Land aus.

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( Kurier ) Erstellt am 19.03.2012