Air-Berlin-Übernahme: Auch Niki geht an Lufthansa

THEMENBILD: FLUGGESELLSCHAFT "NIKI"
Foto: APA/ROBERT JAEGER Die Lufthansa übernimmt Niki.

Die deutsche Airline übernimmt nicht nur große Teile Air Berlins, sondern auch Niki.

Zwei Monate nach der Pleite ist die Übernahme eines großen Teils der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa unter Dach und Fach. Damit gehen voraussichtlich bis Jahresende 81 der zuletzt gut 130 Flugzeuge der Air-Berlin-Flotte an Eurowings, darunter auch die österreichische Tochter Niki und der Regionalflieger LGW, die beide nicht insolvent sind. Die Lufthansa zahlt für die Übernahme voraussichtlich etwa 210 Mio. Euro. Der Preis könne aber noch angepasst werden, wenn der Kaufvertrag vollzogen wird.

Eurowings, die Billigflugtochter des deutschen Marktführers Lufthansa, soll damit auch die 38 Maschinen, die Lufthansa bereits inklusive Besatzungen von Air Berlin gemietet hat, übernehmen. Air Berlin hatte zudem mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8.000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Meilenstein in der Geschichte

Der ehemalige Formel-1-Weltmeister und Pilot Niki Lauda hatte den Ferienflieger "flyniki" 2003 gegründet, 2004 beteiligte sich die Air Berlin. 2011 stieg Lauda komplett aus der Airline aus. Nach der Air Berlin-Insolvenz bot Lauda mit einem Konsortium für eine Rückübernahme von Niki. Die Exklusiv-Verhandlungen der Gläubiger mit der Lufthansa kommentierte er enttäuscht und warnte vor einer zu großen Dominanz der deutschen Airline.

Lufthansa's chief executive Carsten Spohr Foto: REUTERS/STRINGER Lufthansa-Chef Carsten Spohr Man werde einen echten Meilenstein in der Geschichte von Lufthansa und Berlin sehen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin. "Heute in wenigen Stunden mit der Unterschrift wird die Lufthansa-Gruppe endgültig wieder zum Heimatcarrier für Berlin." Schließlich sei die Kranich-Airline 1926 in Berlin gegründet worden. Um 12.00 Uhr sei ein Notartermin vereinbart.

Spohr setzt darauf, dass es bis Ende des Jahres grünes Licht von der EU-Kommission für die kartellrechtliche Prüfung gibt.

Langstreckenflüge ab 15. Oktober eingestellt

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, "um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle verbliebenen Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich". Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit.

Aktien klettern nach oben

Der Deal zwischen der Lufthansa und Air Berlin lässt auch Anleger jubeln. Die Aktien der Lufthansa kletterten am Donnerstag um 3,2 Prozent auf 25,34 Euro, das war der höchste Stand seit Anfang 2001. Die Papiere der insolventen Air Berlin schossen um fast die Hälfte auf 23 Cent in die Höhe.

Analysten der Investmentbank Bernstein stuften die Titel der größten deutschen Fluggesellschaft auf "outperform" von "market-perform" nach oben und hoben das Kursziel von 22 auf 30 Euro an. Auch die Experten der Bank HSBC legten ein neues Kursziel von 29 Euro nach zuvor 25 Euro fest und bestätigten ihr "buy"-Rating.

Österreich Airlines unter Lufthansa-Flügeln Foto: APA

Überprüfung

Experten sehen kartellrechtliche Probleme

Bei der geplanten Übernahme großer Teile der Air Berlin kommen auf die Lufthansa neue kartellrechtliche Probleme zu. Insbesondere die Ankündigung des Lufthansa-Chefs Carsten Spohr vom Donnerstag, auf bestimmten Strecken eine konzerninterne Konkurrenz zwischen Lufthansa und Eurowings zu organisieren, trifft auf Skepsis.

"Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen", sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons & Simmons am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung der EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse und diese dann an Konkurrenten verteilt würden.

Durchaus nachteilig für die Lufthansa könnte sich ein Abwinken des zweiten Bieters Easyjet auswirken. "Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein", sagte Wissel. Auch Anwalt Gramsch sieht zusätzliche Probleme, weil die EU-Kommission letztlich immer den Gesamtmarkt im Blick haben müsse. "Das Wegfallen eines weiteren Bieters ist schlecht für die Marktstruktur." Er rechne mit einem halben Jahr Verfahrensdauer.

(apa, dpa-afx, reuters / best) Erstellt am
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