© dpa-Zentralbild_Jens Buettner

Umfrage
12/05/2012

Mehr Österreicher im Sog der Krise

Immer mehr Österreicher spüren die Auswirkungen der Finanzkrise am eigenen Leib.

Immer mehr Menschen in Österreich sehen sich persönlich in den Strudel der Finanz- und Währungskrise gezogen. Der Anteil jener, die sich davon "stark" oder "eher schon" betroffen fühlen, liegt heuer mit 14,5 bzw. 30,6 Prozent bereits um die Hälfte höher als noch 2010 oder 2009. Besonders stark empfinden das Alleinerziehende, Arbeitslose, Wenigverdiener, aber auch die Altersgruppe ab Mitte 30, also jene Menschen, die soeben in der beruflichen Kernphase stehen.

Dies geht aus einer Umfrage des Instituts für Trendanalysen und Krisenforschung (ITK) hervor, die am Mittwoch präsentiert wurde. Eine deutliche Mehrheit der Männer glaubt, dass die Eurozone weiter bestehen und sogar erweitert wird, Frauen dagegen erwarten eher eine neue, kleinere Zone mit ausschließlich Hartwährungs-Mitgliedern.

Gründe für die Krise

In der "Gier der Menschen nach schnellem Profit" erblickt noch immer eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten eine Hauptschuld an der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise, 2009 waren es aber noch mehr als 75 Prozent. Am zweithäufigsten wurde jetzt - von 49 Prozent - "das Versagen der Politik" genannt, etwa gleich oft wie 2010, aber deutlich häufiger als 2009. "Das fehlende Kontrollsystem am Finanzmarkt" machten nun aber nur noch 48 Prozent als Hauptgrund verantwortlich, 2009 waren es noch fast 80 Prozent gewesen. "Egoismus und mangelnde Solidarität" ist jetzt für knapp 25 Prozent schuld, ein "mangelndes Verantwortungsbewusstsein der Banken" aber bereits von 23 Prozent - Mehrfachnennungen möglich.

So lange dauert die Krise noch

Dass die Krise noch "länger als drei Jahre" dauern wird, glauben mittlerweile schon 48 Prozent, 2010 war es erst jeder Vierte (26 Prozent). Mit nur noch "ungefähr einem Jahr" rechnen dagegen lediglich 5 Prozent, vor zwei Jahren waren noch fast 13 Prozent so optimistisch. Dass es mit weiteren "2 bis 3 Jahren Krise" getan ist, glauben nur mehr 30 Prozent, 2010 waren es noch 48 Prozent. Der Anteil der Unentschiedenen ("weiß nicht/keine Angabe") hat sich dagegen von 13 auf fast 17 Prozent erhöht.
 

Wer löst die Krise?

61 Prozent erwarten sich eine Lösung der Finanz- und Währungskrise "von der EU", lediglich 46 Prozent von der österreichischen Regierung, 38 Prozent "von der Wirtschaft/von den Unternehmen" und gar nur 16 Prozent von den Sozialpartnern. Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich; 17 Prozent gaben gar keine oder eine andere Antwort.

Rettungsschirm-Beteiligung

Dass sich Österreich am Euro-Rettungsschirm beteiligt, halten 49 Prozent nicht für richtig und 39 Prozent für richtig; 12 Prozent antworteten mit "weiß nicht". Vor allem Frauen sowie Menschen mittleren Alters (zwischen 30 und 60) sowie Alleinerziehende und Arbeiter lehnen die Rettungsschirm-Beteiligung auffallend stark ab, ferner FPÖ-Parteigänger - aber schon deutlich seltener BZÖ-Sympathisanten; bei ÖVP-Anhängern gibt es kaum mehr Rettungsschirm-Zuspruch als von SPÖ-nahen Personen, die geringste Ablehnung gibt es im Grün-Lager. Nach Einkommensklassen gibt es die stärkste Gegnerschaft unter Geringverdienern, aber auch bei Einkommen von über 5.000 Euro im Monat.

Staatsanleihen-Kauf der EZB

Im übrigen wird auch der Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) von einer deutlichen relativen Mehrheit abgelehnt, wobei - nach Abzug der "Weiß-nicht"-Angaben - eine spürbare absolute Mehrheit bleibt, ähnlich wie bei der Ablehnung der Beteiligung am Rettungsschirm.

Zukunft der Eurozone

Insgesamt glauben 27 Prozent der Befragten, dass die Eurozone weiter bestehen und - wie geplant - um Mitgliedsstaaten der EU erweitert wird. 22 Prozent dagegen meinen, dass eine neu gebildete Eurozone nur jene Länder umfassen wird, die eine stabile Währungspolitik betreiben. Dass die Eurozone auseinanderbrechen und alle Euro-Länder wieder zu ihren früheren Währungen zurückkehren werden, glauben 13 Prozent; weitere 6 Prozent rechnen mit einem Ausscheiden der "südlichen Länder Europas".

Die Zuversicht, trotz Krise den eigenen Lebensstandard halten zu können, ist im Schwinden begriffen. Und generell am schwächsten ist sie, wenn man Menschen zu ihrem erwarteten Lebensstandard in der Pension befragt, etwa Berufstätige.

ITK hat für die Umfrage im Oktober österreichweit 550 Interviews bei 15- bis 72-Jährigen geführt, von denen 55 Prozent weiblich und 45 Prozent männlich sowie 67 Prozent erwerbstätig und 33 Prozent nicht erwerbstätig waren.

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