Wirtschaft
14.12.2017

Niki: Lufthansa zieht Angebot zurück - Betrieb wird eingestellt

Regierung holt gestrandete Niki-Passagiere bei Flugausfällen zurück. Berlin sieht Aus für Niki.

Nach der gescheiterten Übernahme durch die Lufthansa ist die österreichische Fluggesellschaft Niki pleite. Der Mutterkonzern Air Berlin bestätigte am Mittwochabend, dass ein Insolvenzantrag für die österreichische Tochter gestellt worden sei. Auch ein anderer Käufer sei kurzfristig nicht gefunden werden. Der Flugbetrieb von Niki werde eingestellt.

Zuvor hatte bereits eine Sprecherin der Berliner-Justiz zu Reuters gesagt, beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg sei ein Eigenantrag auf die Eröffnung eines Insolvenzantrags für Niki eingegangen sei. Das Gericht prüfe dies nun.

Nachdem die deutsche AUA-Mutter Lufthansa ihr Angebot zur Übernahme der Air-Berlin-Tochter zurückgezogen hat, verlieren laut Niki-Chef Lackmann nun 1.000 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze. Grund des Rückzugs von Lufthansa sei die ablehnende Haltung der EU-Kommission gegen eine Übernahme der österreichischen Airline aus wettbewerbsrechtlichen Gründen, teitle die deutsche Fluglinie am Mittwoch mit.

Rückflug notfalls auf Staatskosten

In Wien wurden deshalb kurzerhand mehrere Krisensitzungen zur Zukunft von Niki zusammengetrommelt. Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ), Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) und Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) einigten sich darauf, dass wenn Niki-Passagiere zurückgeholt werden müssen, "die Regierung dies bei der AUA, oder auch bei anderen Fluggesellschaften, in Auftrag geben würde", hieß es vom Verkehrsressort. Der Bund würde vorfinanzieren. "Wie man sich schadlos hält, muss im Detail noch geklärt werden." Es sei jedenfalls ein Signal ausgesandt, "wenn Leute im Ausland gestrandet sind, dass sie nach Hause kommen."

In der Gewerkschaft ist man alarmiert: "Es muss um jeden Preis ein Grounding verhindert werden." Das sagte Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft vida, am Nachmittag zur APA.

Garantien Österreichs?

Angesichts der Gefahr für rund 1.000 Jobs müsse es rasche Lösungen geben, die Flugzeuge in der Luft zu halten. Der Gewerkschafter hält im Ernstfall Garantien des österreichischen Staates für vorstellbar. Er sieht auch die ehemalige Air-Berlin-Eignerin Etihad noch in der Pflicht.

Lufthansa hatte gegenüber der EU-Kommission zuletzt zahlreiche Zugeständnisse gemacht, vor allem einen Verzicht auf bestimmte Start- und Landerechte. Zu wenig für die EU-Kommission. Diese habe "klar signalisiert", dass eine Übernahme und Integration von Niki in die Lufthansa-Tochter Eurowings "aktuell nicht genehmigungsfähig ist. Auf Basis dieser Einschätzung wird eine Übernahme von Niki durch Eurowings nicht weiterverfolgt", schrieb die Lufthansa in einer Aussendung.

Deutsche Regierung sieht Aus für Niki

Die deutsche Bundesregierung rechnet damit mit der Insolvenz und Einstellung des Flugbetriebs bei Niki. "Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz allerlei öffentlicher Ankündigungen und intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch.

Tausende Passagiere betroffen

Es könnten bis Weihnachten rund 10.000 Passagiere von der Insolvenz betroffen sein. Das sagte Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) im Ö1-Frühjournal am Donnerstag. Es gebe "Schätzungen, dass es in den nächsten zwei Wochen fast an die 10.000 sein können". Diese Zahl müsse allerdings noch verifiziert werden.

"Das wichtigste ist jetzt einmal, dass diese Passagierinnen und Passagiere, wo's nicht anders geht, auch nach Hause geholt werden", so Leichtfried. Es habe schon mehrere Gespräche auf Regierungsebene gegeben. "Ich bin der Meinung, das muss geschehen und ist insbesonders jetzt knapp vor Weihnachten natürlich unbedingt notwendig." Es werde mit der AUA gesprochen, "inwieweit das möglich ist". Die Umstände müssten noch geklärt werden.

Was ist mit Niki Lauda?

Niki Lauda stünde bereit, die einst von ihm gegründete Airline Niki zu übernehmen; allerdings jetzt aus einer Insolvenzmasse heraus. Das hat Lauda am Mittwochabend gegenüber der APA erklärt. Er sei auf jeden Fall interessiert. Ursprünglich hatte es mehrere Interessenten gegeben. Einer davon war Gründer und Namensgeber Lauda. Er hatte gemeinsam mit Thomas Cook und der Ferienfluggesellschaft Condor ebenfalls ein Angebot abgegeben. Möglicherweise wendet sich jetzt das Blatt nun zu seinen Gunsten. Mein Angebot zusammen mit Thomas Cook gilt nach wie vor", sagte Lauda dem Handelsblatt erst Ende November, als bereits über einen Rückzug der Lufthansa spekuliert worden war.

Die Lufthansa hatte im Oktober von der insolventen Air Berlin die Töchter Niki und LGW Walter für rund 210 Millionen Euro übernommen. Die Brüsseler Behörde musste dem noch zustimmen. Mit der nunmehrigen Entscheidung kam Lufthansa der EU-Kommission zuvor. Nach den Plänen der Lufthansa sollte Niki in die Billigtochter Eurowings eingegliedert werden. Die derzeit 21 Flieger sind derzeit vor allem zu touristischen Zielen unterwegs. Allerdings nicht mehr primär von Wien, sondern von deutschen Metropolen aus.

Steigende Ticketpreise

Grund für den Widerstand seitens der Wettbewerbshüter waren vor allem die steigenden Ticketpreise. Zuletzt war - innerhalb Deutschlands - ein Anstieg von bis zu 20 Prozent verzeichnet worden. Auf einzelnen Strecken, wo die Lufthansa nach der Insolvenz von Air Berlin das Monopol hat, sind es 300 Prozent. Wäre Niki auch noch dem Lufthansa-Konzern zugeschlagen worden dann, so die Befürchtung auch in der österreichischen Wettbewerbsbhörde, wäre es dauerhaft zu solch hohen Ticketpreisen gekommen.

Die Website flyniki.com ist zwar derzeit noch aktiv, es können aber keine Flüge gebucht werden.