Leerverkäufe werden verboten

Die französische Börsenaufsicht AMF kündigte als erste ein Verbot von Leerverkäufen an. Italien, Spanien und Belgien folgen.
Foto: AP/Patrick Sinkel

Nach den starken Kursschwankungen an den Börsen der letzten Tage wollen Frankreich, Italien, Spanien und Belgien Leerverkäufe verbieten.

An den Börsen liegen die Nerven seit Tagen blank, rational können die Kurssprünge der vergangenen Tage nicht erklärt werden. Schon das kleinste, an sich unbedeutende Gerücht führt zu Kursschwankungen. Um zu verhindern, dass Marktteilnehmer aus "falschen Gerüchten" Profite schlagen könnten, wollen mehrere europäische Staaten ab Freitag Verbote für Leerverkäufe einführen oder Bestimmungen ausweiten. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) erklärte am Donnerstagabend, dass Frankreich, Italien, Spanien und Belgien sich zu diesem Schritt entschlossen hätten. "Ein europaweites Leerverkaufsverbot ist nicht wahrscheinlich", sagte ein mit der Situation vertrauter Marktaufseher.

Bei Leerverkäufen wetten Spekulanten etwa auf fallende Kurse von Aktien, Währungen oder staatlichen Schuldpapieren (siehe Hintergrund).

Die EU-Mitgliedstaaten wurden von der ESMA aufgefordert, Informationen über Leerverkäufe oder Wetten unmittelbar an die Behörde weiterzugeben. "Wir sind mit allen nationalen Aufsichtsbehörden in Kontakt", so ein Sprecher.

Die französische Börsenaufsicht AMF kündigte als erste ein Verbot von Leerverkäufen der Aktien von elf Banken und Versicherungen an. Es soll vorerst für eine Dauer von 15 Tagen gelten. Am Mittwoch hatten Gerüchte über die französische Société Générale zu massenhaften Verkäufen geführt.

In Deutschland und Österreich sind ungedeckte Leerverkäufe schon seit längerem verboten. In Österreich gilt das Verbot für Bank- sowie Versicherungspapiere vorerst bis Ende November. Betroffen sind Aktien der Erste Group Bank AG, der Raiffeisen Bank International AG (RBI), der UNIQA Versicherungen AG und der Vienna Insurance Group Wiener Städtische Versicherung AG (VIG). Die FMA verbietet den ungedeckten Leerverkauf von Finanztiteln seit 27. Oktober 2008. Das Verbot gilt immer für maximal sechs Monate.

Gerüchte um die Stabilität des französischen Bankensektors, der wegen seines hohen Engagements in Euro-Krisenländern wie Griechenland oder Italien Verluste fürchten muss, hatten Aktienmärkte zuletzt in Aufregung versetzt und die heftigen Kursausschläge verstärkt. An der Athener Börse sind nach massiven Kursverlusten Leerverkäufe bereits seit Montag für zwei Monate verboten.

Holländer Börsenaufsicht gegen Verbot

Die niederländische Börsenaufsicht AFM will dem Beispiel von vier weiteren Euro-Ländern nicht folgen und gestattet weiterhin Aktien-Leerverkäufe. Leerverkäufe spielen "unter normalen Umständen" eine wichtige Rolle für die Preisfindung, so AFM.

(apa, afp, rts, KURIER.at / js) Erstellt am
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