Wirtschaft
27.12.2011

Löscher: Realwirtschaft robuster als Finanzwelt

Die Realwirtschaft steht für den Siemens-Chef besser da, als mancher glaubt. Das kann sich aber schlagartig ändern, so der Österreicher.

Die Realwirtschaft schlägt sich nach Einschätzung von Siemens-Chef Peter Löscher auch in der Staatsschuldenkrise wacker. "Die Realwirtschaft steht robuster da, als die Schlagzeilen aus der Finanzwelt es glauben machen", sagte Löscher dem Tagesspiegel von Dienstag. Zwar müsse man Mahnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einer neuen Bankenkrise ernst nehmen. "Allerdings ist die Realwirtschaft heute noch in einem wesentlich robusteren Zustand."

Löscher warnte jedoch vor negativen Folgen der Turbulenzen an den Finanzmärkten auf die übrigen Unternehmen. "Ich sage ganz bewusst 'noch'. Denn es gibt keine Parallelwelten. Finanzsektor und Realwirtschaft stehen in engem Zusammenhang. Eine deutliche Abkühlung der Konjunktur ist spürbar", erläuterte der gebürtige Österreicher. "Eine Gefahr besteht offenkundig, nämlich eine Kreditklemme." Sie würde den Industriekonzern Siemens angesichts seiner Banklizenz zwar nicht so sehr direkt betreffen, wäre aber nach Löschers Worten fatal vor allem für kleinere Unternehmen unter den Siemens-Kunden.

Siemens

Angesichts der Konjunkturflaute hatte das Geschäft bei Siemens zuletzt an Schwung verloren. Vor allem die öffentliche Hand hielt sich mit Aufträgen zurück. Gleichwohl sieht Löscher den Konzern mit einem Rekordauftragsbestand von 96 Mrd. Euro und seiner weltweit breiten Aufstellung gut gewappnet.

Der Vorstandschef bekräftigte das Ziel, den Umsatz mittelfristig auf 100 Mrd. Euro zu steigern. In dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 hatten die Erlöse des fortgeführten Geschäfts um sieben Prozent auf 73,5 Mrd. Euro zugelegt. Für das laufende Geschäftsjahr hat Siemens ein Plus von drei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt.