Wirtschaft
29.05.2017

Lebensmittelpreise: Geiz ist immer noch geil

Heftige Kritik an Billig-Angebot für Schweinefleisch im Supermarkt.

Üblicherweise beklagen sich Konsumenten nicht über niedrige Preise. Doch in Deutschland hatte ein Facebook-Nutzer seinem Unmut über ein Sonderangebot von Aldi Süd kund getan. Ein 600 Gramm schweres Schweinsnackensteak um 1,99 Euro sei "billigster Dreck, für dessen Produktion alles und jeder bis zum Anschlag ausgebeutet wurde", heißt es auf Facebook. "Billig, billiger am billigsten – das ist eure Religion."

Großhändler

Der Preis ist tatsächlich niedrig. Großhändler Metro hat Schweinsnackensteak aus Europa im Angebot. Tiefgefroren und ohne Knochen kostet das Kilo in Österreich 3,73 Euro. Aldi Süd verkauft für einen Kilopreis von 3,31 Euro.

Der Beitrag auf Facebook bekam 30.000 "Likes" und wurde 10.000 Mal geteilt. Repräsentativ für die Konsumenten ist die Kritik allerdings nicht. Der Lebensmitteleinzelhandel verkauft über den Preis. Ein beträchtlicher Teil der Ware wird dabei über Sonderangebote abgegeben. Bei Schweinefleisch sind es beinahe 50 Prozent.

Geizige Konsumenten

Es ist keineswegs so, dass die Konsumenten mehrheitlich bereit sind, für höhere Tierschutzstandards zu bezahlen. Wegen der geringeren Besatzdichte (Anzahl der Tiere pro Quadratmeter) und dem daraus resultierenden höheren Preis ist etwa der Selbstversorgungsgrad mit Putenfleisch in Österreich von 70 auf rund 30 Prozent gesunken. Es wird deutlich mehr importiert.

Die deutschen Grünen verlangen einen Mindestpreis für Fleisch, um Dumpingangebote im Supermarkt zu verhindern. Staatlich festgelegte Preise sind allerdings nicht realistisch. Außerdem müssten dann auch die Auszahlungen an Sozialhilfeempfänger oder auch Mindestpensionisten angehoben werden, damit sich die Fleisch leisten können.

Ruinöse Preise

Heimische Bauernvertreter beklagen regelmäßig die für sie ruinösen Preise im Agrarbereich. In Österreich gab es im Vorjahr eine ausführliche Debatte über die Preise für Milch und Schweinefleisch. Wegen der Freigabe der Milchquote und dem russischen Importstopp für Agrarprodukte aus der EU sind die Erzeugerpreise eingebrochen. Bauernbundpräsident Jakob Auer hat sich damals für ein Lebensmittel-Monitoring ausgesprochen. Die Wettbewerbsbehörde möge doch für "mehr Transparenz bei der Preisbildung sorgen".