Wirtschaft 22.01.2012

Mehr Handel mit dem Oman

© Bild: KURIER/Bahrer-Fellner

Ein eigenes "Österreich-Haus" in der Hauptstadt Maskat soll nach der Botschaftsschließung den Außenhandel wieder ankurbeln.

Die Reise ins Morgenland stand für Wolfgang Waldner, Staatssekretär im Außenamt, unter keinem guten Stern. Die budgetbedingte Schließung der österreichischen Botschaft in der omanischen Hauptstadt Maskat im Vorjahr wirbelte im Wüstenstaat gehörig Staub auf. Viele diplomatische und wirtschaftliche Kontakte liegen im heißen Land seither auf Eis. Sehr zum Ärger heimischer Betriebe, die – wie Siemens oder Porr – gerade um lukrative Aufträge buhlen.

In der Wirtschaftskammer von Oman gab es für die Österreich-Delegation in der Vorwoche nur vertrocknete Datteln und jede Menge unangenehmer Fragen. Dass für Österreich-Visa jetzt die spanische Botschaft zuständig ist, stieß auf wenig Verständnis. „Sie müssen verstehen, wir sind Business-Leute“, sagte Wirtschaftskammer-Präsident Khalil Abdullah Al Khonji Waldner offen seine Meinung.

Um das zerschlagene Porzellan wieder zu kleben, einigten sich Außenamt und Wirtschaftskammer (WKO) auf eine typisch österreichische Lösung: Im Juni des Jahres wird in Maskat von der WKO ein eigenes „Österreich-Haus“ bezogen. Dort wird eine kleine Außenhandelsstelle samt Wirtschaftsdelegierten eingerichtet, der aber formal der Botschaft in Riad/Saudi-Arabien angehört. Bisher wurde Oman vom Außenwirtschaftscenter in Abu Dhabi aus betreut.

„Die Schließung hat Enttäuschung hervorgerufen, ich bin froh, dass wir jetzt diese Lösung gefunden haben“, zeigte sich Staatssekretär Waldner erleichtert. Keine Botschaft zwar, aber zumindest wieder rege Wirtschaftsdiplomatie. Eine engere Kooperation zwischen WKO und Außenamt kann sich Waldner auch für andere Länder vorstellen.

Persönliche Präsenz

Säbel als Geschenk: Waldner mit Kammer-Chef Al Khonji
© Bild: KURIER/Staudacher

Im Österreich-Haus gibt es auch Büroräume für heimische Betriebe, die vor Ort präsent sein wollen. „Ohne persönliche Präsenz ist es hier schwer, ins Geschäft zu kommen“, weiß Herbert Bremstaller, Chef des Technologieanbieters Ecotherm. Der Exportkaiser aus Oberösterreich will am Bauboom mitnaschen und sich in Maskat ansiedeln. Das Interesse an solaren Kühlungsanlagen und Warmwasseraufbereitung sei groß, erzählt Bremstaller, der als Top-Referenz unter anderem mit dem Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai punkten kann.

Vom Ausbau der Infrastruktur profitiert auch der Baukonzern Strabag, mit mehr als 2000 Beschäftigten wichtigster Straßen- und Autobahnbauer des Landes. Auch beim Bau des neuen Industriehafens in Duqm kam die Strabag zum Zug. Um eine Bebauung „auf Teufel komm raus“ in dem noch sehr ursprünglichen Wüstenstaat zu verhindern, hat Sultan Qabus eigens Raumplaner aus Wien engagiert. Mit an Bord ist auch das Institut für Raumentwicklung der TU Wien.

Noch sind die Kassen des Sultanats prall mit Petro-Dollars gefüllt, aber noch in dieser Generation dürften die Öl- und Gas-, und damit auch die Geldquellen der herrschenden Klasse versiegen. Diversifizierung der Wirtschaft in Richtung mehr Industriebetriebe sowie Tourismus wird daher forciert. Auch immer mehr österreichische Touristen entdecken Oman als Reiseland.

Bildungsexport: WIFI will Omaner unterrichten

Langzeitregent Sultan Qabus
© Bild: REUTERS

Weniger Arbeitskräfte „importieren“, mehr Einheimische – vor allem Jugendliche – beschäftigen, lautet einer der Schwerpunkte im 5-Jahres-Programm des Sultanats. Mehr als die Hälfte der 3,3 Millionen Einwohner sind jünger als 25 Jahre und sollen mit einer Bildungsoffensive „fit für Leistung“ gemacht werden, wie es heißt. Mit Quotenregelungen zwingt der Staat private Firmen zur Anstellung omanischer Staatsbürger. Obwohl der Ausländeranteil im Land vergleichsweise niedrig ist (20 Prozent), beschäftigt die Privatwirtschaft überwiegend Ausländer, vor allem Inder und Pakistani.

Die „Omanisierung“ der Arbeitswelt stößt aber auf zwei gravierende Probleme: Höhere Gehaltsansprüche der Einheimischen sowie Fachkräftemangel. „Aus- und Weiterbildung ist im gesamten arabischen Raum ein heißes Thema, da wollen wir natürlich dabei sein“, sagt Rudolf Ruzicka, zuständig für den internationalen Know-how-Transfer beim heimischen Wirtschaftsförderungsinstitut WIFI. Ziel ist die Etablierung einer dualen Ausbildung, die Theorie, etwa auf der Uni, mit der Praxis in einem Betrieb verbindet. Auch firmeninterne Trainings sollen angeboten werden.

Die Chancen auf den Bildungsexport stehen gut, denn Österreich hat sich mit ersten Projekten bereits erfolgreich etabliert. So gibt es seit einigen Jahren eine Tourismus-Akademie, die in Kooperation mit der IMC FH Krems erfolgreich Fachkräfte für die örtliche Luxus-Hotellerie ausbildet.

Regime: Sultan herrscht seit 42 Jahren

Milliardär Sultan Qabus regiert seit 1970, sein Vermögen wird auf 1,1 Mrd. Dollar geschätzt. Qabus ist im Volk beliebt, dennoch gibt es wachsenden Unmut gegen sein Regime und Demos für mehr Demokratie. Erste Reformen wurden versprochen.

Österreich Die österreichischen Ausfuhren gingen 2011 von 64 auf 60 Mio. Euro zurück. Oman liegt beim Export an 78. Stelle. Wichtigste Exportgüter sind Maschinen und Fahrzeuge, Nahrungsmittel und Möbel. Die Importe sind mit 5 Mio. Euro gering.

Erstellt am 22.01.2012