Wirtschaft
31.03.2017

Millionen-Pleite einer bekannten Druckerei

Umsatzrückgänge und Preisdumping führten in die Insolvenz. 79 Mitarbeiter sind betroffen.

„Die Ursprünge dieser Druckerei reichen bis ins Jahr 1548 zurück, seit 1856 ist das Unternehmen im Besitz der Familie Salzer“. Die Rede ist von der Druckerei Ueberreuter Print & Packaging GmbH. Sie hat am Landesgericht Korneuburg einen Insolvenzantrag eingebracht. 79 Mitarbeiter sind laut Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform von der Pleite betroffen. Die Schulden werden mit 6,3 Millionen Euro beziffert. Die Löhne und Gehälter für März wurden nicht mehr bezahlt. Laut AKV sind 215 Gläubiger betroffen.

"Dem Unternehmen ist es sehr wichtig zu betonen, dass der operative Betrieb weiter läuft und das Sanierungsverfahren das klare Ziel hat, den Großteil des Betriebes und damit auch den Großteil der Belegschaft zu erhalten", heißt es in einer Stellungnahme.

Die Insolvenzursachen

Die Druckerei kämpfte offenbar jahrelang mit einem schwierigen Marktumfeld. "Es wurde versucht, dem immer stärker werdenden Konkurrenzdruck durch Optimierungsmaßnahmen im Bereich der Kosten sowie durch Konzentration auf Spezialaufträge (Bedrucken von Verpackungsmaterialien) gegenzusteuern", heißt es im Antrag. "Die Auftragsausweitung im Verpackungssegment hat aber in einem die anfänglichen Erwartungen deutlich übersteigenden Ausmaß zu einer erheblichen Mittelbindung geführt, kombiniert mit wesentlich niedrigeren Roherträgen als im klassischen Akzidenzgeschäft. Darüber hinaus kam es parallel im Akzidenzbereich* zu deutlichen, in diesem Ausmaß nicht vorhersehbaren Umsatzrückgängen, da sich die Antragstellerin am 'brachenspezifischen Preisdumping' nicht beteiligt hat."

Der Hintergrund

Das Unternehmen zählt zu den größten Bogenoffsetbetrieben in Österreich. „Am Standort Korneuburg werden alle gängigen Drucksorten wie Schulbücher und Kataloge, Magazine, Zeitschriften, Flyer und Plakate und Verpackungen erzeugt“, heißt es im Antrag aus den renommierten Anwaltskanzlei Urbanek Lind Schmidt Reisch. „Am Standort Wien werden digitale Drucksorten, Banner und Plots produziert. An beiden Standorten verfügt man über alle notwendigen Maschinen, um die oben genannten Druckprodukte eigenständig herstellen zu können."

Im Jahr 2009 wurde die Ueberreuter Packaging GmbH gegründet, um ein Etablieren im Verpackungssegment zu ermöglichen und von dessen Wachstum zu profitieren, um die seit der Wirtschaftskrise 2008 rückläufigen Umsätze aus dem Akzidenzgeschäft abzufedern, so das Unternehmen. Später ist diese in die Ueberreuter Print GmbH eingegangen.

*Akzidenzen sind laut Wikipedia Gelegenheitsdrucksachen wie zum Beispiel Prospekte, Broschüren, Flugblätter, Visitenkarten oder Speisekarten.

"Im Jahr 2010 erwarb man aus dem Konkurs der Druckerei Stiepan diverse Assets und brachte diese in die Ueberreuter Digital GmbH ein. Diese wurde später in Stiepan & Partner Druck GmbH unbenannt, und in weiterer Folge ist auch diese in die Ueberreuter Print GmbH eingegangen", heißt es im Antrag weiter. "Im Jahr 2012 entstand am Standort Wien mit 'Die Stadtdrucker 2012 GmbH' eine Digital- und Klein-Offset-Druckerei. Diese ging aus dem Zusammenschluss mehrerer in Wien ansässiger Druckbetriebe hervor."

Das Jahr 2015

Bis Mitte 2015 war die Druckgruppe Ueberreuter in Form von Produktions- und Vertriebsgesellschaften organisiert. "Die Ueberreuter Druckzentrum GmbH erzeugte die industriellen Offset- und Verpackungs-Drucksorten, die von den Vertriebsgesellschaften vertrieben wurden", heißt es weiter. "Die Stadtdrucker 2012 GmbH produzierte und vertrieb die Klein-Offset und Digitaldrucksorten direkt." Im März 2015 wurde die Pleite-Firma gegründet. Mit einem Sacheinlagevertrag wurde in diese der Betrieb der Ueberreuter Druckzentrum GmbH eingebracht.

Weiters erfolgte die Übernahme des Betriebs der Ueberreuter Print GmbH und der Stadtdrucker 2012 GmbH durch die Antragstellerin. Seit August 2015 werden die Anteile an der Ueberreuter Print &, Packaging GmbH durch Beteiligungsgesellschaften von Herrn Maximilian und Herrn Matthäus Salzer jeweils zur Hälfte gehalten. Herr Maximilian und Herr Matthäus Salzer führen die Gesellschaft als geschäftsführende Gesellschafter.

Sanierungsgespräche gescheitert

Zur Aufrechterhaltung des Betriebs musste wiederholt Kapital aus der Gesellschaftersphäre eingebracht werden. "Ab Herbst 2016 prüften die Gesellschafter wesentliche strategische Weichenstellungen, die zu sehr erheblichen Kostenreduktionen geführt und zu einer Sanierung somit wesentlich beigetragen hätten", heißt es im Antrag. "Nachdem diese Gespräche Anfang März 2017 gescheitert sind, wurde seitens der Geschäftsführung die verschiedenen Szenarien fÌir eine weitere Sanierung/ Fortfìihrung der Antragstellerin unter Hinzuziehung von auf Sanierung und Fortfìihrung spezialisierten Beratern geprüft. Diese kamen zu dem eindeutigen Ergebnis, dass ein Sanierungsverfahren notwendig ist, um das Unternehmen zukunftsfühig auszurichten."

Die Schulden

Die Passiva werden mit 6,307 Millionen Euro beziffert, davon entfallen 1,46 Millionen Euro auf Rückstellungen, 1,352 Millionen Euro auf Factoringinstitute, 1,263 Millionen Euro auf Lieferanten, 938.000 Euro auf Leasingfirmen, 846.000 Euro auf verbundene Firmen und 404.000 Euro auf sonstige Verbindlichkeiten.

Das Vermögen

Die Aktiva haben einen Liquidationswert in Höhe von 3,283 Millionen Euro, das freie Vermögen beträgt aber nur 607.000 Euro. Denn: Der Maschinenpark ist in Höhe von 938.000 Euro verpfändet; ebenso der Warenvorrat in Höhe von 385.000 Euro und die offenen Forderungen in Höhe von 1,352 Millionen Euro.

Die Zukunft

"Das Unternehmen strebt den Abschluss eines Sanierungsplans an", heißt es im Antrag. "Der Fortbetrieb und ein Teil der Sanierungsplanquote sollen aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet und finanziert werden. Voraussetzung dafür ist aber die Fortsetzung der bestehenden Factoring-Vereinbarung."

Rund 4,847 Millionen Euro unbesicherte Verbindlichkeiten sollen für die Berechnung des Quotenerfordernisses herangezogen werden. Unterm Strich müssen für 20 Prozent Quote rund 970.000 Euro innerhalb von zwei Jahren aufgebracht werden. Dazu kommen aber noch die Verfahrenskosten.