Wiener Gasthaus ist zum zweiten Mal pleite

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Insolvenz
10/14/2016

Millionen-Pleite einer Schaltanlagen-Firma

Der Betrieb hat rund 6,62 Millionen Euro Schulden angehäuft, 50 Arbeitsplätze wackeln.

von Kid Möchel

Beim Schaltanlagen-Bauer Techco-Electrics GmbH & Co. KG, der bis vor wenigen Monaten noch unter dem Firmennamen Melecs SWL firmierte, ist es zu einem finanziellen Kurzschluss gekommen. Das Unternehmen hat am Freitag am Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. 50 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen. Erst Ende 2015 hatte die Techco GmbH die Anteile des nun insolventen Betriebs von der Firma Melecs unternommen. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform und KSV1870 dem KURIER.

Die Pleite Ursachen

Im Dezember 2015 wurde das Unternehmen von einem neuen Eigentümer gekauft. Der Abschluss der Übernahme erfolgte aber erst Ende Mai 2016, sodass die neue Führung tatsächlich seit Juni 2016 arbeitet. „Der Erwerb erfolgte auf Grundlage eines Businessplans, den die Verkäuferin präsentierte“, heißt es im Insolvenzantrag. „Dieser sah einen Jahresumsatz in Höhe von rund elf Millionen Euro und eine Ebit-Marge von 2,5 Prozent vor. Das war aus der damaligen Sicht plausibel, zumal die Umsätze in den Jahren 2014 und 2015 elf Millionen Euro betragen haben.“

Ab Juli 2016 stellte es sich aber heraus, dass der Umsatz für 2016 nur bei sechs Millionen Euro liegen wird. Die Geschäftsführung steigerte ihre Vertriebsaktivitäten und leitete Restrukturierungsmaßnahmen ein. Das bedeutete: Hereinnahme der ausgelagerten Blechfertigung, Verhandlungen mit dem Betriebsrat über den Abbau von Mitarbeitern, Reduktion der Fixkosten durch eine Verkleinerung der Hallenfläche und Umstellung bei der Firmen-EDV.

Zu hohe Personalkosten

„Es zeigte sich immer mehr, dass der hohe Fixkostenanteil, der auf die Alters- und Betriebszugehörigkeitsdauer der Mitarbeiter zurückzuführen ist, das Erwirtschaften eines Gewinns unmöglich macht. Die Dienstnehmer sind innerhalb des Industrie-Kollektivvertrags überwiegend deutlich überentlohnt“, heißt es weiter. „Die Produktionskosten in Österreich sind im Vergleich zu Tschechien zu hoch. In Tschechien beträgt der Stundenlohn zirka fünf Euro.“ Dazu kam der Preisdruck der Mitbewerber und der Billigstanbieter aus Fernost.

Keine kostendeckende Produktion

„Eine kostendeckende Produktion am Standort Linz im bisherigen Umfang ist nicht möglich“, heißt es im Antrag. „In den vergangenen Wochen wurde aus einer Zahlungsstockung eine manifeste Zahlungsunfähigkeit.“ Nachsatz: „Erschwerend kam dazu, dass die Hausbank den Kontokorrentrahmen in Höhe von 500.000 Euro vor zwei Wochen gesperrt hat.“

Das Vermögen

Die Aktiva haben zwar einen Buchwert in Höhe von rund 3,59 Millionen Euro, aber das freie Vermögen beträgt nur 620.700 Euro; davon entfallen 359.000 Euro auf das Umlaufvermögen (Rohstoffe, Warenlager, halbfertige Arbeiten), 261.500 Euro auf das Anlagevermögen, weitere 198.000 Euro betragen die offenen Forderungen gegenüber Kunden und 161.000 Euro beträgt das Bankguthaben. Die Sachanlagen bestehen in erster Linie aus „Einbauten in fremde Gebäude“ und die Finanzanlagen aus einer Beteiligung an der Tochterfirma Techno-Electrics ETS s.r.o. mit Sitz in Teplice, Tschechien. Letztere erzielt die Hälfte ihres Umsatzes (drei Millionen Euro) aus Aufträgen der Linzer Mutterfirma.

Die Schulden

Die Passiva werden mit 6,621 Millionen Euro beziffert, davon entfallen rund 2,6 Millionen Euro auf die Mitarbeiter (inklusive Beendigungs- und Abfertigungsansprüche sowie Altersteilzeit), 1,092 Millionen Euro auf Beendigungsansprüche der Linz AG, 933.000 Euro auf eine Factoring-Bank, 781.000 Euro auf Lieferanten, 405.000 Euro auf verbundene Unternehmen und 638.000 Euro entfallen auf „ sonstige Verbindlichkeiten“.

Die Zukunft

Eine Fortführung wird offenbar angestrebt, aber Teilbereiche des Unternehmens sollen geschlossen werden. Die Fortführungsrechnung basiert aber auf der Annahme, die die betroffenen Dienstnehmer zeitnah ihren Austritt aus dem Unternehmen vollziehen. „Tun sie das nicht, wird die Restrukturierung nicht gelingen, zumal sie in diesem Fall nicht finanzierbar ist“, teilt der Betrieb im Insolvenzantrag mit. „Wiedereinstellungen sind nicht geplant.“ Den Gläubigern werden 20 Prozent Quote innerhalb von zwei Jahren angeboten. 156 Gläubiger sind laut Creditreform betroffen.

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