Altersvorsorge wird durch niedrige Kapitalerträge erschwert

© APA/dpa-Zentralbild/Arno Burgi

Zinsen
09/26/2016

Lebensversicherungen werfen für Kunden immer weniger ab

Wifo-Experte: Kapitalerträge sinken. Für Kunden, die einen Bedarf an Garantieprodukten hätten, sei das bitter.

Lebensversicherungsverträge werfen künftig immer weniger Kapitalertrag ab. Die Zinsversprechen der Branche an ihre Kunden könnten bald Vergangenheit sein. Garantien werden immer seltener offeriert und womöglich mittelfristig ganz verschwinden, nimmt Wifo-Experte Thomas Url an. Grund ist die flachere Zinskurve, die bei kürzeren Laufzeiten nominell negativ ist, was die Verbindlichkeiten erhöht.

Neue Regeln machen Garantiezusagen teuer

Lebenspolizzen mit einer Mindestertragsgarantie könnten wegen des hohen Eigenmittelbedarfs vom Markt genommen oder nur mehr mit abgeschwächten Garantieformen angeboten werden, nimmt der Wifo-Experte an. Das sei eine Folge der neuen, seit heuer geltenden Solvency-II-Eigenkapitalregeln, die Garantiezusagen teurer machen, weil zusätzliche Eigenmittel vorzuhalten seien und Versicherer vorsichtiger investieren müssten, sagte Url am Montag.

Für Kunden, die einen Bedarf an Garantieprodukten hätten, sei das bitter. Wegen der langfristig niedrigeren Kapitalerträge scheine nämlich der Aufbau einer ausreichenden kapitalgedeckten Altersvorsorge gefährdet. Dabei würden die Kunden "von zwei Seiten gezwickt", durch die niedrige Verzinsung und das Risiko, wenn sie etwa auf Fondsprodukte mit Aktien ausweichen wollen.

Lebensversicherer kämen mit der Zinsstrukturkurve nur schwer zurecht, so Url. Das hätten bereits die Vorstudien zu dem heuer laufenden Stresstest der EU-Assekuranzaufsicht EIOPA gezeigt, die die Ergebnisse für die Branche bis Jahresende publizieren will. Die Zinskurve wurde flacher - und bei kürzeren Laufzeiten nominell negativ, was die Versicherungsverbindlichkeiten erhöht.

"Leider noch konservativer werden als sie eh schon sind"

Bei den Veranlagungen werden die Lebensversicherer nach Einschätzung von Url "leider noch konservativer werden als sie eh schon sind" - also noch stärker in Staatsanleihen Investieren -, was sich negativ auf die Erträge für die Versicherungsnehmer auswirken werde. Andererseits könnten die Versicherer selbst Schwankungen im Eigenmittelbedarf dadurch besser absichern.

Auch der Wifo-Finanzexperte geht davon aus, dass der Realzins wohl bis mindestens 2020 negativ sein wird, wenn nicht sogar bis 2022/23.

Zinsatz dürfte weiter sinken

Die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA dürfte den höchstzulässigen Zinssatz, den Lebensversicherer ihren Kunden bei Vertragsabschluss versprechen dürfen, im kommenden Jahr von derzeit 1,0 auf 0,5 Prozent absenken.

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