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Wirtschaft
06/19/2019

Millionenverlust: Pleite einer bekannten Vertriebsfirma für Homeware

Die Datenschutzgrundverordnung soll bei der Kundengewinnung übers Callcenter zu Schwierigkeiten geführt haben. Personalabbau steht bevor.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Es beginnt bereits bei der Produktion der Matratze. Vom kubischem Würfelschnitt, der Druckzonen perfekt ausgleicht, bis hin zu austauschbaren Körperzonen mit unterschiedlichen Stauchhärten, bietet unsere MODULAR PRO Matratze besten Schlafkomfort....und die Matratze wächst mit!“, heißt es auf der Firmen-Homepage. „Ob Kind, Frau oder Mann. Schlank oder gewichtiger. Unsere Modular Pro Matratze passt sich perfekt Ihrem Körperbau und Ihren Schlafgewohnheiten an. Bei individuellen Veränderungen brauchen Sie keine neue Matratze mehr kaufen. Sie erweitern die Module nach Wunsch oder tauschen andere aus. Ganz einfach.“

Jetzt musste die Saglik GmbH mit Sitz in Hallwang, die bis Mitte 2018 noch Homeware Vertriebs- & Erzeugungs GmbH hieß, den Weg zum Konkursgericht antreten. Sie hat ein Sanierungsverfahren beantragt. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform und KSV1870 dem KURIER. Das Unternehmen soll fortgeführt und saniert werden. Es beschäftigt derzeit zehn Mitarbeiter und 14 Handelsvertreter.

Hohe Verluste

Das Unternehmen (https://homeware.at) um Alfred T. vertreibt Matratzen und auch Infrarot-Geräte. Begonnen hatte man mit Tupper-Partys, später baute man ein Callcenter mit 100 Mitarbeitern auf und beschäftigte 60 Handelsvertreter. 2012 expandierte das Unternehmen nach Italien. 2013 soll es zu einem ersten Umsatzeinbruch gekommen sein, weil der Vertriebsleiter zur Konkurrenz gewechselt sein soll. Die drei Standorte in Udine, Treviso und Verona mussten geschlossen werden.

Ab 2014/15 konzentrierte man sich auf den Markt in Österreich und Deutschland. In den vergangenen fünfeinhalb Jahren wurden fast zwölf Millionen Euro umgesetzt, aber auch 1,375 Millionen Euro Verlust geschrieben

Callcenter

„2018 soll die Einführung der Datenschutzverordnung zu Schwierigkeiten geführt haben. Die Gewinnung von Kundenterminen durch das Callcenter gelang nicht im erwarteten Ausmaß und soll zu Umsatzeinbußen geführt haben.

Schulden und Vermögen

Die Schulden werden mit 722.400 Euro beziffert, davon entfallen 254.400 Euro auf die Hausbank, 105.100 Euro auf Lieferanten, 87.100 Euro auf eine Schweizer Warenlieferanten Homeware AG, 91.100 Euro auf Einschlafinstitut. Saglik-Chef T. ist auch Präsident der der Schweizer Homeware AG mit Sitz in Romanshorn. Verbindlichkeiten bestehen auch gegenüber Schwesterunternehmen. Die Homeware-Gruppe soll aber Rückstehungserklärungen abgeben wollen.

Die Aktiva werden mit 426.700 Euro beziffert, davon entfallen 258.700 Euro auf abgewertete Handelswaren.

Die Zukunft

Es dürfte ein Personalabbau bevorstehen. "Die Erfüllung des Entschuldungsanbotes soll durch die Fortführung des Unternehmens vor allem unter Reduktion der Kosten und durch Erweiterung des Sortiments und Teams gelingen", es es dazu vom KSV1870. Den Gläubigern sollen 30 Prozent Quote geboten werden.