Robert Lasshofer, Generaldirektor der Wiener Städtischen

© Wiener Städtische

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05/23/2019

„Vorsorgelücken zu schließen ist ein Gebot der Stunde“

Interview: Robert Lasshofer, Generaldirektor der Wiener Städtischen, über die Schwierigkeit, bei Berufsunfähigkeit staatliche Leistungen zu bekommen und die Pflege als Zukunfts-Herausforderung.

Berufsunfähigkeit und auch das Pflegethema werden in Österreich stark unterschätzt. Hier gibt es Lücken in der staatlichen Vorsorge, die sich nur privat schließen lassen. Robert Lasshofer, Generaldirektor der Wiener Städtischen, sieht hier seitens der Menschen, aber auch des Staates dringenden Handlungsbedarf.

Das Thema Berufsunfähigkeit ist in Österreich, anders als in Deutschland, kaum ein Thema. Ist die staatliche Versorgung hierzulande besser oder sind die Österreicher von diesem Thema weniger betroffen?

Robert Lasshofer: Die staatliche Versorgung in Österreich ist grundsätzlich gut, aber es gibt noch immer gefährliche Lücken im System. Ein großes Thema ist hier eben auch die Berufsunfähigkeit. Das Risiko durch eine psychische oder physische Erkrankung berufsunfähig zu werden, ist hoch. Besonders psychische Erkrankungen sind aufgrund des immer größeren Drucks in unserer Arbeitswelt weiter auf dem Vormarsch. Gleichzeitig steigen aber die Eintrittsbarrieren in die staatliche Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension: Jährlich werden rund zwei Drittel aller Anträge abgelehnt. Und: Weil unser Sozialsystem mehr und mehr an seine finanzielle Leistungsgrenze stößt, wird sich hier die Situation wahrscheinlich nicht verbessern.

Die staatliche Versorgung in Österreich ist gut, aber es gibt auch gefährliche Lücken im System.

Robert Lasshofer, Wiener Städtische

Was bedeutet das aber nun für die jeweiligen Betroffenen?

In der Sozialversicherung gibt es einen gewissen Berufsschutz erst ab dem 60. Lebensjahr. Wer jünger ist, muss im Fall der Fälle schauen, wie er sein finanzielles Auskommen findet, wenn er seinen gelernten Beruf nicht mehr ausüben kann. Hat man dann nicht selbst mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung vorgesorgt, kann die persönliche Zukunft oft mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden sein.

Ein noch deutlich größerer Problembereich ist die Pflege. Wo sehen Sie hier die wahren Herausforderungen, denen wir uns in Zukunft stellen müssen?

Die Organisation und nachhaltige Finanzierung der Pflege werden mit Sicherheit Zukunftsthemen von höchster Dringlichkeit bleiben. Auch wenn es von den Menschen gerne ausgeblendet wird, diese Themen werden uns alle in den nächsten Jahren noch stärker einholen. Wir werden immer älter, der Pflegebedarf steigt von Jahr zu Jahr und damit auch der finanzielle Druck auf den Staat. Um damit einhergehende Versorgungslücken zu schließen oder wenigstens zu verkleinern, bedarf es nicht nur bei den Bürgern, sondern auch in der Politik eines raschen Umdenkens: Wir brauchen zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen und nachhaltige Lösungen für künftige Generationen. Wenn hier die private ergänzende Vorsorge nicht bald deutlich gestärkt wird, werden wir in ein paar Jahren ein echtes Problem bekommen.

Wie kann man das Thema zufriedenstellend und nachhaltig lösen?

Ein Pflegefall in der Familie ist nicht nur mit psychischen Belastungen aller Beteiligten, sondern auch mit enormen Kosten verbunden. Die Kosten für externe Pflegeleistungen, ob nun in einer Pflegeeinrichtung oder zu Hause, werden von Experten, je nach Pflegebedarf und -aufwand mit 3.500 bis 6.000 Euro im Monat beziffert. Solche Beträge übersteigen Pension und staatliches Pflegegeld meist um ein Vielfaches und führen nicht selten dazu, dass Ersparnisse und Vermögenswerte aufgelöst und Eigenheime veräußert werden müssen, um den Herbst des Lebens nicht in Armut zu verbringen. Werte, die vielleicht einmal für Kinder oder Enkelkinder vorgesehen waren, müssen dazu verwertet werden. Ich bin überzeugt, dass es künftig eine duale Finanzierung der Pflege aus staatlichen und privaten Mitteln geben wird müssen, um die steigenden Pflegekosten zu finanzieren und den Menschen einen würdevollen und weitestgehend selbstbestimmten Lebensabend zu ermöglichen.

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