Wirtschaft
23.08.2017

Nach mauem Dieselgipfel drohen nun Fahrverbote

Software-Updates sind zu wenig.

Sowohl der deutsche als auch der österreichische Dieselgipfel brachten neben Ökoprämien für den Kauf abgasarmer bzw. Elektroautos nur Updates für die Motorensoftware. In Österreich sind davon 600.000 Pkw betroffen. Die Wirksamkeit der Updates wird jedoch bezweifelt. Von technischen Änderungen an den Motoren wollen die Hersteller aber nach wie vor nichts wissen. Nun mehren sich die Stimmen, dass dies in Konsequenz Fahrverbote in Städten bedeuten könnte.

So hat Wiens Bürgermeister Michael Häupl am Dienstag ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge in der Bundeshauptstadt ins Spiel gebracht. Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou prüft bereits seit längerem die Einführung von Umweltzonen. Nun fordert sie die Hersteller auf, je Schmutzdiesel-Pkw 2500 Euro in einen Fonds einzuzahlen, der den Öffi-Ausbau finanzieren soll.

Ein solches Verbot für die Euro-Abgasklassen 0 bis 4 würde rund 190.000 Autofahrer betreffen. Nimmt man auch die Abgasklasse 5 dazu, wären es rund 267.000. Laut Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer bergen sogar mehr als 95 Prozent aller derzeit angebotenen Euro-6-Diesel das hohe Risiko, ebenfalls betroffen zu sein.

Auch für Deutschlands Umweltministerin Barbara Hendricks sind Fahrverbote nicht vom Tisch. Das Software-Update würde nur in 20 von 90 deutschen Städten dazu führen, dass die Stickoxide so tief sinken, dass keine Fahrverbote verhängt werden müssen.

Unsozial

Diese Pläne stoßen aber auf Widerstand. "Ältere Fahrzeuge werden häufig von Geringverdienern gefahren. Fahrverbote kommen daher kalter Enteignung und sozialer Ausgrenzung gleich", sagt Öamtc-Experte Bernhard Wiesinger. Dieser Meinung ist auch Österreichs Motorenentwickler Friedrich Indra. "Das wäre unsozial, weil trotz Prämien können sich nur die Reichen ein E-Auto leisten." Fahrverbote würden zu einem Verkaufseinbruch und damit zu einer Krise in der Autobranche wie vor einigen Jahren führen. Ein Ausweg wären nur noch höhere Prämien für den Umstieg, so Indra zum KURIER.