© Roland Pittner

Strom
09/27/2016

Massenpleiten von Biogas-Anlagen befürchtet

Hunderte Biogas-Anlagen drohen pleite zu gehen, weil sich die Politik nicht auf Förderpläne einigt.

von Irmgard Kischko

Der Bauer als Energielieferant. 2003 bis 2006 schien das heimischen Landwirten eine lukrative Zukunft. Die Energiewende mit Förderung der Erneuerbaren verlockte sie dazu, in Biogasanlagen zur Stromerzeugung zu investieren. Den Rohstoff – meist Mais – hatten sie ja selbst und der Strom würde ohnehin gebraucht, war die Annahme.

300 Biogasanlagen produzieren in Österreich heute elektrische Energie. Doch von lukrativ sind sie inzwischen weit entfernt. Das Projekt "mit heimischem Rohstoff in Biogasanlagen Strom erzeugen" ist zum Desaster geworden. Hunderte Bauern sitzen auf einem Schuldenberg, können ihre Kredite nicht mehr bedienen und drohen demnächst pleite zu gehen. Der Grund: Der Rohstoff ist viel zu teuer geworden und der Strom zu billig."Wir brauchen eine politische Entscheidung für eine finanzielle Unterstützung und zwar jetzt", sagt Josef Plank, Generalsekretär der Landwirtschaftskammer. Denn viele Bauern hafteten mit Grund und Boden für die Anlagen. Eine Pleite bedrohe die Existenz ganzer Familien. Und die Landwirte müssten rasch entscheiden, wie viel sie von der heurigen Maisernte für die Biogasanlagen verwenden. Doch die Politik ziert sich. Seit dem Frühjahr ist ein Entwurf für eine Novelle des Ökostromgesetzes so gut wie fertig. Demnach sollten technisch veraltete Biogasanlagen eine "Abwrackprämie" erhalten und die moderneren Anlagen eine Anschlussförderung. Zumindest 15 Cent je Kilowattstunde brauchen diese Anlagen – fast das Siebenfache des Marktpreises für Strom.

Bessere Technologie

Trotz des hohen Preises bricht Plank eine Lanze für diese Energiequelle. "Die Anlagen können einen wertvollen Beitrag für die Energiewende leisten", sagt er. Im Gegensatz zu Windkraft oder Sonnenenergie sei die Stromproduktion in Biogasanlagen konstant, also keinen Schwankungen je nach Wetter unterworfen. "Die Anlagen könnten sogar als Speicher für Ökostrom dienen, indem sie Strom in Biogas umwandeln", ergänzt er. Doch dafür müssten die Bauern zusätzlich investieren.

Umstellen müssten sie wohl auch die Rohstoffquelle: statt nur Mais auch andere biogene Pflanzen. In Deutschland etwa ist das sogar gesetzlich vorgeschrieben. Biogasanlagen müssen ihren Mais-Abhängigkeit bis 2022 auf 44 Prozent senken. Ökostrom nur aus Mais sei ein ökologischer Irrtum.

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