Wirtschaft
24.01.2018

Lauda zahlt 50 Millionen Euro für NIKI

Finanzierung über Privatstiftung. Betriebsrat: 90 Prozent der Piloten in Auswahlverfahren bei Konkurrenz

Aus dem Gläubigerausschuss, der in einer turbulenten Verhandlungsnacht Niki Lauda einstimmig den Zuschlag für die insolvente Airline NIKI erteilte, sickern immer mehr Details durch. Lauda hat, wie zu hören ist, im Endspurt beim Kaufpreis und den Konditionen kräftig nachgebessert. Am Schluss überzeugte er mit insgesamt knapp 50 Millionen Euro.

Diese Summe setzt sich aus dem Kaufpreis sowie aus der Anschubfinanzierung für den Neustart der Airline unter der Marke LaudaMotion zusammen. Die Formel-1-Legende finanziert den Kaufpreis angeblich ausschließlich über Eigenkapital.

Das Geld kommt aus Laudas Privatstiftung. Die Veräußerung von Wertpapieren kann allerdings nicht zur Gänze sofort erfolgen, sodass als kurzfristige Zwischenfinanzierung ein Bankkredit aufgenommen wurde, hört man aus dem Ausschuss. Dieser Kredit ist mit Wertpapieren aus der Stiftung besichert.

Der britisch-spanische Luftfahrtkonzern IAG/ Vueling, der im deutschen Insolvenzverfahren bereits den Zuschlag für NIKI erhalten hatte, besserte nicht nach. Vueling bot bekanntlich 36,5 Millionen Euro; 20 Millionen für große Teile des Geschäftsbetriebs und 16,5 Millionen für den laufenden Betrieb. Vueling-Chef Javier Sanchez-Prieto war bei den Verhandlungen dabei. Als er seine Chancen sinken sah, soll er damit gedroht haben, der spanische Verkehrsminister werde den Übergang von Slots in Spanien verhindern.

Ryanair ging mit dem höchsten Kaufpreis ins Rennen, hätte aber am längsten gebraucht, um die Airline wieder operativ zu starten.

Pilotenmangel

Rund 600 Mitarbeiter waren am Mittwochvormittag zu den beiden Betriebsversammlungen mit Lauda erschienen. Die Stimmung in der Belegschaft war gemischt.

Lauda garantierte der Belegschaft, künftig keine Leiharbeiter mehr zu beschäftigen. "Wir werden in den nächsten Tagen mit den Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag beginnen", sagte Betriebsratschef Stefan Tankovits anschließend. Da Lauda die NIKI Luftfahrt GmbH nicht übernimmt, sondern nur große Teile davon, gilt dies vermutlich nicht als Betriebsübergang und der bestehende Kollektivvertrag (KV) müsste nicht übertragen werden.

Tankovits ist zuversichtlich, dass der neue KV rund um den Neustart Ende März schon stehen könnte. Lauda habe zugesagt, die Konditionen nicht zu verschlechtern. Der KV des Konkurrenten AUA sei um zehn Prozent teurer und weniger flexibel. Bei NIKI sei der variable Anteil (30 Prozent) deutlich höher, dafür sei bei der AUA das Grundgehalt höher. Der variable Anteil sind die sogenannten Blockstunden, das ist die Zeit, in welcher ein Flugzeug bewegt wird. Die NIKI-Piloten kamen zuletzt auf eine jährliche Arbeitszeit von insgesamt rund 600 Stunden, 900 Stunden sind gesetzlich erlaubt.

Rund 90 Prozent der 220 NIKI-Piloten hätten sich vorsorglich seit der Insolvenz bei anderen Airlines beworben und durchlaufen derzeit die Auswahlverfahren. "Seit der Pleite hat sich jeder umgeschaut", sagt Tankovits. Die Piloten könnten bereits im März bei Mitbewerbern an Bord gehen. Copiloten sind leichter rekrutierbar, dagegen seien erfahrene Kapitäne laut Tankovits in Europa derzeit Mangelware. Die AUA sucht aktuell vor allem Copiloten, auch Eurowings sucht in Österreich sowie in Deutschland Piloten. easyJet und die arabischen Airlines brauchen ebenfalls Piloten.