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Wirtschaft
12/05/2011

Madoff: "Knast ist wie Uni-Campus"

Der Milliardenbetrüger fühlt sich wohl im Gefängnis. Man behandle ihn dort "wie einen Mafia-Boss", enthüllt ein Brief.

Offenbar gibt es Schlimmeres als im Gefängnis zu landen - zumindest für Milliardenbetrüger Bernard Madoff: Die Anstalt in North Carolina, in dem er seine Haftstrafe absitzt, erinnere ihn eher an einen Universitätscampus, er selbst werde mit ebenso viel Respekt behandelt wie ein "Mafia-Boss". Das schrieb Madoff wenige Wochen nach Antritt seiner 150-jährigen Strafe im Sommer 2009 in einem Brief an seine Schwiegertochter Stephanie Mack, wie der Fernsehsender ABC enthüllte.

"Wie Du Dir denken kannst, bin ich hier ein ziemlicher Promi. (...) Wo immer ich hingehe, ruft man mir Worte der Ermutigung zu - es ist wirklich süß, wie besorgt jeder um mein Wohlbefinden ist, selbst die Wachen", schrieb Madoff damals darin.

Skandalbuch von Mack

Seine Schwiegertochter, deren Mann Mark Madoff im vergangenen Dezember wegen des Skandals Selbstmord begangen hatte, sagte im Gespräch mit ABC, nach dem Brief sei ihr "speiübel" geworden. Ihre traumatischen Erfahrungen mit dem Skandal verarbeitete Stéphanie Mack in einem Buch, das am Donnerstag in die US-Buchläden kam.

Madoff war im Dezember 2008 festgenommen worden, nachdem er über Jahre hinweg mit Hilfe eines komplexen Systems tausende Anleger um geschätzte 65 Mrd. Dollar (aktuell 47 Mrd. Euro) geprellt hatte. Im Juni 2009 wurde er zu 150 Jahren Haft verurteilt. Im Prozess gestand er, die ihm anvertrauten Summen nie angelegt zu haben. Zu seinen Opfern zählen Banken, Privatleute und Wohltätigkeitsorganisationen.