Wirtschaft
05.07.2015

Macbeth im Burgenland

Scharfe Kritik aus der Kulturszene an Esterházy-Chef Ottrubay. Ist der Neffe der Fürstin tatsächlich ein rücksichtloser Machtmensch oder nur ein streng kalkulierender Manager?

Am kommenden Mittwoch wird die Premiere der "Tosca", Puccinis Oper über Liebe und Mord, gefeiert. Was sich wirtschaftlich allerdings hinter dem monumentalen Bühnenbild im Steinbruch von St. Margarethen abspielte, erinnert eher an Shakespeares Macht-Drama "Macbeth". Mit Stephan Ottrubay, Chef des Esterházy-Imperiums, und Gründungsintendant Wolfgang Werner in den Hauptrollen.

Erstmals wird nicht Werner, sondern die neue Intendantin Maren Hofmeister auf Europas größter Naturbühne die wieder zahlreich angetanzte Prominenz hofieren. Werner sollte nach der Insolvenz seiner Firma OFS im Vorjahr weiterhin das Gesicht des monumentalen Open-Air-Spektakels bleiben. Er durfte von Ottrubays Gnaden auf der Payroll der neuen Festspiel-Gesellschaft Arenaria als Prokurist mitspielen. Doch damit ist jetzt auch Schluss.

"Eh klar, dass Werners Anstellung nicht für alle Ewigkeit war. Jetzt beginnt eben eine neue Zeit im Steinbruch", begründet Ottrubays Statthalter Karl Wessely den Rauswurf Werners. Der wiederum fühlt sich als gutgläubiges Opfer einer gezielten Intrige: "Man bedient sich an meinem Produkt, das ich 1996 erfunden und zum Welterfolg gebracht habe."

Sein Anwalt Johannes Hock formuliert schärfer: "Es gibt viele Indizien dafür, dass interveniert wurde, um die Liquidität der OFS zu verschlechtern." Ottrubay selbst habe sogar "maßgeblich zur Insolvenz beigetragen".

Ein schwerer Vorwurf. "Völliger Blödsinn. Wenn wir die Insolvenz beabsichtigt hätten, wären wir ja völlig verrückt gewesen, eine Million Euro für die fertige "Aida"-Produktion zu zahlen", kontert Wessely.

Bereits im April 2014 hätte sich Ottrubay "einen Plan zurechtgelegt, die Opernfestspiele selbst zu übernehmen, der schlussendlich zum Konkurs der Opernfestspiele führte", argumentiert Hock. Ottrubay ließ schon zu Jahresbeginn den Pachtvertrag zwischen dem Steinbruch und Werners Firma kündigen. "Zu Unrecht", meint Werner. "Völlig zu Recht", sagt Wessely.

Unmittelbar nachdem die Esterházy Betriebe GmbH, die Eigentümerin des Steinbruchs, die Kündigung öffentlich bekannt gab, fuhr die finanzierende Raiffeisenbank den Kreditrahmen hinunter. Es gebe starke Indizien dafür, dass Ottrubay dies bei der Bank veranlasst habe, sagt Hock.

Als die großen Zahlungen fällig wurden, bekam die OFS tatsächlich ein Liquiditätsproblem. Es fehlten 1,1 Millionen Euro. Während Werner auf Anraten Ottrubays eine Woche vor der Premiere die Insolvenz (Überschuldung rund vier Millionen Euro) anmeldete, fuhr Wessely "mit Geld im Plastiksackerl zum Orchester und zahlte aus". Um auch die 200 Komparsen bei Laune zu halten und die Produktion zu retten, rückte Wessely ein zweites Mal mit Plastiksackerln aus.

Auffallend: Bereits bevor die Troubles begannen, gründete die Esterházy Betriebe GmbH die Arenaria.

Werner habe leider den wirtschaftlichen Überblick nicht gehabt, meint Wessely. Werner kontert: "Wie konnte ich dann die Festspiele so viele Jahre erfolgreich führen?"

