Objektbau führte Unternehmen in die Verlustzone

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Bankrott
12/21/2016

Millionen-Pleite einer Installationsfirma

Unternehmen wird von einem Schuldenberg erdrückt, 59 Jobs sind betroffen. Die dubiosen Hintergründe fordern eine genaue Aufklärung.

von Kid Möchel

Kurz vor Weihnachten häufen sich die Pleiten in Österreich. Auch für die 59 Mitarbeiter der Wiener Korkisch Haustechnik GmbH gibt es eine ganz traurige Nachricht. Ihr Arbeitgeber hat am Handelsgericht Wien Konkurs angemeldet. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände Creditreform und AKV dem KURIER. Das Unternehmen hat bereits am vergangenen Montag seine Geschäftstätigkeit eingestellt. Die diesbezüglichen Vorgänge werden vom Masseverwalter genau zu prüfen sein - vor allem in Richtung Haftungen.

Zahlen nicht geprüft?

„Das Unternehmen wurde im September 2016 von Herrn Arlind Saliji erworben“, heißt es im Konkursantrag. „Er ging davon aus, dass er ein operativ positives Unternehmen übernimmt. Herr Saliji führte aber im Zuge des Unternehmenserwerbs keine Due Diligence durch“. Oder anders gesagt: Er hat die Bilanzen der vergangenen Jahre bzw. das laufende Geschäftsjahr nicht von einem Wirtschaftsprüfer durchleuchten lassen.

Alter Eigentümer

Dazu muss man wissen, dass laut Firmenbuch bis dahin Kommerzialrat Gerhard Korkisch, Jahrgang 1940, Geschäftsführer und Gesellschafter der Korkisch Haustechnik, vormals Elektro Korkisch, war. Als Geschäftsführer war er seit 1975 im Firmenbuch eingetragen.

Korrekturen in der Bilanz

Der neue Eigentümer bestellte einen neuen Geschäftsführer. Diese musste nach ein, zwei Monaten feststellen, heißt es weiter, „dass sich die Liquiditätssituation laufend verschlechterte und mehr als angespannt zu bezeichnen war“. Daraufhin wurden die Experten der Südost-Treuhand mit der Analyse der wirtschaftlichen Lage beauftragt. Diese stellten laut Konkursantrag fest, „dass durch entsprechende Richtigstellung von Bewertungsansätzen im Jahr 2016 ein Verlust in Höhe von 1,3 Millionen Euro realisiert wurde“.

Keine Sanierung möglich

„Man begann eine Sanierungskonzept zu erarbeiten und überprüfte die Möglichkeiten eines Sanierungsverfahrens“, heißt es im Antrag weiter. „Mitte November 2016 hat die Hausbank erklärt, dass sie den Kontokorrentrahmen fällig stellen wird und „keine weitere Ausnützungen zulasse“. Weitere Gespräche mit der Hausbank waren offenbar fruchtlos, denn eine positive Fortbestehungsprognose konnte nicht vorgelegt werden.

Hohe Kosten

„Der Korkisch Haustechnik ist es nicht mehr möglich, ihre Gläubiger sowie die Löhne und Gehälter zu bezahlen“, heißt es im Antrag. „Insbesondere bemerkenswert ist, dass der zweitgrößte Lieferant, die Porsche Leasing GmbH, mit einem Leasingentgelt von jährlich mehr als 300.000 Euro ist.“ Die Mitarbeiterstand sei höher als in der Branche üblich, gelagerte Ware ist kaum vorhanden. Das Unternehmen ist im Rahmen eines Sanierungsplans somit nicht sanierbar.

Auffanglösung geplant

„Der Käufer hat sich daher entschlossen, unter dem Namen Korkisch und Partner eine Auffanggesellschaft zu gründen, die zunächst die notwendigen Betriebsmittel aus der Masse zu pachten beabsichtigt“, heißt es weiter.

Schulden und Vermögen

Die Passiva werden laut Creditreform mit 1,829 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 400.000 Euro auf das Finanzamt, 350.000 Euro auf die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK), 320.000 Euro auf offene Löhne und Gehälter und 300.000 Euro auf Abfertigungsansprüche; weitere 279.000 Euro schuldet der Betrieb seinen Lieferanten und 150.000 Euro der Hausbank.

Die Aktiva sollen laut Creditreform 825.000 Euro betragen. Die offenen Forderungen gegen Kunden werden mit 800.000 Euro beziffert, die Vorräte haben einen Wert in Höhe von 15.000 Euro und die Betriebsausstattung samt Maschinen rund 10.000 Euro.

Die Gewinn- und Verlustrechnung zum 30. September 2016 weist einen Umsatz in Höhe von 4,02 Millionen Euro aus, im gesamten Vorjahr waren es rund 5,926 Millionen Euro. Der Jahresverlust wird mit 1,293 Millionen Euro beziffert.

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