Wirtschaft
04.01.2018

Millionen-Pleite einer bekannten Touristen-Attraktion

Amethyst Welt Maissau schlittert mit rund 2,1 Millionen Euro Schulden in die Pleite. 25 Mitarbeiter sind betroffen. Stadtgemeinde Maissau wird als Haupteigentümer für Fortbetrieb ordentlich Geld zuschießen.

Dass man mit einer solchen Touristenattraktion in die Pleite schlittert, ist wirklich bitter: Die Maissauer Amethyst GmbH, kurz MAG, mit Sitz im niederösterreichischen Maissau hat am Landesgericht Korneuburg einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung gestellt. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Das Landesgericht Korneuburg hat laut AKV am Donnerstag den renommierten Wiener Sanierungsexperten Stephan Riel zum Sanierungsverwalter bestellt. Riel wickelt u.a. die Großpleite Alpine Bau GmbH ab.

Das Unternehmen wurde 1999 gegründet und betreibt die „Amethyst Welt Maissau“. Mehrheitsgesellschafter mit einem Anteil von rund 60,67 Prozent ist die Stadtgemeinde Maissau, weitere Anteile halten Josef Sparrer (27,16 Prozent) und die örtliche Sparkasse Horn-Ravelsbach-Kirchberg (12,16 Prozent). Außerdem gibt es noch zahlreiche stille Gesellschafter, die 394.700 Euro investiert haben.

Das Unternehmen (www.amethystwelt.at) befasst sich mit der Bodenschatzerschließung und –verwertung und dem Handel von Edelsteinen, Halbedelsteinen und Schmuck. Bis Ende Juli 2017 sollen die Umsätze im Plan gewesen sein, doch der heiße August führte zu einem Besucherrückgang und einem Umsatzrückgang in Höhe von 50.000 Euro. Dazu kam, dass auch im September die Busreisenden erstmals ausblieben. Dadurch brach der Umsatz um weitere rund 100.000 Euro ein. In der Folge konnte das Unternehmen einen Einmalkredit zum Jahresende2017 nicht zurückzahlen und auch die Löhne und Gehälter für Dezember 2017 nicht bezahlen.

Das Mineraliengeschäft in Zahlen

Dazu muss man wissen, dass die Betreibergesellschaft im Geschäftsjahr 2016 rund 1,843 Millionen Euro umsetzte, das heißt rund 128.000 Euro mehr als im Jahr 2015. Rund 581.000 Euro an Kosten (2016) entfielen auf Löhne und Gehälter und 179.000 Euro auf den sozialen Aufwand. Die Verbindlichkeiten bei Kreditinstituten wurden 2016 mit 1,487 Millionen Euro beziffert. Dabei fällt in der Bilanz auch auf, dass die Maissauer Amethyst GmbH im Jahr 2016 rund 1,156 Millionen Euro Investitionszuschüsse erhielt, im Jahr 2015 waren das sogar 1,216 Millionen Euro. Der Verlustvortrag aus dem jahr 2014 betrug 55.000 Euro, der für das Jahr 2015 dann 24.800 Euro und der Bilanzverlust 2016 rund 24.500 Euro.

Schulden und Vermögen

Die Verbindlichkeiten werden mit 2,059 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,439 Millionen Euro auf Banken. Die Mineraliensammlung mit einem Wert in Höhe von 130.000 Euro ist an die finanzierende Bank verpfändet. Das freie Vermögen wird mit 426.900 Euro beziffert, davon entfallen 220.000 Euro auf Vorräte und 194.000 Euro auf technische Anlagen und Maschinen.

