Milch als knappes Gut

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Foto: BY-STUDIO - FOTOLIA 45733903/Fotolia/by-studio busse Die Zahl der Kühe wurde reduziert.

Molkereien zahlen Bauern mehr, Handel zieht nicht mit.

Die Molkereien kommen von mehreren Seiten unter Druck. Die Milchbauern bekommen wieder etwas mehr Geld für ihre Milch. Laut Agrarmarkt Austria ist im September der Erzeugermilchpreis um 0,08 Cent pro Kilogramm auf 29,90 Cent gestiegen. Das ist nicht viel, aber immerhin eine Trendumkehr.

Die Konsumenten dagegen haben zuletzt für Milchprodukte weniger bezahlt. Im Lebensmitteleinzelhandel waren Milch und Käse im September um 1,3 Prozent billiger als ein Jahr zuvor.

Das Problem für die Molkereien: Die Ausgaben steigen zwar, aber nicht die Einnahmen. Die wohl weiter steigenden Einkaufspreise müssen ja auch finanziert werden. Die Gewinnspannen der Milchverarbeiter sind ohnehin nicht groß.

Verfügbarkeit

"Wenn die Verfügbarkeit bereit gestellt werden soll, dann müssen die Preise steigen", lautet die Botschaft des Geschäftsführers der Milchgenossenschaft Niederösterreich, Leopold Gruber-Doberer. "Dazu brauchen wir den Handel." Die Milchgenossenschaft NÖ ist 25 Prozent Eigentümer der Molkerei NÖM AG. Bei den Preissenkungen sei der Handel schneller gewesen als bei der Preisanhebung, erinnert sich Gruber-Doberer.

Doch der Handel scheint sich zu zieren – mit einer Ausnahme. Hofer ist angeblich der einzige große Einzelhändler, der den Molkereien nun etwas mehr zahlt. Vom Diskonter kam dazu folgende Antwort. "Hofer zahlt allen Molkereien einen fairen Preis." Eine genaue Summe wolle man nicht nennen.

Weniger Kühe

Auslöser der Preisschwankungen ist die Abschaffung der EU-Milchquoten im Frühjahr 2015. Wegen der im ersten Halbjahr gesunkenen Preise haben viele Bauern die Zahl der Kühe reduziert. Die EU zahlt eine Ausstiegsprämie.

"Milch ist derzeit ein rares Gut", erläutert der Geschäftsführer der NÖM AG, Alfred Berger, die Lage. Laut Agrarmarkt Austria wurden im August insgesamt um etwa 3,6 Prozent weniger Milch von den Bauern an die Molkereien verkauft als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Die Milch-Prognose der Kommission für die gesamte EU ist nicht eindeutig. Zwar soll die Zahl der Kühe in der Europäischen Union im kommenden Jahr um 1,5 Prozent auf 22,8 Millionen Tiere sinken. Doch das bedeutet nicht, dass deshalb auch automatisch weniger Milch angeliefert wird.

Die Agrarmarktexperten der EU gehen zwar davon aus, dass die Milchmenge in den ersten Monaten des kommenden Jahres noch unter dem Niveau der Vergleichsmonate des Jahres 2016 bleiben wird. Die Produktionsmenge fürs gesamte Jahr 2017 steigt laut Vorhersage aber um 0,5 Prozent.

(kurier) Erstellt am
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