Chorus-Windpark am Pongratzer Kogel bei Hartberg in der Steiermark

© /CHORUS Clean Energy AG

Deutschland
05/02/2016

Mit viel Wind an der Börse

Die bayrische Chorus AG investiert auch in Österreich in Windparks und erfreut Anleger.

von Andreas Anzenberger

Die bayrische Chorus Clean Energie AG betreibt 75 Anlagen für Wind- und Sonnenenergie in fünf EU-Ländern. In Österreich sind es die zwei steirischen Windparks am Pongratzer Kogel und in Herrenstein sowie der Windpark Zagersdorf im Burgenland. Laut Geschäftsbericht 2015 ist der Konzernumsatz um 6,5 Prozent auf 58,6 Millionen Euro gewachsen. Das operative Ergebnis stieg um 5,3 Prozent auf 45,7 Millionen Euro. Der Vorstandsvorsitzende der Chorus AG, Holger Götze, setzt auf weitere Expansion.

KURIER: Die Chorus AG ist seit Herbst 2015 an der Börse. Können die Anleger ruhig schlafen?

Holger Götze: Ja. Wir haben ein im positiven Sinne langweiliges Geschäftsmodell nahezu ohne Risiko. Wir sind kein Projektentwickler, sondern erwerben Anlagen in aller Regel mit Netzanschluss und kennen daher auch die Förderbedingungen.

Ist eine weitgehende und flächendeckende Versorgung mit Ökostrom überhaupt möglich?

Wir können derzeit an wenigen Tagen mit sehr guten Windbedingungen den Strombedarf vollständig aus erneuerbarer Energie decken. Die große Herausforderung ist die Bereitstellung der Grundlast und die Speichertechnologie. Technisch ist die Speicherung von Strom möglich, es ist allerdings noch zu teuer. Es wird aber kommen. Die Preise für Batterien werden sinken.

Wegen der hohen Förderungen für erneuerbare Energie ist der Strompreis so niedrig, dass sich neue Anlagen nicht rentieren.

Das System hat sicher seine Schwächen. Man muss da sicher bei der einen oder anderen Stelle nachjustieren. Beim derzeitigen Strompreis rentiert sich kein neues Kraftwerk. Wir brauchen aber neue Kapazitäten, weil die Atomkraftwerke nicht nur in Deutschland mittelfristig abgeschaltet werden. Alle Experten sind sich einig, dass der Strompreis dann steigen wird. Die spannende Frage lautet: Wird der Preisanstieg so hoch sein, dass man damit neue Technologien finanzieren kann?

Glauben Sie, dass es Verständnis für höhere Strompreise gibt?

Die Bereitschaft für höhere Strompreise ist an den Stammtischen nicht gegeben. Der Großhandelspreis ist von acht auf zwei Cent pro Kilowattstunde gesunken. Die Preissenkung wird an die Haushalte aber kaum weitergegeben.

Es gibt auch Wirtschaftsforscher, die einen Stopp der Förderungen für erneuerbarer Energie verlangen.

Das ist unsachlich. Ich kann nicht sagen, ich will aus Atomenergie aussteigen und Braunkohlekraftwerke schließen und dann keine Alternativen anbieten. Wenn sich Deutschland entschließen würde, die Förderungen abzuschaffen, so wären unsere bestehenden Anlagen davon nicht betroffen. Denn die garantierten Einspeistarife laufen 20 Jahre. Wir würden dann in Ländern investieren, wo es noch vernünftige Rahmenbedingungen gibt.

Dauersubventionen sind aber schwer zu argumentieren.

Ich wünsche mir ein Marktdesign, das weniger von ideologischen und mehr von ökonomischen Aspekten geprägt ist. Ich bin durchaus dafür, dass Förderungen sukzessive abgebaut werden. Dann müssen aber auch die Endlagerkosten und Rückbaukosten der Atomkraftwerke im Strompreis berücksichtigt werden. Sonst muss irgendwann der Steuerzahler dafür aufkommen.

Es gibt immer mehr Sonnen- und Windenergie. Sehen Sie eine Zukunft für Biomasse ?

Nicht wirklich. Das Problem ist: Wo bekommen sie den Brennstoff her und zu welchem Preis? Da gibt es viele Unsicherheiten, Das macht Biomasse unkalkulierbar.

In einigen EU-Staaten spielen erneuerbare Energieträger kaum eine Rolle.

Ich hatte eine Diskussion mit einem Energieexperten. Er hat mir gesagt, Polen bezieht 75 Prozent der elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen. Mein Informationsstand war, dass Polen 75 Prozent in Kohlekraftwerken erzeugt. Das ist richtig, antwortete der Energieexperte . Kohle erneuert sich alle zwei Millionen Jahre.

Warum wurde der Börsegang von Chorus AG bis Herbst 2015 verschoben?

Das Orderbuch war ordentlich gefüllt. Wir waren mitten in der Roadshow, als in Griechenland über die Sparpläne abgestimmt wurde. Es war nicht klar, ob Griechenland in der Eurozone bleibt. Da wurden viele Order storniert.

Nach dem Börsestart gab es allerdings ziemliche Kursschwankungen. Was war der Grund dafür?

Nach dem Börsegang im Herbst 2015 haben offenbar einige Anleger rasch wieder verkauft. Dann aber ist der Kurs bis Jahresende wieder gestiegen. Ab Mitte Jänner ging es parallel zum DAX nach unten. Wir konnten uns dem Gesamtmarkt nicht entziehen.

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