Das Grundstück

Die Anlage und die Gebäude befinden sich auf einem fremden Grund (16.376 Quadratmeter) und haben einen Buchwert in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Zugleich besteht ein Baurecht. Es existiert dazu ein Baurechtsvertrag mit der Liegenschaftseigentümerin, der Stadtgemeinde Maissau. Aus Sicht der Amethyst-Welt sind diese Gebäude für andere Zwecke kaum nutzbar. Daher wurde der (fiktive) Wert im Insolvenzstatus lediglich mit 300.000 Euro beziffert. Auf der verbücherten Baurechtseinlage haben die finanzierenden Banken erhebliche Pfandrecht eingetragen. Zwei Banken haben je drei Pfandrechte, eine mit einem Höchstbetrag in Höhe von insgesamt 1,422 Millionen Euro und die andere in Höhe von 620.000 Euro. Damit haben die Banken in diesem Fall auch das Sagen.

"Es ist davon auszugehen, dass aus einer etwaigen Verwertung des Baurechtes, wenn überhaupt, ein Wert erzielt werden kann, dieser an die finanzierenden Banken auszukehren wäre", heißt es dazu vom insolventen Unternehmen. Das heißt: Der Erlös fließt an die Banken.

Die Zukunft

Das Unternehmen soll im Rahmen einer Neustrukturierung laut KSV1870 und AKV fortgeführt werden. Die Stadtgemeinde Maissau hat dafür einen Zuschuss in Höhe von insgesamt 160.000 Euro für die Monate Jänner bis einschließlich März 2018 zugesichert. Ein entsprechender Gemeinderatsbeschluss liegt bereits vor. Damit kann der Betrieb aufrechterhalten werden. Zugleich sollen verstärkt Marketingemaßnahmen gesetzt werden und auch Sonderausstellungen sind geplant.

Dazu kommt, dass die Stadtgemeinde die Neustrukturierung und die Verfahrenskosten finanzieren wird. "Es wird auch erforderlich sein, mit den Finanzierungspartnern eine Neustrukturierung der aktuellen Finanzierung, soweit es die besicherten Teile der Verbindlichkeiten betrifft, zu finden", heißt es aus dem Unternehmen. Diese Verhandlungen sollen bereits laufen. Den Gläubigern wird eine Quote von 30 Prozent binnen zwei Jahren angeboten.

Stellungnahme der Stadtgemeinde

"Ziel dieses Sanierungsverfahrens ist es einerseits den laufenden Geschäftsbetrieb unter Eigenverwaltung für die Besucher und Kunden durchgehend aufrecht zu erhalten und andererseits mit den Gläubigern eine Einigung über eine Entschuldung (Sanierung) zu erzielen. Während der 90tägigen Sanierungsverfahrensdauer bis Ende März 2018 ist ein reibungsloser Geschäftsbetrieb gewährleistet. Sämtliche Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben", heißt es in einer Aussendung der Stadtgemeinde Maissau. "Den Gläubigern wird von der Geschäftsführung eine Sanierungsquote angeboten und im Falle der Annahme durch die Gläubiger käme es zu einer erfolgreichen finanziellen Sanierung der MAG. Parallel zu diesem Sanierungsverfahren wird es allerdings zusätzlich notwendig sein, laufende Restrukturierungsmaßnahmen zu erarbeiten und rasch umzusetzen."

Unter weiter heißt es: "Zukünftig werden die Gesellschafter daher auch verstärkt die Kontrolle der Umsetzung der erforderlichen Restrukturierungsmaßnahmen durch die Geschäftsführung wahrzunehmen haben. Die Amethyst Welt Maissau ist nach wie vor eines der attraktivsten und bestbesuchten Top-Ausflugsziele Niederösterreichs. Das soll auch so bleiben. Die Stadtgemeinde Maissau als Hauptgesellschafter der MAG steht uneingeschränkt hinter der MAG als Leitbetrieb der Region und ist überzeugt, dass es zu einem erfolgreichen Abschluss dieses Sanierungsverfahrens kommen kann, wodurch der Fortbestand der MAG gewährleistet wäre. Erste Schritte wurden bereits im Gemeinderat beschlossen (Zuschuss zur Aufrechterhaltung der Liquidität im Sanierungszeitraum). Weiters haftet die Stadtgemeinde für einen Kredit der MAG. Zusätzliche Schritte werden noch erforderlich und vom Gemeinderat zu beschließen sein (Finanzierung der Sanierungsplanquote an die Gläubiger)."