Wirtschaft
13.11.2017

Lufthansa: 1.000 neue innerdeutsche Flüge pro Monat

Damit soll der Kapazitätsengpass durch den Wegfall der Air-Berlin-Flüge behoben werden. Noch fehlt aber grünes Licht aus Brüssel.

Der Chef der AUA-Mutter Lufthansa, Carsten Spohr, hat 1.000 weitere innerdeutsche Flüge angekündigt. Damit soll der Kapazitätsengpass behoben werden, der durch den Wegfall der Flüge der insolventen Air Berlin entstanden war und zu hohen Ticketpreisen auf gefragten Strecken wie Berlin-München oder Berlin-Köln geführt hatte.

"Sobald wir grünes Licht aus Brüssel haben, wollen wir pro Monat allein bei Eurowings 1.000 innerdeutsche Flüge dazunehmen", sagte Spohr der Bild-Zeitung (Montagsausgabe): "Ich kann versprechen, dass mit neuen innerdeutschen Flügen wieder stabile Preise kommen. Wir als Lufthansa wollen ja nicht die deutschen Verbraucher gegen uns aufbringen."

60.000 Sitze pro Tag fehlen

Lufthansa will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Mio. Euro einen beträchtlichen Teil des Air-Berlin-Flugbetriebs mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Wettbewerbshüter müssen dafür grünes Licht geben. Die Kommission hat nach der Anmeldung des Deals vor knapp zwei Wochen 25 Arbeitstage Zeit, das Geschäft abzuklopfen. Haben die Wettbewerbshüter Bedenken, können sie vertieft prüfen. Dann wären es noch einmal 90 Arbeitstage. Bis zum Abschluss liegt das Geschäft auf Eis.

Spohr wies darauf hin, dass derzeit jeden Tag 60.000 Sitze fehlten. "Das kann keine Airline der Welt ausgleichen". Lufthansa tue, was sie könne, um gegenzusteuern. So werde zum Beispiel auf der Strecke Berlin-Frankfurt ein Jumbo eingesetzt. "Das rechnet sich betriebswirtschaftlich überhaupt nicht, weil es ein großes, teures Flugzeug ist. Aber es zeigt, dass wir helfen wollen", sagte der Lufthansa-Chef.

Bis zu 500 Mio. Euro in Alitalia

Die Lufthansa will zudem bis zu 250 Mio. Euro in die krisengeschüttelte Alitalia stecken. Der Betrag könnte aufgrund von Vereinbarungen mit der italienischen Regierung sogar verdoppelt werden, berichtete die römische Tageszeitung Il Messaggero (Montagsausgabe).

Laut einem Plan, an dem die Chefetage der AUA-Mutter arbeitet, sollen bei der Alitalia 2.000 Jobs wegfallen, vor allem im administrativen Bereich. Die neue Airline soll nicht mehr als 6.000 Mitarbeiter zählen, circa 5.000 weniger als heute. Die Flotte soll aus 90 bzw. 100 Maschinen bestehen. Die Lufthansa will vor allem die Wartungssparte verwerten.

Das Angebot Lufthansas sei laut den drei Sonderkommissaren, die von der italienischen Regierung mit dem Verkauf der Airline beauftragt wurden, bisher das glaubwürdigste, das für die Airline eingetroffen ist. Aber auch der US-Fonds Cerberus arbeitet an einem Plan zur kompletten Übernahme der Alitalia. Das Offert des US-Investors wurde allerdings nicht im Rahmen des Wettbewerbs vorgestellt, den die Sonderverwalter der italienischen Airline ausgeschrieben haben. Laut Medienberichten ist Cerberus bereit, zwischen 100 und 400 Mio. Euro für die Alitalia auszugeben.

Alitalia gilt als nicht sanierbar

Sieben verbindliche Angebote sind nach Ablauf der Frist für die Einreichung der Angebote für die Übernahme der Alitalia am 16. Oktober eingetroffen. Diese werden jetzt von drei Sonderverwaltern geprüft, die die italienische Regierung bei der Krisen-Airline eingesetzt hat.

Die italienische Regierung bemüht sich, Alitalia als Ganzes zu verkaufen und nicht den Flugbetrieb von den Bodendiensten zu trennen. Allerdings scheint fraglich, ob es überhaupt jemanden gibt, der Alitalia als Ganzes übernehmen würde - die Fluggesellschaft gilt als nicht sanierbar. Der Billigflieger Ryanair hatte Ende September sein Interesse zurückgezogen.