Wirtschaft
16.01.2018

Millionenpleite einer Dachdecker-Firma

77 Arbeitnehmer sind betroffen, das Unternehmen soll fortgeführt und saniert werden. Die Mitarbeiter sind äußerst loyal.

Dieses Unternehmen wurde im Jahr 1862 gegründet und hieß bis vor Kurzem eigentlich noch Ing. Weixelbaumer Gesellschaft m.b.H. Unter dem neuen Firmennamen SWH Dachbau GmbH hat der Betrieb mit Sitz in St. Valentin und Produktionsstätte in Leonding ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. 77 Mitarbeiter sind von der Insolvenz laut den Gläubigerschutzverbänden Creditreform, KSV1870 und AKV betroffen.

Das Unternehmen wird vom renommierten Linzer Sanierungsanwalt Wilhelm Deutschmann vertreten, der erst kurz vor Weihnachten als eine Art insolvenzrechtlicher Notarzt beigezogen wurde. Das Unternehmen soll fortgeführt und saniert werden. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Franz Hofbauer bestellt.

Die Belegschaft steht äußerst loyal zum Unternehmen. Obwohl die November- und Dezember-Löhne und Weihnachtsgelder nicht mehr bezahlt werden konnten, kamen fast alle Mitarbeiter nach den Weinachtsfeiertagen zurück an ihren Arbeitsplatz. Die zum Teil hochqualifizierten Fachkräfte sind eigentlich das wichtigste Kapital des angeschlagenen Betriebes. Dazu muss man wissen, dass das Unternehmen den Mitarbeitern 500.000 Euro an Löhnen und Gehältern schuldet sowie 150.000 Euro für Urlaubsansprüche und Zeitausgleich.

Die Dachdeckerei und Spenglerei (www.weixdach.at) war in den vergangenen Jahren vom Preisdruck der Mitbewerber stark betroffen. Die Kampfpreise hielten aber entgegen der internen Annahme langfristig an. Der Markt beruhigte sich nicht. Das soll sogar dazu geführt haben, „dass teilweise Projekte nur zu Teilkosten abgewickelt werden konnten“. Zugleich konnten Rationalisierungsmaßnahmen die Lage nicht verbessern. Das geplante "kurzfristige Durchtauchen" gelang offensichtlich nicht. Anfang 2017 wurde ein Restrukturierer an Bord geholt. Operative Maßnahmen wie höhere Deckungsbeiträge konnten bereits umgesetzt werden. Doch Ende 2017 wurden die Kreditlinien eingefroren, die Zahlungsunfähigkeit trat ein.

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten werden mit 10,476 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 3,362 Millionen Euro auf Banken, 3,036 Millionen Euro auf Garantien, 1,85 Millionen Euro auf Lieferanten und 1,075 Millionen Euro auf die Mitarbeiter; sowie 281.000 Euro auf die Gebietskrankenkasse und 250.000 Euro auf die Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse BUAK.

Das Vermögen

Die Aktiva werden mit 3,382 Millionen Euro beziffert, das freie Vermögen beträgt lediglich 1,308 Millionen Euro. Das Gros (1,35 Millionen Euro) sind offene Kundenforderungen, aber an die finanzierenden Banken verpfändet sind.

Sanierung und Entschuldung

Für die Quotenberechnung müssen die unbesicherten Forderungen herangezogen werden. Diese betragen 6,238 Millionen Euro. Angeboten werden 20 Prozent Quote. Das macht ohne Verfahrenskosten rund 1,265 Millionen Euro innerhlab von zwei Jahren. Die Quote soll durch Verwertungen von Firmenvermögen, aus dem operativen Geschäft und von dritter Seite finanziert werden.