1996 startete Werner nach nur einer Probe mit "Nabucco" und verkaufte 10.000 Karten. Am Höhepunkt kamen 190.000 Besucher nach St. Margarethen. Zehn Prozent der Nettoerlöse wurden an Pacht abgeliefert, in Summe mehr als fünf Millionen Euro. Dafür investierte die Esterházy Betriebe GmbH, die einer Stiftung der Witwe des verstorbenen Fürsten gehört, 10,2 Millionen Euro in die Infrastruktur der Opern-Arena. Vom Land flossen übrigens all die Jahre für das Opernspektakel nie Subventionen.

In den vergangenen Jahren waren die Besucherzahlen allerdings rückläufig. Hatte mit der schwachen wirtschaftlichen Konjunktur zu tun, meint Werner. Ottrubay habe das genutzt, um sich auch künstlerisch einzumischen. "Die Zuschauer kannten ja schon alles irgendwie. Wir sorgten uns und mussten doch neue Impulse setzen", hält Wessely dagegen.

Werner gründete kürzlich die Wolfgang Werner Entertainment GmbH und stellt zwei neue Musiktheater-Projekte auf.

"Ottrubay ist ein rücksichtsloser Machtmensch und will alles im Land, das kulturell erfolgreich ist, unter seine Kontrolle bringen", wird dem streitbaren, ÖVP-nahen Neffen der verstorbenen Fürstin Melinda Esterházy im rot dominierten Burgenland nachgesagt. Oder ist Ottrubay nur ein Manager, der ganz einfach streng auf die Finanzen schaut?

Zweck der Esterházy-Stiftungen ist es jedenfalls, mit den Erträgen der Unternehmen (hauptsächlich Land- und Forstwirtschaft sowie Immobilien, 43 Millionen Euro Umsatz) die Kultur im Land zu fördern. Wer die Stiftungen beherrscht, ist ein einflussreicher Mann im Burgenland.

Mittlerweile fürchten sich auch die international renommiertenHaydn-Festspielevor einer Übernahme. Träger sind das Land und die Stadt Eisenstadt. Eingemietet im Schloss Esterházy (Bild), ziehen die Haydn-Tage im Jahr rund 20.000 Besucher an. Das Problem: Der Mietvertrag wurde nur bis 2017 verlängert. Zu kurz, um mit Top-Künstlern planen zu können. Dafür hat die Ruster Blasmusik einen Vertrag bekommen.

Hinter den Kulissen wird schon länger heftig gestritten. Derzeit zahlen die Haydn-Festspiele für das elftägige Hochamt auf den burgenländischen Komponisten sowie weitere zehn Veranstaltungstage und die Büromiete rund 125.000 Euro im Jahr. Ottrubay soll 25.000 Euro pro Tag gefordert haben. Womit das Festival unfinanzierbar würde.

Die Haydn-Tage wurden dann auch noch in den burgenländischen Wahlkampf gezogen und Ottrubay richtete der Festival-Leitung per ganzseitigem Krone-Inserat unfreundlich aus, wie er sich die künftige künstlerische Ausrichtung vorstelle.

Wessely kann die Aufregung nicht verstehen. Man wolle ja nur, dass die früher so erfolgreichen Opernformate wieder aufgeführt werden, den Aufbau eines starken Orchesters mit künstlerischer Heimat in Eisenstadt und eine Verjüngung des Publikums.

"Das hören wir seit 2012, es werden ständig neue Forderungen gestellt, anstatt einen Vertrag zu unterschreiben, der uns langfristiges Arbeiten und Planen ermöglicht", kontert Walter Reicher, dessen Vertrag als Intendant vor wenigen Tagen bis 2020 verlängert wurde.

Einen Etappensieg hat Ottrubay vergangene Woche vor dem Obersten Gerichtshof gegen das Land errungen. Das Schloss in Eisenstadt war 40 Jahre lang an das Land vermietet, das sich zum Erhalt verpflichtete. Das Land ging mit dem Barock-Juwel offenbar wenig pfleglich um, die Stiftung fordert elf Millionen Euro Schadenersatz. Die unteren Instanzen schmetterten die Klage ab, das Höchstgericht verwies den Fall nun zurück ans Bezirksgericht.

Obendrein streitet Ottrubay noch mit Paul-Anton Esterházy, dem Großneffen des Fürsten, vor Gericht. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, da geht es um den Einfluss auf die Stiftungen.