Lufthansa-Schalter: Aktien der AUA-Mutter verzeichneten einen Verlust.

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Deutschland
08/25/2014

Lufthansa-Piloten bekräftigen Streikbereitschaft

Zeitraum des Ausstands noch unklar. Man wolle es der Lufthansa nicht zu leicht machen, Ausfälle zu ersetzen.

Die Lufthansa-Piloten haben ihre Streikbereitschaft bekräftigt. Wann und wie lange die Flugkapitäne in den Ausstand treten werden, war am Montag aber zunächst weiter unklar. "Es geht um die Abwägung von Passagierinteressen und der Effizienz eines Streiks", sagte ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit auf Anfrage.

Man wolle es der AUA-Mutter Lufthansa nicht zu leicht machen, Ausfälle zu ersetzen. Cockpit hatte am Freitag einen Ausstand angekündigt, mit dessen Beginn "ab sofort" gerechnet werden müsse. Hintergrund der Streiks ist ein Streit über die Übergangspension für die Piloten. Deshalb hatte es bereits im April massive Flugausfälle gegeben.

Lufthansa sucht Kompromiss

Unterdessen bekräftigte die Lufthansa ihre Gesprächsbereitschaft. "Wir sind konsensbereit und suchen einen Kompromiss", sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens Montagmittag. Noch am Nachmittag sollte ein Schreiben an die Gewerkschaft gehen, um die Verhandlungen fortzusetzen. Die Gespräche hätten in einer konstruktiven Atmosphäre stattgefunden. Lufthansa verstehe nicht, warum Cockpit diese am Freitag für gescheitert erklärt und einen Ausstand angekündigt habe.

Gesetzliche Lösung gefordert

Angesichts möglicher Streiks bei der Lufthansa und der Deutschen Bahn werden die Forderungen nach einer gesetzlichen Lösung lauter. "Wir brauchen die gesetzlich garantierte Tarifeinheit, um den Missbrauch der Tarifautonomie zur Durchsetzung von Einzelinteressen zu verhindern", sagte der Hauptgeschäftsführer des Chemiearbeitgeberverbandes BAVC, Klaus-Peter Stiller.

Werde die Tarifeinheit nicht gesetzlich festgeschrieben, drohe "ein Verlust von Solidarität, Wettbewerbsfähigkeit und positiver sozialpartnerschaftlicher Gestaltungsmacht", so Stiller zum Handelsblatt (Montag).

"Ein Betrieb - ein Tarifvertrag"

Die deutsche Regierung will die Tarifeinheit neu regeln. Mit dem verfassungsrechtlich heiklen Vorhaben soll die zersplitterte Tariflandschaft wieder geeint und dem Grundsatz "Ein Betrieb - ein Tarifvertrag" wieder Geltung verschafft werden. Das ist rechtlich heikel, denn eine solche Regelung kollidiert mit dem Grundrecht der Koalitionsfreiheit, auf das Spartengewerkschaften wie die Pilotenvereinigung Cockpit oder die deutsche Lokführergewerkschaft GDL pochen.

Der Bonner Arbeitsrechtler Gregor Thüsing rät zu einer speziellen Regelung für Arbeitskämpfe in wichtigen Bereichen wie dem Verkehrs-oder Gesundheitssektor. So könnte solchen Streiks ein obligatorisches Schlichtungsverfahren vorgeschaltet werden. Zudem würde die Pflicht, Streiktermine anzukündigen, es der Deutschen Bahn oder Lufthansa erleichtern, Ersatz zu organisieren oder Kunden zu warnen. "Eine solche Regelung würde die meisten Probleme effektiv lösen und zugleich einen deutlich geringeren Eingriff in das bestehende System darstellen als eine generelle Regelung der Tarifeinheit", sagte Thüsing dem Handelsblatt.

DB-Vorstand: Gewerkschaft will Krawall

Indes macht im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn die Konzernführung der Lokführergewerkschaft GDL schwere Vorwürfe. "Die Totalverweigerung der GDL ist entlarvend: Sie will offenbar auf Teufel komm raus Krawall", sagte Personalvorstand Ulrich Weber der Bild-Zeitung (Montag). Er bezog sich auf die Entscheidung der Gewerkschaft, einen neuen Bahn-Vorschlag zu Regeln in Tarifverhandlungen abzulehnen.

Hintergrund ist die Konkurrenz zwischen der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie hatten lange Zeit jeweils unterschiedliche Teile der Arbeitnehmerschaft vertreten. Grundlage dafür war eine Vereinbarung, die vor einigen Wochen auslief. Nun wollen beide Gewerkschaften für praktisch alle Mitarbeiter verhandeln. Am Wochenende hatte die Bahn erneut einen Vorschlag unterbreitet, wie die Tarifverhandlungen künftig laufen könnten. GDL-Chef Claus Weselsky wies diesen aber als inhaltlich nicht neu zurück.

"Statt Drohungen ist Verantwortungsbewusstsein gefragt"

Weber warf der Gewerkschaft vor, sie stelle den Machtkampf über die Interessen der Arbeitnehmer. "Statt Drohungen zulasten von Kunden, Mitarbeitern und Unternehmen ist Verantwortungsbewusstsein gefragt", sagte er. Die Bahn sei weiterhin zu Verhandlungen bereit.

Weselsky hatte der Deutschen Bahn vorgeworfen, eine Tarifeinheit durchsetzen zu wollen. "Die GDL soll klein beigeben, das wird aber nicht geschehen", sagte er dem Tagesspiegel. Eine Bahn-Sprecherin wies Weselskys Darstellung zurück. Die jüngsten Vorschläge "sind das Gegenteil von Tarifeinheit, unser Vorstoß stärkt sogar die GDL, denn sie hätte überall mitzureden", erklärte sie.

Die deutsche Lokführergewerkschaft hat in dem Tarifkonflikt bereits mit Streiks gedroht. Auch die EVG erklärte, für ihre Tarifforderungen notfalls streiken zu wollen.

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