Wirtschaft
13.12.2011

Lieber ein Auto kaufen als sparen

Heuer haben die Österreicher mehr als 350.000 neue Autos bestellt, so viel wie nie zuvor. Hauptprofiteur ist Volkswagen.

Die Schuldenkrise in Europa verunsichert die Menschen, sie fürchten um ihre ohnehin niedrig verzinsten Sparguthaben. „Viel mehr Leute als früher entscheiden sich Geld lieber auszugeben, etwa für Autos“, bestätigt die Erste Bank. „Ich rechne mit 354.000 Pkw-Neuzulassungen“, sagt Wolf-Dieter Hellmaier, Vorstandschef der Porsche Holding, Europas größtem Autohändler. Wie gestern berichtet, wurden bis Ende November bereits knapp 333.000 Stück abgesetzt. Im gesamten Vorjahr waren es 328.000, ebenfalls ein Rekord.

Neben niedrigen Sparzinsen nennt Hellmaier auch das sehr gute Investitions- und Konsumklima im ersten Halbjahr, die hohen Treibstoffpreise, die zum Umstieg auf verbrauchsärmere Fahrzeuge locken, und enorm hohe Rabatte als Grund für den Boom.

„Das Gros der Geschäfte spielt sich im Klein- und Kompaktwagenbereich ab“, sagt Hellmaier. Ihr Anteil am Gesamtmarkt von 80 Prozent ist nur leicht sinkend, jener sportlicher Geländewagen (SUV) legt weiter zu.

Verzerrt wird das Bild durch die Kurzzulassungen (bis zu 90 Tage). Deren Anteil am Kuchen beträgt bereits 22 Prozent, vor zehn Jahren waren es erst zehn Prozent. Diesen Trick zur Aufpolierung der Verkaufszahlen nutzen besonders gerne Hyundai, Ford, Citroën und Renault. Bei sieben Prozent dieser taktischen Zulassungen wird kein Kilometer in Österreich gefahren, sie werden direkt ins Ausland geliefert.

Top-10

Bei VW entfallen nur 0,9 Prozent aller Verkäufe in Österreich auf Tageszulassungen. Die Nummer eins VW kommt auf 17,8 Prozent Marktanteil. Die anderen Marken: Skoda erreicht 5,8, Audi 5,6 und Seat 4,6 Prozent. Alle vier rangieren unter den Top 10. Bis November steigerten sie ihren Anteil am Pkw-Neuwagenmarkt von 32,4 auf 34,0 Prozent.

Mit 174.000 Pkw verkaufte die Gruppe elf Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum – „obwohl die Liefersituation im ersten Halbjahr katastrophal war“, sagt Hellmaier. Der Umsatz legte ebenfalls um elf Prozent auf 5,32 Milliarden Euro zu. Insgesamt stieg der Umsatz der Porsche Holding, die für den Vertrieb in 21 Märkten zuständig ist, um neun Prozent auf einen Rekord von 14 Milliarden Euro. „Ab Jänner sind wir auch für Tschechien und Kolumbien zuständig“, berichtet Hellmaier. Für 2012 erwartet er am Gesamtmarkt wieder 320.000 bis 330.000 verkaufte Pkw. „Wir spüren bei den Auftragseingängen nichts vom Krisengejammere.“

Laut Brancheninstitut IHS Automotive wird Audi heuer weltweit erstmals mehr Autos verkaufen als Rivale Mercedes. Der Vorsprung werde bei jeweils mehr als eine Million Fahrzeugen knapp 70.000 Stück betragen.