Wirtschaft
14.07.2017

Nach kritischem Mail an WKÖ-Chef: In der Industrie wird Unmut lauter

Die Lohnrunde der Metaller startet am 20.September. Für die Gewerkschaft ist Arbeitszeit kein Thema.

Das Wut-Mail des Kärntner Industriellen Timo Springer an Wirtschaftskammer-Präsidenten Christoph Leitl sorgte für viel Aufsehen. Wie berichtete, fühlt sich der "engagierte Kammerfunktionär" von Leitl nicht mehr vertreten, weil sich dieser bei den Verhandlungen der Sozialpartner über den Tisch ziehen ließ. Springers Kritik ist eine indirekte Rücktrittsaufforderung an Leitl. Zwar kommt der Mindestlohn (1500 Euro) bis 2020, aber die Forderung der Wirtschaftstreibenden nach flexibleren Arbeitszeiten, sprich nach einem 12-Stunden-Tag, ging ins Leere. Die Gewerkschaft spielte nicht einmal im Ansatz mit.

Springer legt Wert darauf, dass sein Mail nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. "Der Brief ist intern und gibt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder", schreibt Springer an den KURIER. Auch aus seinem Fachverband Metalltechnische Industrie (MTI) heißt es: "Bloß eine private Meinung."

Kein Mut

Das amüsiert den Kammerkritiker und Papier-Industriellen Cord Prinzhorn (Prinzhorn Holding). "In Einzelgesprächen ist jeder der Meinung, dass die Pflichtmitgliedschaft in der Kammer aufgehoben werden und Leitl zurücktreten soll, sobald aber mehrere ÖVPler zusammensitzen, sagen sie nichts mehr", sagt Prinzhorn zum KURIER.

Auch Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellen Vereinigung (IV), hat sich mit dem Mail Springers beschäftigt. "Das ist zwar die persönliche Meinung Timo Springers, aber ich respektiere diese sehr", sagt Neumayer zum KURIER. "Er ist ein exzellenter Unternehmer und langjähriger Kammerfunktionär. Sein Mail widerspiegelt die Meinung und die Stimmung in weiten Teilen der Industrie."

Kein Öl ins Feuer gießen will MTI-Obmann Christian Knill. Er sagt zur Rücktrittsaufforderung an Leitl seitens seines Stellvertreters Springer: "Das ist seine Meinung als Unternehmer und nicht die Meinung des Fachverbandes." Mit dem Ergebnis der Verhandlungen ist auch er unzufrieden.

Viel Verständnis

"Ich verstehe den Unmut, aber der bezieht sich auf beide Sozialpartner", sagt Knill zum KURIER. "Es ist die generelle Art, wie verhandelt wurde. Ein Team mit Experten hat sechs Monate lang nach Lösungen gesucht. Und am Ende entscheiden zwei Präsidenten." Von Konsequenzen wie ein Aussetzen der Kollektivvertragsverhandlungen bis zum Antritt einer neuen Regierung hält Knill nichts: "Wir haben vereinbart, dass wir ab dem 20. September verhandeln, daran halten wird uns auch."

Ob die Arbeitgeber einen neuen Arbeitszeitvorstoß machen werden, will er nicht sagen. Proge-Chef Rainer Wimmer, Top-Verhandler der Metaller, stellt ihm die Rute ins Fenster: "Das kann er gerne tun, aber dann gilt auch das derzeitige Modell nicht mehr." Dieses ist mit 2019 befristet.