Wiener Leiner-Zentrale wurden verkauft

© EPA/HELMUT FOHRINGER

Insolvenz
06/17/2016

Millionen-Pleite eines Montagebetriebes

Ein Gerichtsurteil bringt Montagebetrieb ins Schleudern, Kläger war das Möbelhaus Leiner.

von Kid Möchel

Dieser Konkursantrag klingt wie ein Drehbuch für einen Wirtschaftskrimi. Die Großbildmontagen GmbH mit Sitz Wulkaprodersdorf, Burgenland, musste laut Creditreform ein Konkursverfahren beantragen, das mittlerweile laut KSV1870 auch eröffnet wurde. Der Betrieb hat nicht nur mit dem Preisdruck durch Billig-Monteure aus der Slowakei und Ungarn zu kämpfen, sondern ein früherer Geschäftsführer soll „ab dem Jahr 2010 Malversationen“ verursacht haben.

„Aus den Malversationen des vormaligen Geschäftsführers, die auch zu dessen Entlassung führten, kam ein Abgang in Höhe von 550.000 Euro“, heißt es im Konkursantrag aus der Feder der Kanzlei Beck & Dörnhöfer. Oder anders gesagt: Dieser Betrag ist offenbar der Schaden.

Ärger mit Auftraggeber

Der burgenländische Betrieb wickelte auch einen Großauftrag für den Langzeitkunden Rudolf Leiner GmbH in Graz ab. Es ging dabei um die Gestaltung einer Fassade. In Folge des Eigentümerwechsels bei der Leiner-Gruppe, die Familie Koch verkaufte Mitte 2013 das Unternehmen KIKA/Leiner an einen südafrikanischen Möbelhändler Steinhoff, wurde gegen den burgenländischen Betrieb der Vorwurf erhoben, „dass die Fassade nicht termingerecht ausgeführt worden wäre“.

1,3 Millionen Euro eingeklagt

„Danach trat die Rudolf Leiner GmbH vom Vertrag zurück“, heißt es im Konkursantrag weiter. „Es wurden wechselseitig Klagen über einen Gesamtstreitwert in Höhe von 1,3 Millionen Euro erhoben.“ Die Burgenländer gingen davon aus, dass „dieses Verfahren für sie positiv beendet wird“. Doch es kam anders.

Kein Geld für Berufung

„Völlig überraschend wurde der Großbildmontagen GmbH Ende April das Urteil des Landesgerichts Graz zugestellt, in welchem der Montagebetrieb dazu verurteilt wurde, an die Gegenseite 620.000 Euro einschließlich Zinsen und Kosten zu leisten“, heißt es weiter. Da der Betrieb, der 2002 gegründet wurde und sich mit der Projektierung, Herstellung und Montage von Fassadenaufbauten beschäftigt, durch die Malversationen des früheren Geschäftsführers „finanziell geschwächt“ war, führte das Urteil zur Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit.

Das Unternehmen fügt noch an, dass es nicht die finanziellen Kapazitäten hat, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Beschäftigte der Betrieb früher laut Creditreform noch 30 Mitarbeiter, so waren es zuletzt nur noch acht.

Schulden und Vermögen

Die Aktiva werden laut Creditreform mit 71.000 Euro beziffert, davon entfallen 32.000 Euro aus offene Forderungen und 16.000 Euro auf ein Bankguthaben. Die Schulden werden mit 1,318 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 620.000 Euro auf das Gerichtsurteil zugunsten der Firma Leiner, 480.000 Euro auf Banken und 203.000 Euro auf Lieferanten.

Zukunft unklar

Ob der Betrieb überhaupt fortgeführt werden kann, ist derzeit noch unklar. „Die Auftragslage ist an sich gesichert, die Aufträge werden auch kostendeckend mit einer geringen Marge abgewickelt“, heißt es im Antrag weiter. „Der Betrieb war bemüht, die erforderlichen Barmittel anzusammeln, um eine Fortführung zu gewährleisten.“

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