Wirtschaft
12.03.2012

Nach Schuldenschnitt: Atempause für Athen

86 Prozent der Gläubiger haben freiwillig auf Forderungen verzichtet, den Rest wird Griechenland zwingen. Damit wird die Sache zum Kreditversicherungs-Fall.

Die teilweise Entschuldung Griechenlands durch Privatgläubiger ist im Prinzip gelungen. Rund 86 Prozent von ihnen haben sich freiwillig zum Schuldenerlass (Haircut) gemeldet. Das ist gut, aber nicht gut genug. Denn um auf den angepeilten Nachlass von 107 Milliarden Euro zu kommen, hätten noch etwas mehr mitmachen müssen. Griechenland will unbedingt alle Anleger erwischen und wird daher den Schuldenerlass per Gesetz erzwingen.

Versicherungsfall

Zwang ist allerdings gleichbedeutend mit offizieller Staatspleite. Das stellte am späten Freitagabend auch der dafür zuständige Derivate-Verband ISDA fest. Das Ergebnis seiner Beratung: Der erzwungene Schuldenschnitt Griechenlands stellt ein sogenanntes Kreditereignis dar. In einfachen Worten: Alle Banken, die Kreditausfallsversicherungen (CDS) auf Grieche-Anleihen verkauft haben, müssen jetzt blechen. Sie müssen allen, die diese Versicherungen abgeschlossen, den bei griechischen Staatsanleihen entstandenen Schaden ersetzen. Zu den Banken, die zahlen müssen, zählt unter anderem die KA Finanz, die „bad bank“ der Kommunalkredit.

Nach den Ratingagenturen Standard&Poor’s und Moody’s stellte am Freitag auch Fitch fest: Die Kreditwürdigkeit Griechenlands ist als „teilweiser Zahlungsausfall“ zu sehen.

Auch wenn die restlichen Privaten noch „gezwungen“ werden müssen: Sie werden Griechenland Schulden von in Summe 107 Milliarden Euro erlassen. Damit ist die Voraussetzung erfüllt, dass das marode Land das zweite Hilfskreditpaket von Europa und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bekommt, das 130 Milliarden Euro schwer ist. Am Freitag haben die Euro-Finanzminister die erste Tranche dieses Paket im Volumen von 35,5 Milliarden Euro freigegeben. Das Geld sollte bald in Athen sein.

Die griechische Tragödie ist damit noch lange nicht beendet. „Das ist nur eine vorübergende Lösung, um Zeit zu gewinnen“, sagt Andreas Schuster, der Chefstratege der Hypo Capital Management (Hypo NÖ und Kathrein Bank). „De facto ist es ein Staatsbankrott und ein Sterben auf Raten. Es ist nichts gerettet oder gelöst.“

Tatsache ist, dass Griechenland im fünften Rezessionsjahr steckt. Im vierten Quartal 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 7,5 Prozent und damit mehr als erwartet. Die Arbeitslosigkeit steigt genauso wie die Zahl der Pleiten, die Kaufkraft sinkt. Die Defizite fallen regelmäßig viel höher aus als versprochen.

Wie düster die Aussichten sind, ist auch an einem anderen Wert abzulesen: Die Kurse jener neuen Anleihen, welche die Gläubiger als Ersatz für die alten Papiere bekommen haben, notieren schon jetzt bei nur noch 20 Prozent des Nennwertes. Ein derart tiefer Wert heißt: Ein weiterer Haircut wird erwartet.

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