Wirtschaft 30.11.2016

Millionen-Pleite einer Elektrofirma

Weitere Großpleite in Niederösterreich © Bild: /kbeis/iStockphoto

Unternehmen hat 4,895 Millionen Euro Schulden, 56 Jobs sind gefährdet. Weiterer Jobabbau ist geplant.

Heute, Mittwoch, jagt eine Pleite die andere. So musste auch die Firma Tema Electronic Service & Vertriebs GmbH mit Sitz in Wiener Neustadt den Weg zum Insolvenzgericht antreten. Am Landesgericht Wr. Neustadt wurde die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung beantragt. Das bestätigt der Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Laut KSV1870 sind 56 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.

Das Unternehmen wurde 2012 gegründet und beschäftigt sich mit dem Groß- und Einzelhandel und dem Service von Elektrogeräten, sowie mit der Erbringung verschiedener Dienstleistungen für Telekabelanbieter. Vier Standorte in Wiener Neustadt, Baden, Neunkirchen und Eisenstadt werden betrieben. Außerdem musste auch ihre Wiener Tochterfirma Smarttec Vertriebs GmbH ein Konkursverfahren beantragen.

„Die Tema Electronic Service & Vertriebs GmbH wurde gegründet, um die damals insolvente Stöhr electronic service GmbH zu erwerben“, heißt es im Insolvenzantrag. „Die Übernahme ist geglückt. Zugleich wurde angestrebt, ein Großhandelsgeschäft europaweit und grenzüberschreitend durchzuführen. Das ist in Zusammenhalt mit den Tochtergesellschaften gelungen.“

Marktbereinigung

In den vergangenen zwei Jahren habe sich das geschäftliche Umfeld in der Elektrobranche allerdings (noch nicht) schwierig gestaltet, aber sich als sehr herausfordernd dargestellt. „Es hat eine Marktbereinigung stattgefunden, die mit einem Margenverfall einherging und bei Herstellern zu einer anderen Ausrichtung geführt hat“, hält das Unternehmen fest. „Ab dem 2. Quartal 2016 kam es zu einem fast vollständigen Erliegen des Großhandels, weil europaweit Steuerprüfungen bei Großhändlern durchgeführt wurden.“ Dazu muss man wissen, dass im Elektro-Großhandel erhebliche Vorfinanzierungen getätigt werden müssen, insbesondere bei der Umsatzsteuer und bei den Bonifikationen. Die Steuerprüfungen bei Geschäftspartnern der Tema „führten auch dazu, dass erhebliche Umsatzsteuerguthaben wochenlang nicht geflossen sind, weil sie von den prüfenden Finanzämtern blockiert wurden“.

„Das hat die Tema massiv in Mitleidenschaft gezogen“, heißt es im Insolvenzantrag aus der Feder der renommierten Anwaltskanzlei Kosch & Partner. „Als Einzelhändler, der Filialen betreibt, hat Tema eine Kostenstruktur, die unerlässlich ist, um den Betrieb zu führen.“ Eine Anpassung der Kostenstruktur an die aktuelle Lage konnte nicht in der dafür notwendigen Geschwindigkeit umgesetzt werden. Zugleich seien Gespräche mit potenziellen Investoren gescheitert.

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten haben einen Buchwert in Höhe 4,895 Millionen Euro und einen Verkehrswert in Höhe von 3,387 Millionen Euro. Davon entfallen 2,978 Millionen Euro auf Lieferungen und Leistungen und 1,085 Millionen Euro auf Banken. Mit 965.000 Euro werden die Rücklagen und mit 374.000 Euro der Verlust beziffert.

Das Vermögen

Die Aktiva haben einen Buchwert in Höhe von 4,895 Millionen Euro, das freie Vermögen beträgt aber nur 1,058 Millionen Euro. Das Warenlager mit einem Verkehrswert in Höhe von 1,5 Millionen Euro ist in Höhe von einer Million Euro verpfändet. Auch die offenen Forderungen (485.000 Euro) sind an die Hausbank verpfändet.

Die Zukunft

Das Unternehmen soll im Rahmen eines Sanierungsplans fortgeführt werden. Laut Finanzplan können die Mittel für die Fortführung aus dem Unternehmensergebnis finanziert werden. Indes soll die Reduzierung des Großhandels im Wesentlichen schon erfolgt sein. Doch die Redimensionierung ist noch nicht vollständig umgesetzt. „Ein weiterer Abbau von Dienstnehmern ist notwendig und geplant“, heißt es im Antrag. Den Gläubigern werden 30 Prozent Quote geboten.

( kurier.at ) Erstellt am 30.11.2016