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Meinl-Ermittlungen
10/14/2015

Gedächtnislücken zu Meinl: Prinzhorn ging zum Arzt

Der Industrielle nimmt in einem launigen Brief an MEL-Ermittler Stellung: Sein Erinnerungsvermögen sei intakt.

von Andrea Hodoschek

Der Industrielle Thomas Prinzhorn hat nicht nur ein attestiertes intaktes Gedächtnis, sondern auch Sinn für Humor. Den stellte er kürzlich in einem Brief an die Landespolizeidirektion Niederösterreich unter Beweis.

Der ehemalige FPÖ-Nationalratspräsident musste nach St. Pölten zur Zeugeneinvernahme reisen. Die Staatsanwaltschaft, die sich seit acht Jahren bemüht, eine rechtskräftige Anklage gegen Julius Meinl V. zustande zu bringen, wollte von Prinzhorn einiges zum Thema Meinl European Land (MEL) wissen.

Die Vorwürfe:

Die Thomas Prinzhorn Privatstiftung (TPPS) habe 2009 zehn Millionen Zertifikate der MEL zum Kurs von 90 Prozent an die Meinl Bank verkauft, obwohl der tatsächliche Kurs zu diesem Zeitpunkt bedeutend niedriger war. Die Stiftung habe somit einen deutlich besseren Kurs erhalten als die anderen MEL-Anleger, offensichtlich wegen der engen Beziehung zum Stiftungsvorstand Meinl.

Ein ratloser Prinzhorn konnte damit "einfach nichts anfangen". Stimmten die Vorwürfe nicht oder lässt vielleicht schon das Gedächtnis des 72-Jährigen nach?

"Einigermaßen deprimiert über meine Erinnerungslücken" habe er sich fachärztlich untersuchen lassen, "es wurden keine Auffälligkeiten festgestellt", schrieb Prinzhorn nach seiner Einvernahme an die Ermittler, offenbar erleichtert über den Zustand seines Gedächtnisses.

Erst sein Stiftungsvorstand, der sich an einen Medienbericht aus dem Jahr 2009 erinnerte, habe ihm auf die Sprünge helfen können.

Tatsächlich habe die Prinzhorn-Stiftung nie MEL-Aktien besessen, sondern die Hamburger Holding habe am 25. Mai 2007 100.000 Stück zum Kurs von 20 Euro erworben und knapp ein Monat später um 21 verkauft. Die Meinl Bank war in den Deal nicht involviert, die Hamburger hatte dort lediglich das Wertpapier-Depot.

"Anteilnahme" für Ermittler

Der blaue Papier-Industrielle spricht der Staatsanwaltschaft gleich auch sein Mitleid aus: "Wenn die StAWien, die vor drei Jahren die von ihr bei der Hausdurchsuchung Meinl beschlagnahmten Akten zur Einsicht bis heute nicht bekommt, greift man nach solchen Strohhalmen. Dass Sie sich selbst und dem Land damit einen Bärendienst erweisen, sei nur am Rande erwähnt".

Gezeichnet "in Anteilnahme für diesen Zustand" mit besten Grüßen.

Im P.S. tröstet sich Prinzhorn damit, dass er den Aufstieg seiner Firmengruppe dem Rohstoff Altpapier verdanke – die Staatsanwaltschaft leiste einen kleinen Beitrag dazu.

Mit Julius Meinl V. verband Prinzhorn nicht nur die Jagdleidenschaft. Der Banker saß einige Jahre im Vorstand der in Stadl an der Mur ansässigen Prinzhorn-Stiftung. Beide wurden von Jagdfreunden allerdings schon länger nicht mehr auf gemeinsamer Pirsch gesehen.

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