Wirtschaft
08.05.2017

Millionen-Pleite eines Lüftungstechnikers

Unternehmen hat rund 11,56 Millionen Euro Schulden, 119 Mitarbeiter sind betroffen. 68 Dienstnehmer wurden beim AMS zur Kündigung angemeldet.

Die "Troges" Gesellschaft für Trocknungs- und Wärmetechnik m.b.H. hat am Handelsgericht Wien den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung gestellt. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Es sind 119 Dienstnehmer und rund 300 Gläubiger betroffen. 68 Dienstnehmer wurden beim AMS im Rahmen des Frühwarnsystems zur Kündigung angemeldet. Den Gläubigern sollen 30 Prozent Quoten geboten werden.

Das Unternehmen wurde laut AKV und KSV18780 im Jahr 1947 gegründet und beschäftigt sich mit der Produktion von Lüftungskanälen, Lüftungsanlagen und Rippenrohren, Apparatebau und Troges-Flächenlüftung. Sie gehört mehrheitlich der Familie Christof, Jörg und Martin Braunegg und unterhält Tochterfirmen in Ungarn, Tschechien und in der Slowakei.

Hauptgesellschafter ist laut Firmencompass Christof Braunegg mit 44,498 Prozent, gefolgt von Martin Braunegg mit 35,502 Prozent und Jörg Braunegg mit 7,5 Prozent sowie der Maculangasse 6 Besitzgesellschaft m.b.H. mit 12,5 Prozent. Letzter gehört den drei Brauneggs und zu zehn Prozent Ronald Weixler.

Die Ursachen

Die Insolvenzursachen liegen in einer rückläufigen Umsatzentwicklung. Es konnten weniger Großprojekte als früher gewonnen werden. Schon 2015 wurde daher der Personalstand reduziert. Bereits im Geschäftsjahr 2015 betrug der Jahresverlsut 754.800 Euro, der Gewinnvortrag aus dem Jahr 2014 reduzierte den Bilanzverlsut auf 156.500 Euro. Detail am Rande: Umsätze werden keine bekanntgegeben, aber der Rohertrag wurden 2015 mit rund 8,095 Millionen Euro beziffert bei einem Personalaufwand in Höhe von 6,159 Millionen Euro.

Dazu kamen erhöhte Schadensfälle und erhebliche Wertberichtigungen bei den offenen Forderungen, welche die finanzielle Situation weiter verschlechtert haben. Im Vorjahr wurden weitere Einsparungsmaßnahmen gesetzt.

In den vergangenen Wochen hat es sich aber gezeigt, dass neben einem massiven Mitarbeiterabbau auch eine erhebliche Reduktion der Schulden erforderlich sind. Mit 30. April 2017 ist der Finanzierungsrahmen ausgelaufen, eine neuerliche Refinanzierung gelang aber nicht. Zugleich konnte der Personalabbau nicht durchgeführt werden, weil die Beendigungskosten nicht mit der vorhandenen Liquidität bedient werden konnten. So musste schlussendlich die Reißleine gezogen und Insolvenz angemeldet werden.

Das Vermögen

Den Aktiva werden mit 3,725 Millionen Euro beziffert, davon sind 1,416 Millionen Euro mit Pfandrechten belastet. Unterm Strich beträgt das freie Vermögen nur 2,309 Millionen Euro. Dazu zählt eine Gebäude auf fremden Grund, das an eine finanzierende Bank verpfändet ist. Daraus ergibt sich ein Absonderunsgrecht in Höhe von 100.000 Euro. Doch Grund und Boden sollen noch "stille Reserven" beinhalten.

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten werden mit 11,56 Millionen Euro beziffert, davon sind 10,144 Millionen Euro unbesichert. Doch es könnten noch Eventualverbindlichkeiten in Höhe von 713.000 Euro dazu kommen. Unterm Strich macht das insgesamt 12,273 Millionen Euro - ohne besichterte Schulden macht das 10,857 Millionen Euro.

Die Quote

Für die Quote stehen nur 1,975 Millionen Euro zur Verfügung, weil etwa 340.000 Euro für Schließungs- und Verfahrenskosten benötigt werden. Hochgerechnet auf die Schulden kann so eine Quote im Umfang von 18,2 Prozent aus dem Unternehmen finanziert werden. Oder anders gesagt: Bei einer Schlißeung würden die Gläubiger bloß 18,2 Prozent Quote erhalten.

Die Zukunft

Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Dem Vernehmen nach soll der laufenden Betrieb durch Factoring finanziert werden. Das war schon bisher so. Doch nun liegt der Ball beim Sanierungsverwalter. Er soll laut Firmenangaben entsprechende Gespräche führen. Das sei für die Liquidität und die Fortführung des Unternehmens unbedingt erforderlich, heißt es dazu aus dem Unternehmen.

Weitere Informationen unter http://www.troges.at/