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Wirtschaft
09/17/2012

Milchbauern fordern fairen Preis

Die Situation der österreichischen Milchbauern sei dramatisch, verkündete die IG Milch am Montag. Täglich schließen zwischen neun und elf Betriebe.

Die rund 35.000 noch aktiven Milchbauern in Österreich brauchen einen "fairen Milchpreis", um die Produktion aufrechterhalten zu können. Das sagte die Obfrau der IG Milch, Erna Feldhofer, am Montag in einer Pressekonferenz. In einem ersten Schritt müssten die europaweiten Lieferquoten zurückgenommen werden, da sich die Nachfrage rückläufig entwickle. Für die Zeit nach dem Auslaufen des EU-Quotensystems im Jahr 2015 fordert die IG Milch "eine Mengensteuerung auf europäischer Ebene in Form einer Monitoring-Stelle".

"Die Situation für die österreichischen Milchbauern ist dramatisch, weil die Erzeugerpreise in den vergangenen Wochen nach unten gegangen sind", so Feldhofer. "Momentan schließen täglich zwischen neun und elf Betriebe in Österreich - die kommen nie mehr zurück."

"Massives Bauernsterben"

2015 werde die europaweite Milchproduktion voraussichtlich um 20 bis 25 Prozent weiter ansteigen. "Da wird noch ein massives Bauernsterben einsetzen", befürchtet Feldhofer mehr Volumen, aber gleichzeitig auch ein Absinken der Milchqualität. Mehr Produktion bei rückläufiger Nachfrage drücke zudem auf die erzielbaren Preise.  In der gewünschten Monitoring-Stelle sollen laut IG Milch Vertreter der Erzeuger, der Verarbeiter, des Handels und auch der Verbraucher mitwirken.

Derzeit liegt der Bauernmilchpreis in Österreich zwischen 30 und 32 Cent pro Kilogramm (ohne Steuern). Ein "fairer Milchpreis" müsste sich in Europa im Schnitt zwischen 38 und 47 Cent bewegen, so Feldhofer. Laut Eurostat stehen in Europa 950.000 Milchbauern etwa 5.400 Molkereien gegenüber.

Infolge der hohen Produktionsmengen ging der an die heimischen Bauern ausgezahlte Milchpreis heuer im ersten Halbjahr gegenüber der Vorjahresperiode um knapp 13 Prozent zurück. Der Preis für konventionelle Milch mit 3,7 Prozent Fettgehalt sank den Daten der Agrarmarkt Austria (AMA) zufolge von 34,4 auf 30,1 Cent/kg (ohne Steuern).

Die heimischen Bauern produzierten hohe Qualität, seien bei den Produktionskosten aber allein wegen der geografischen Bedingungen im alpinen Bereich, gegenüber europäischen Mitbewerbern im Flachland benachteiligt, betonte FP-Agrarsprecher Harald Jannach. Wenn man die Bauern erhalten wolle, brauchte man eine Milchquote.

Angesichts der Kleinstrukturiertheit der Betriebe im alpinen Bereich seien die Bauern in Österreich auch sehr stark den Produzenten (Molkereien) ausgeliefert, kritisierte der freiheitliche EU-Abgeordnete Franz Obermayr. Die FPÖ unterstützt eigenen Angaben zufolge die Forderungen der heimischen Milchbauern bei der für übermorgen, Mittwoch, angekündigten Großdemonstration in Brüssel.

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