Wirtschaft
01.09.2017

Mitbewerber könnten maroden Textilreiniger Wozabal schlucken

Eine Expansion auf Pump hat Linzer Betrieb schleudern lassen, knapp 800 Jobs wackeln. Die Betriebsliegenschaften sind mit Pfandrechten in Höhe von 30,466 Millionen Euro zugepflastert.

Der Niedergang des Linzer Textilreinigers und Mietwäsche-Anbieters Wozabal (950 Mitarbeiter) wurde von den Mitbewerbern schon lange mit Argusaugen beobachtet. In der Branche hat man eigentlich damit gerechnet, dass der französische Konzern Elis, der europäische Marktführer, den maroden Familienbetrieb schluckt. Elis ist seit längerem schon auf Einkaufstour, unter anderem in Deutschland. Mitte Juni 2017 hat die börsennotierte Elis SA für die börsennotierte Berendsen Gruppe (15.000 Mitarbeiter) mit Headquarters in London ein Übernahmeangebot unterbreitet.

Vor allem die finanzierenden Banken wollten den verschachtelten und schwer verschuldeten OÖ. Familienbetrieb im Zuge einer Sanierungstreuhandschaft verkaufen, doch die Firmen-Eigentümer spielten nicht mit. Das Verhältnis zu den Banken gilt als "zerrüttet". Anfang August sperrten diese die Firmenkonten. Zu den Hauptgläubern zählen die oberösterreichische Sparkasse, die Oberbank und die RLB OÖ.

Der Wozabal-Gruppe, die ihre Expansion mit millionenhohen Krediten finanzierte, blieb nur noch der Weg zum Insolvenzgericht. Über die sechs insolventen Wozabal-Gesellschaften, die 792 Mitarbeiter beschäftigen, wurden am Donnerstag Insolvenzverfahren eröffnet.

104,1 Millionen Euro

Rund 73,6 Millionen Euro schuldet die Mietwäsche-Firma laut KSV1870 und Creditreform externen Gläubigern wie Banken und Leasingfirmen, weitere 30,5 Millionen Euro verbundenen Unternehmen. Das Firmennetz ist sehr komplex und intransparent. Die Zukunft steht derzeit in den Sternen.

Die fünf Liegenschaften in Lenzing, Enns und Katzach, die im Namen der Wozabal Texilservice im Grundbuch eingetragen sind, sind mit Pfandrechten zweier Großbanken in Höhe von insgesamt 30,466 Millionen Euro zugepflastert. Das heißt: Ohne Zustimmmung der Banken kann eine Entschuldung bzw. Sanierung eigentlich nicht über die Bühne gehen.

Das ist auch die Ansicht der Insolvenzverwalter. "Die Fortführung und die Sanierung werden vor allem von der Finanzierung und von der Haltung der Banken und Kunden abhängen", sagt Rudolf Mitterlehner, Sprecher der Wozabal-Insolvenzverwalter.

Dabei spielt eine wesentliche Rolle, dass viele öffentliche Auftraggeber (Spitäler und Kliniken) in der Regel ihre Rechnungen erst nach 60 Tagen zahlen. Das heißt: Es gibt einen Vorfinanzierungsbedarf in Millionenhöhe.

Vor der Pleite soll Wozabal Kunden um kurzfristige Zahlungen (eine Woche) gebeten haben. Außerdem soll noch mit einer Factoringbank eine Zwischenfinanzierung (fünf Millionen Euro) ausverhandelt worden sein.

Harter Wettbewerb

In Österreich gibt es 631 Textilreiniger und Mietwäschefirmen, die 7000 Mitarbeiter beschäftigen. Zwei Handvoll sind auch richtige Player, bei sterilen Textilien für Operationssäle bzw. Krankenhäuser gibt es nur fünf.

Mit Abstand Marktführer ist Salesianer Miettex, die mit etwa 2200 Mitarbeitern knapp 160 Millionen Euro in Österreich und Südosteuropa umsetzt. Salesianer gilt als möglicher Interessent. Wozabal wird auf rund 70 Millionen Umsatz geschätzt.

Weitere Player sind die Grazer Textilservice Brolli (600 Mitarbeiter), Regina Textil (280 Mitarbeiter) in Krems und die Wiener Firma Rosa Toifl (240 Mitarbeiter).

Firmenchef Georg Toifl kann sich nur schwer vorstellen, dass ein heimischer Mitbewerber Wozabal zur Gänze übernimmt. Toifl: "Eine solche Übernahme wäre eine enorme finanzielle und logistische Herausforderung."