Gähnende Leere auf den Bahnsteigen (hier Berlin-Hauptbahnhof) herrschte während des Streiks in vielen Städten.

© APA/EPA/PAUL ZINKEN

Bahnstreik
11/07/2014

Lokführer beenden ihren Streik schon am Samstag

Momentanes Einlenken: GDL-Chef Weselky gewinnt vor Gericht und gibt sich großzügig zu den Bahnkunden.

von Reinhard Frauscher

Eine Geste der Versöhnung", nannte Claus Weselsky, der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, seinen Ankündigung, den ursprünglich bis Montagfrüh geplanten Streik schon am Samstag um 18 Uhr enden zu lassen. Damit bleiben den Bahnfahrern zumindest weitere 34 Stunden Zugausfälle und Verspätungen erspart. Der Streik der 20.000 GDL-Lokführer hatte am Mittwochnachmittag begonnen und sollte der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn werden.

Weselsky reagierte damit auf die Entscheidung des Arbeitsgerichtes Frankfurt, das der GDL am Freitag recht gegeben hatte: Der Streik sei legal und verhältnismäßig, entschieden die Richter in zweiter und letzter Instanz. Die DB hatte mit dem Argument der Unverhältnismäßigkeit geklagt, sich aber angesichts der Arbeitnehmer-freundlichen Gesetzeslage und Gerichtspraxis wenig Hoffnung gemacht.

Der Gerichtsentscheid ist ein Triumph für Weselsky, der inzwischen zum Buhmann der Nation wurde. Seine Forderung von insgesamt 15 Prozent Lohnerhöhung, vor allem aber nach Ausdehnung seiner Vertretungsbefugnis auf die überwiegend in einer anderen Gewerkschaft organisierten Zugbegleiter kostet die GDL viel Sympathie. In einer ARD-Umfrage hatten 51 Prozent der Deutschen kein Verständnis mehr für den Streik. Im Monat zuvor waren das nur 41 Prozent gewesen.

Streik abgeschwächt

Am Freitag zeigte sich aber auch, dass der Streik selbst nicht mehr ganz so wirkungsvoll verläuft wie von Weselsky erhofft. Offenbar versagen ihm immer mehr GDL-Mitglieder die Gefolgschaft und arbeiten wieder. Zahlen dazu gibt es keine, weil die DB nicht weiß, welche Lokführer in der GDL sind. Auch deshalb gelang es der DB, bis zu 40 Prozent der Züge fahrplanmäßig zu führen. Vor allem die grenzüberschreitenden Fernzüge im Westen sind weitgehend ungestört. Im Osten, der Heimat Weselskys, wo mehr Lokführer in der GDL sind, fuhren die meisten Fern- und Regionalzüge aber nicht. Die DB und Reisende berichteten, dass viele Züge noch freie Plätze haben, weil mehr Reisende als erwartet andere Verkehrsmittel nutzen.

Heftige Angriffe auf Weselsky kommen inzwischen auch von seinem Vorgänger und den anderen Gewerkschaften, die ihn zu einem rücksichtlosen Egomanen erklären, der den Arbeitnehmern mehr schadet als nutzt.

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